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Das Schloss zu Staffort
(2021)
Zu unseren Familiengesprächen über die Geschichte von Staffort gehörte immer auch die Fahrradtour zum Schlossbuckel Staffort und zum Schloss Stutensee. Dass die dortigen Gebäude weitgehend mit Steinen aus dem ehemaligen Stafforter Schloss gebaut wurden, ließ uns immer spekulieren, wie wohl das Schloss Staffort ausgesehen haben könnte. Die als exakt beschriebene Darstellung von Samson Schmalkalden und die in zahlreich archivierten Dokumenten und Büchern enthaltenen Beschreibungen von Wilhelm Hauck, Hanna Heidt und Konrad Dussel dienten uns schließlich als Basis unserer Überlegungen. Darüber hinaus haben wir uns von zeitgenössischen Darstellungen inspirieren lassen, wie das Schloss Staffort im 16. und 17. Jahrhundert wohl ausgesehen haben mag. Die junge Generation ist heute den Großvätern bezüglich des Internets und der Digitalisierung weit überlegen und schafft es mit Computersoftware Konstruktionszeichnungen schneller zu erstellen, als dies am Reißbrett möglich ist. Und einen Großvater mit Computerfertigkeiten zum Staunen zu bringen macht offensichtlich so viel Spaß, wie es auch den Großvätern gefällt, Nachkommen so agieren zu sehen. Mit der Konstruktionssoftware SketchUp wurde die Visualisierung unserer Überlegungen vorgenommen. Wir sind uns bewusst, dass sich jeder geschichtsbeflissene Stafforter ein anderes Bild vom Schloss nach dessen Abriss gemacht haben mag. Viele Stafforter glaubten früher, dass das Schloss auf dem Berg stand, der heute als Abraumhügel des Schlosses eingeschätzt wird. Der von der Pfinz gespeiste Wassergraben verweist zudem auf eine Tiefburg. Wir glauben mit unserer nachfolgenden Darstellung nahe an das damalige Aussehen der ursprünglichen Bausubstanz heranzukommen.
Anfang der 1980er Jahre haben wir begonnen in den Kirchenbüchern von Staffort unsere Vorfahren zu suchen und das Beziehungsnetz der Stafforter Sippen zu erforschen. Dies erfolgte zunächst in den Original-Kirchenbüchern, welche in teilweise nur schwer lesbarer altdeutscher Handschrift vorliegen. Das war sehr zeitaufwendig da diese Bücher auch mit großer Vorsicht behandelt werden mussten um beim Blättern keinen Schaden anzurichten. Als Gerhard Rau, der damalige Vorsitzende des Kirchengemeinderates, sich Anfangs der 1990er Jahre entschloss diese Bücher in Maschinenschrift zu übertragen wurde die Suche nach Vorfahren, das Zusammenstellen von Familien und deren Abgleich mit dem Gemeinderegister des Stafforter Rathauses erheblich vereinfacht. Mein Dank gilt deshalb besonders Herrn Gerhard Rau für diese wertvolle Vorarbeit. Den Kirchengemeinderäten und Herrn Pfarrer Bernhard Wielandt danke ich für die grundsätzliche Erlaubnis und Unterstützung die Stafforter Kirchenbücher auszuwerten und einen Teil der Ergebnisse zu veröffentlichen. In diesen Dank möchte ich auch den Stafforter Ortschaftsrat und insbesondere Ortsvorsteher Ludwig-Wilhelm Heidt einschließen, der diese Veröffentlichung nachhaltig förderte. Dank der Zugriffsrechte auf das Stafforter Einwohnerregister 1870-1975 konnten viele Daten der Kirchenbücher ergänzt werden. Darüber hinaus danke ich Herrn Ekkehard Burde aus Weil am Rhein herzlich, der seine langjährige Erfahrung als Redakteur und Lektor zahlreicher Ortssippenbücher Badens bei der Gestaltung und Druckvorbereitung dieses Buches einbrachte. Wenngleich ich mich um präzise Auswertung der Dokumentation bemühte sind Unterschiede in der Schreibweise gegenüber Familiendokumenten nicht völlig auszuschließen. Die Geburtsdaten und Schreibweisen, sowohl der Vor- als auch der Nachnamen in Tauf-, Trau- und Sterberegister im Kirchenbuch und Standesamt weichen teilweise erheblich voneinander ab. In der Auswertung für dieses Buchs blieb die Schreibweise bei der Taufe bzw. dem Geburtsregister erhalten. In den Kirchenbüchern bestehen auch Eintragungslücken die sich nur schwer schließen lassen. Darüber hinaus lebten in Staffort zeitgleich mehrere gleichnamige Ehepaare Gamer, Hauck, Hauth und Heidt was die Zuordnung der Kinder erschwerte. Die ausgewiesenen Berufsbezeichnungen entstammen dem Traubuch und wurden in der dortigen Schreibweise übernommen, zusätzliche Angaben im Ortsregister wurden so weit als möglich berücksichtigt. Die Datenbank Stafforter Geschlechter umfasst aktuell mehr als 10.000 Namen und mehr als 3.500 Trauungen. Die Daten von Stafforter Bürgern, welche nach 1920 geboren wurden, sind jedoch aus Datenschutzgründen in diesem Buch nicht enthalten. Auf Anforderung können jedoch aktualisierte Auswertungen für einzelne Familien erstellt werden. Die Einwohner von Staffort haben 2010 ein historisches Festjahr begangen. Dieses Buch soll mein Beitrag zum 900jährigen Jubiläum des Dorfes sein, zumal Staffort und seine Einwohner auch meine Jugend nachhaltig geprägt haben. Mein besonderer Dank geht an meine Ehefrau Dorothee, die nicht nur meine zeitaufwendige Freizeitbeschäftigung Genealogie tolerierte sondern mich darüber hinaus bei den Auswertungen tatkräftig unterstützte.
