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Das Stafforter Buch
(2025)
Im Jahr 1599 wurde in der Stafforter Schlossdruckerei das Stafforter Buch im Auftrag des damaligen Markgrafen Ernst Friedrich von Baden-Durlach hergestellt. Das offensichtlich als Versöhnungsversuch zwischen Lutheranern und Calvinisten gedachte Buch führte zu erheblichen wissenschaftlich-theologisch geführten Disputen zwischen den beiden evangelischen Konfessionen. Der badische Markgraf, der in seinem zerstückelten Herrschaftsgebiet katholische (Vorderösterreich), lutherisch-evangelische (Württemberg) und reformiert-evangelische (Kurpfalz) Nachbarn hatte, versuchte offensichtlich einen liberalen, wissenschaftlich-theologischen Ausgleich zu schaffen, der auch den diplomatischen weltlichen Machtansprüchen den Nachbarn gegenüber akzeptabel sein sollte. Dieser erste Versuch einer Verständigung der Evangelischen Konfessionen in Baden kann als gescheitert verstanden werden, da dieses Buch erhebliche kontroverse Diskussionen auslöste und durch den frühen Tod des Markgrafen keine dauerhafte Unterstützung erfuhr, sondern zunächst ad acta gelegt wurde. Es sollte noch 222 Jahre dauern, bis es 1821 zur Union der beiden evangelischen Konfessionen in Baden kam. Im Heimatkundeunterricht und in der Religionsgeschichte Badens spielte das Stafforter Buch immer eine Rolle. Es wurde jedoch oftmals auf die scheinbare Unvereinbarkeit der Abendmahls-Formeln der Lutheraner "dies ist mein Leib" und der calvinistisch-zwinglianischen Formel "dies bedeutet mein Leib", reduziert. Als Dr. Holger Müller die ersten Seiten einer für theologische Laien verständlichen Übersetzung des Stafforter Buches vorlegte, wurde bewusst, dass 422 Jahre nach der Drucklegung und 200 Jahre nach der Union der evangelischen Christen in Baden der richtige Zeitpunkt gekommen sei, dieses historisch wichtige und vielfach umkämpfte Buch in aktueller, für Laien verständlicher Sprache herauszugeben.
The Staffort Book
(2025)
In 1599, the Staffort Book was produced in the Staffort Castle printing shop by order of Margrave Ernst Friedrich of Baden-Durlach. Obviously intended as an attempt at reconciliation between Lutherans and Calvinists, the book led to considerable academic theological disputes between the two Protestant denominations. The Margrave of Baden, who had Catholic neighbours in his fragmented dominion (Anterior Austria), Evangelical Lutheran (Württemberg) and Evangelical Reformed (Electoral Palatinate), was obviously attempting to create a liberal theological balance that would also be acceptable to the diplomatic secular power claims towards the neighbours. This first attempt at an agreement between the Protestant confessions in Baden can be understood as a failure, since the book triggered considerable controversy and did not receive any lasting support due to the margrave‘s early death. The matter was initially shelved, and it was to take another 222 years until the two Protestant confessions in Baden were united in 1821. The Staffort Book always played a role in local history lessons and in the religious history of Baden. However, it was often reduced to the apparent incompatibility of the Lutheran communion formula “this is my body” and the Calvinist-Zwinglian formula “this means my body”.When Dr Holger Müller presented the first pages of a translation of the Staffort Book that could be understood by lay people, it became clear that − 422 years after its printing and 200 years after the union of the Protestant Christians in Baden − the right time had come to publish this historically important and often contested book in up-to-date German that could be understood by non-theologians.
Der Posaunenchor Staffort
(2021)
"Halleluja! Lobet Gott in Seinem Heiligtum … Lobet ihn mit Posaunen … Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“ (Psalm 150,1.3.6) Auf 3.000 Jahre alte Biblische "Einsetzungsworte" berufen sich Evangelische Posaunenchöre schon jahrhundertelang – seit 2016 werden sie als Immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO gewürdigt! Lange hatten Bläser es aber schwer, in Kirchen spielen zu dürfen. Martin Luther, der selbst an der Laute komponierte, empfand Trompeten als "himmlisches Feldgeschrei" oder "scheußliches Gottes-Ehr-Schreien". Gleichwohl wurden um 1500 erste Bläser-Motetten komponiert, Michel Praetorius prägte 1618 den Namen "Posaunen Chor", Johann Sebastian Bach sah in einigen Kantaten ausdrücklich Posaunen vor. Ihr Siegeszug als kirchliche Freiluft-"Allwetter-Orgeln" begann 1731 in der Herrnhuter Brüdergemeine, 1738 bereits mit Bläser-Einsatz am frühen Ostermorgen! Doch erst im Lauf des 19. Jahrhunderts verbreiteten sie sich im Zuge der Erweckungsbewegungen als Instrumente der Volksmission in ganz Deutschland – oft in Evangelischen Jünglingsvereinen (CVJM) - und auch in England als "Brass Bands" der Heilsarmee. In unserer Nachbarschaft wurden 1896 die Posaunenchöre in Blankenloch und Friedrichstal gegründet, 1910 in Spöck. 1921, im selben Jahr, in dem in Staffort die 2. Generation Kirchenglocken läuteten, waren auch hier erstmals Posaunen-Klänge zu hören. Da diese erste Initiative aus Mangel an Probenräumen bereits fünf Jahre später wieder einschlief, blieb ihr aber 1934 die Zwangseingliederung in die nationalsozialistische "Reichsmusikkammer" erspart. Umso schneller kam es 1946 schon kurz nach dem Ende des "Dritten Reiches" in Staffort zur Posaunenchor-Neugründung, auch diesmal mit Unterstützung des EC-Jugendbundes der seit 1910 hier bestehenden Liebenzeller Gemeinschaft. Seine kirchenmusikalische "DNA" kommt bis heute bei jedem Einsatz zum Tragen. Dass seit der Jahrtausendwende gelegentlich profane Musik wie etwa Kinohits Aufnahme ins Repertoire findet, ist der ununterbrochenen Verjüngung des Ensembles zu verdanken, da sich die musikalischen Prägungen der Bläserinnen und Bläser von Generation zu Generation unentwegt wandeln. Deshalb bringt unser Posaunenchor regelmäßig eine erfreulich große Bandbreite alten und neuen geistlichen Liedguts zu Gehör.