TY - JOUR U1 - Zeitschriftenartikel, wissenschaftlich - begutachtet (reviewed) A1 - Roux, Marie-Thérèse T1 - Die Universität Heidelberg und der "Fall Philipp Lenard" BT - der Umgang mit der antirepublikanischen Provokation eines Hochschullehrers 1922/23 JF - Heidelberg : Jahrbuch zur Geschichte der Stadt N2 - „Die tiefbetrüblichen Vorgänge, die sich wie anderwärts so leider auch innerhalb unserer Stadt und Hochschule als Folge des fluchwürdigen Verbrechens, in dessen Banne wir stehen, abspielten, haben jedem, der von vaterländischer Gesinnung und staatsbürgerlichem Verantwortungsgefühl auch nur einen Hauch in sich spürt, wieder einmal auf das eindringlichste vor Augen geführt, woran wir leiden und was uns zu allererst not tut.“ Diese deutlichen Worte fand der Engere Senat der Universität Heidelberg in einer Erklärung vom 28. Juni 1922, um die Ereignisse zu beschreiben, die sich am Vortag um das Heidelberger Physikalische Institut abgespielt und innerhalb wie außerhalb der Universität einen Skandal verursacht hatten. Anlässlich der Beerdigung des Reichsaußenministers Walther Rathenau, dessen Ermordung durch die rechtsterroristische Organisation Consul am 24. Juni 1922 ein „politisches Erdbeben“ in ganz Deutschland ausgelöst hatte, verfügte im Rahmen einer staatlich angeordneten Totenehrung auch das Heidelberger Rektorat, den Universitätsbetrieb am 27. Juni ruhen zu lassen und in den Instituten die Flaggen auf halbmast zu setzen. Philipp Lenard, der Direktor des Physikalischen Instituts, einerseits als Nobelpreisträger und angesehener Experimentalphysiker, andererseits bereits in den frühen 1920er Jahren als extremer Antisemit und „Verfechter völkisch-nationaler Ideen“ bekannt, ignorierte diese Anweisung aus „antirepublikanischem und antisemitischem Ressentiment“. Dies bewegte eine Gruppe aus Arbeitern, Gewerkschaftern und Studenten unter der Beteiligung Carlo Mierendorffs – damals Vorsitzender der Sozialistischen Studentengruppe – dazu, in Lenards Institut einzudringen, um die Befolgung der staatlichen Vorschriften durchzusetzen. KW - Lenard, Philipp 〈1862-1947〉 KW - Heidelberg KW - Universität Heidelberg KW - Biografie Y1 - 2020 UN - https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-opus-244089 U6 - https://doi.org/10.57962/regionalia-24408 DO - https://doi.org/10.57962/regionalia-24408 VL - 25 (2021) SP - 97 EP - 120 ER -