Im Jahr 1960 wurde der deutsche und osteuropäische Tabakanbau überraschend von der Blauschimmelkrankheit Peronospora tabacina befallen für die es bis dahin keine wirksamen Bekämpfungsmöglichkeiten gab. Damit war für hunderttausende deutsche und osteuropäische Kleinbauernbetriebe die Existenzgrundlage in Gefahr, da mit anderen Ackerfrüchten die 5 bis 10 fache Fläche für das gleiche Einkommen nötig wurde. Für die tabakanbauenden Betriebsnachfolger galt es die Entscheidung zu treffen: "Entweder Wachsen oder Weichen". Nachdem der Versuch meines Vaters in der nahe gelegenen Staatsdomäne Stutensee landwirtschaftliche Flächen zu pachten nicht gelang, begann ich mein Studium an der Staatlichen Ingenieurschule Nürtingen (heute Hochschule Nürtingen-Geislingen) mit Fortsetzung des Studiums an der Universität Hohenheim. Die Zulassungsarbeit zur damaligen Staatsprüfung 1962 befasste sich mit dem Zustandsbericht des deutschen Tabakbaus insbesondere der Situation in meiner Heimatgemeinde Staffort. In den vergangen 50 Jahren haben sich erhebliche technische Änderungen im Tabakanbau, sowie dessen Verarbeitung und Konsum ergeben. Da der Anbau in Staffort erloschen ist und in Deutschland kaum noch eine Rolle spielt, habe ich mich für eine Überarbeitung der damaligen Arbeit entschlossen. Im Jahr 1960 wurden in Staffort noch 213 tabakanbauende Bauernbetriebe gezählt und im Jahr 1995 war der Anbau völlig verschwunden. Lediglich zur 900Jahrfeier des Dorfes im Jahr 2010 wurde Anbau und Bearbeitung des Tabaks aus historischen Gründen nochmals nachgestellt. Neben meiner persönlichen Erfahrung als "Stafforter Nebenerwerbslandwirt" (1970-2006) wurden die neueren regionalen Veröffentlichungen berücksichtigt, insbesondere Arnold Hauck, Hanna Heidt, Günther Hornung und Bertold Gorenflo, Paul Schweiger und Franz Burkard sowie Theo Seibert und Günter Hechler werden wörtlich zitiert. Informationen insbesondere zu Tabakkonsum und zu Tabakmuseen flossen aus der deutschen Wikipedia ein, der Internetenzyklopädie in der ich seit 2006 in meinem Fachbereich aktiv mitarbeite. Auf die ursprüngliche Bebilderung wurde wegen der mangelnden Qualität der alten Aufnahmen verzichtet zumal inzwischen im Internet ausreichend Beispielsbilder verfügbar sind. Möge allen Lesern bewusst werden, dass Krisen im Beruf und persönlichen Leben auch Chancen beinhalten. Die Welt verändert sich ständig und wir entwickeln uns im Rahmen unserer regionalen und sozialen Umgebung weiter. Meiner Frau Dorothee danke ich für die Ergänzung der Tabellen und für die Durchsicht des Manuskripts.
