Das Stafforter Buch
- Im Jahr 1599 wurde in der Stafforter Schlossdruckerei das Stafforter Buch im Auftrag des damaligen Markgrafen Ernst Friedrich von Baden-Durlach hergestellt. Das offensichtlich als Versöhnungsversuch zwischen Lutheranern und Calvinisten gedachte Buch führte zu erheblichen wissenschaftlich-theologisch geführten Disputen zwischen den beiden evangelischen Konfessionen. Der badische Markgraf, der in seinem zerstückelten Herrschaftsgebiet katholische (Vorderösterreich), lutherisch-evangelische (Württemberg) und reformiert-evangelische (Kurpfalz) Nachbarn hatte, versuchte offensichtlich einen liberalen, wissenschaftlich-theologischen Ausgleich zu schaffen, der auch den diplomatischen weltlichen Machtansprüchen den Nachbarn gegenüber akzeptabel sein sollte. Dieser erste Versuch einer Verständigung der Evangelischen Konfessionen in Baden kann als gescheitert verstanden werden, da dieses Buch erhebliche kontroverse Diskussionen auslöste und durch den frühen Tod des Markgrafen keine dauerhafte Unterstützung erfuhr, sondern zunächst ad acta gelegt wurde. Es sollte noch 222 Jahre dauern, bis es 1821 zur Union der beiden evangelischen Konfessionen in Baden kam. Im Heimatkundeunterricht und in der Religionsgeschichte Badens spielte das Stafforter Buch immer eine Rolle. Es wurde jedoch oftmals auf die scheinbare Unvereinbarkeit der Abendmahls-Formeln der Lutheraner "dies ist mein Leib" und der calvinistisch-zwinglianischen Formel "dies bedeutet mein Leib", reduziert. Als Dr. Holger Müller die ersten Seiten einer für theologische Laien verständlichen Übersetzung des Stafforter Buches vorlegte, wurde bewusst, dass 422 Jahre nach der Drucklegung und 200 Jahre nach der Union der evangelischen Christen in Baden der richtige Zeitpunkt gekommen sei, dieses historisch wichtige und vielfach umkämpfte Buch in aktueller, für Laien verständlicher Sprache herauszugeben.