Ludwig-Wilhelm Heidt, geboren am 9. Oktober 1951 in Staffort; verstorben am 25. September 2021 in Stutensee-Staffort, war Berufssoldat der Bundeswehr und Kommunalpolitiker in Stutensee. Von 2004 bis 2021 war er Ortsvorsteher des Stadtteils Staffort. Ludwig-Wilhelm Heidt war der ältere von zwei Söhnen des Stafforter Land- und Schwanenwirts Wilhelm Heidt (1926–1976) und dessen Ehefrau Ingeborg geb. Hauth (1928–2011). Nach seiner Schulausbildung in Staffort und Karlsruhe erhielt er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei L’Oréal in Karlsruhe mit anschließender Übernahme in das Angestelltenverhältnis. Nach seiner Einberufung zur Bundeswehr entschied sich Fallschirmjäger Heidt, als Zeitsoldat und später als Berufssoldat zu dienen. Er war 1993 als "Blauhelm" im Auslandseinsatz in Somalia und absolvierte während seiner 34-jährigen Dienstzeit diverse Auslandsaufenthalte mit zahlreichen Anerkennungen. Am 31. Oktober 2004 schied Heidt als Oberstabsfeldwebel aus der Bundeswehr aus. Der langjährige Gemeinderat der Freien Wähler der Stadt Stutensee (1989-2019) und Ortschaftsrat des Stadtteils Staffort wurde 2004 zum Ortsvorsteher von Staffort gewählt. Sein Mandat wurde 2009, 2014 und 2019 jeweils um weitere fünf Jahre verlängert.
Hanna Elisabeth Heidt, geboren am 12. Januar 1920 in Staffort, gestorben am 3. September 2020 in Stutensee-Staffort, war Stafforter "Schwanenwirtin", Autorin, Heimatforscherin, Ehrenvorsitzende des KreisLandFrauenverbandes Karlsruhe und Trägerin des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Sie war als freie Mitarbeiterin eine regionale Berichterstatterin der Badischen Neuesten Nachrichten (von 1959 bis 1989) mit circa 3000 Artikeln zum Stafforter Ortsgeschehen und zur Regionalgeschichte der Hardt. Aus den gesammelten Aufzeichnungen 30-jähriger journalistischer Tätigkeit, ergänzt durch Quellenstudien im Gemeindearchiv, Kirchenarchiv und dem Generallandesarchiv Karlsruhe, entstand ihr Buch "Erinnerungen an die Vergangenheit". In zwölf Kapiteln werden auf 221 Seiten die erste urkundliche Nennung Stafforts, das Stafforter Schloss, das Stafforter Buch, das Zollhaus Staffort, das Wappen und der Fliegerangriff im Zweiten Weltkrieg beschrieben. Auch die Entwicklungen im Geldverkehr, der Bausituation, der Feld- und Waldflur, die Sitten und Gebräuche, sowie ganz allgemein das landwirtschaftliche Leben werden dargestellt.
Staffort-Fibel
(2025)
Als Staffort 1110 erstmals erwähnt wurde dürfte es damals schon mehr als 1000 Jahre bestanden haben; immerhin wurden in der Nähe der Furt durch die Pfinz historische Teller gefunden, die entsprechend der Herstellungsstempel um die Zeit unserer Zeitrechnung von römischen Betrieben in der heutigen Pfalz gefertigt worden waren. Zu Schade, dass diese wichtigen Beweisstücke der Geschichte zwar beschrieben wurden, aber im Laufe der Kriegswirren verloren gingen. Die gesamte Gegend ist sehr geschichtsträchtig, denn in nur 4 km Entfernung wurden am Michaelsberg bei Untergrombach außergewöhnliche Hinweise auf die Band- und Schnurkeramik gefunden ein Beweis, dass bereits vor 4-6 tausend Jahren in dieser Gegend Menschen lebten und arbeiteten. Wann die Furt durch die Pfinz entdeckt und schließlich zu einer römischen Handelsstraße ausgebaut wurde lässt sich heute nicht mehr feststellen – allerdings hat die Handelsstraße von der Pfalz zu dem römischen Stadion in Stettfeld bereits vor 2 Tausend Jahren bestanden. Die stete Furt durch die Pfinz gab Staffort den Namen so wie bei Frankfurt die Franken und in Ochsenfurt die Ochsen durch den Main waten konnten und dadurch die Ortsnamen abgeleitet wurden. So wurde Stafford in England am Flüsschen Soar und Oxford an der Themse ebenfalls an einer Furt gegründet. Im Jahr 2006 wurde ich vom Redaktionsteam des Stadtwiki Karlsruhe gebeten, mit meinem Wissen zur Regionalgeschichte beim Ausbau des Wissensportals mitzuhelfen. Auf der Basis der Ortschronik von Wilhelm Otto Hauck, den Erinnerungen von Hanna Heidt, eigenen Recherchen, sowie Informationen aus den in der Literaturliste angegebenen Veröffentlichungen, konnten zahlreiche Beiträge geliefert werden. Um Stafforter Neubürgern die Orientierung zu erleichtern und bei Schülern und Altbürgern die Historie wach zu halten habe ich die nachfolgenden Informationen zusammengestellt.
Die freundschaftliche Verbindung zwischen Lörrach und Edirne entstand auf Grund einer Bürgerbefragung. Im Rahmen der Ausstellung "Mehr als nur Gäste – muslimisches Zusammenleben in Baden-Württemberg" wurde die Idee einer Partnerschaft mit einer türkischen Stadt vorgestellt und eine Befragung der Bevölkerung initiiert. Den Anstoß dazu hatten Angelika Messer und der damalige türkische Lehrer Hayati Bozdag gegeben. Ein Jahr später, am 31. November 2005, wurde im Verein Lörrach International die AG Türkei gegründet. Die vom Verein Lörrach International initiierte Anfrage der Dualen Hochschule Lörrach an die Trakya Universität Edirne hinsichtlich einer Erasmuspartnerschaft wurde unmittelbar positiv beantwortet und entsprechende Vereinbarungen getroffen. Im Rahmen der Verbindungen zur Trakya Universität als auch zur Stadtverwaltung, zum Rotary Club Edirne und vielen weiteren Institutionen fanden zahlreiche Begegnungen von Schülern, Auszubildenden, Studenten, Unternehmern und interessierten Bürgern statt. 2010 wurde die Städtefreundschaft von den Oberbürgermeistern besiegelt und ein LörrachSymposium an der Trakya Universität durchgeführt. Von Seiten der Universität und weiteren Institutionen wurde die Verlängerung der bestehenden Verträge zum Jugend- und Studentenaustausch bestätigt.
Am 2. Februar 2025 jährte sich zum 80. Mal die Bombardierung von Staffort während des Zweiten Weltkrieges, die viele Tote und große Zerstörungen im Dorf zur Folge hatte. Nur drei Monate später endete der mörderische Krieg mit vielen Millionen Toten und Vertriebenen. Auch in Staffort fanden zahlreiche Flüchtlings-Familien, die sich glücklicherweise sehr schnell integrierten, eine neue Heimat. Die Neubürger katholischen Glaubens gründeten eine neue Kirchengemeinde und erbauten die Kirche St. Wolfgang. Die nachfolgende Darstellung zeigt die Entwicklung der katholischen Kirchengemeinde in Staffort und des Kirchenbaus St. Wolfgang.
Als Cousin zweiten Grades habe ich mit Arnold und seiner Frau Gertrud in meiner Jugend viele gemeinsame Fahrten unternommen und mit unserer
Familie viele gemeinsame Spielabende verlebt. Seine Schwester Frieda Hauck, später verheiratete Hauth, war eine meiner Patinnen. Unsere Familien haben immer die verwandtschaftliche Beziehung gepflegt. Im landwirtschaftlichen Umfeld wurden Gerätschaften gegenseitig ausgeliehen und das Fachgespräch zu Tabak gepflegt. Als im Jahr 1960 die Blauschimmelkrankheit ausbrach, war in den betroffenen Familien Handlungsbedarf notwendig. Der damals jüngste Gemeinderat Stafforts Arnold Hauck erwog, Bürgermeister zu werden und wurde gewählt. Ich entschied mich damals für die Weiterbildung, was in der „Blauschimmel-Zeit“ sowohl für meine Eltern als auch für mich eine echte Herausforderung war. Als Bürgermeister verhandelte Arnold mit der Firma Sämann erfolgreich zur Einrichtung einer Kiesgrube, die erstmals ausreichend Geld in die Stafforter Dorfkasse brachte, sodass dringend benötigte Investitionen, wie z.B. das Schulgebäude, in Angriff genommen werden konnten. Nach der Gründung von Stutensee 1975 blieb er als Ortsvorsteher in Staffort tätig. Daneben war er Kreisrat im Landkreis Karlsruhe (FDP), wurde Vorstand und Geschäftsführer des Verbandes deutscher Tabakpflanzer und Vertreter Deutschlands in der Internationalen Vereinigung der Tabakanbauer UNITAB.
Sein Beitrag zur Heimatgeschichte „Duwaggbreche in Stutensee“ (2003) ist inzwischen vergriffen. Zusammen mit dieser Würdigung stellen wir eine
überarbeitete Auflage seines Heftes mit neuer Bebilderung vor. Die übernommenen Ursprungstexte stellen die Situation 2003 dar.
Das Stafforter Buch
(2025)
Im Jahr 1599 wurde in der Stafforter Schlossdruckerei das Stafforter Buch im Auftrag des damaligen Markgrafen Ernst Friedrich von Baden-Durlach hergestellt. Das offensichtlich als Versöhnungsversuch zwischen Lutheranern und Calvinisten gedachte Buch führte zu erheblichen wissenschaftlich-theologisch geführten Disputen zwischen den beiden evangelischen Konfessionen. Der badische Markgraf, der in seinem zerstückelten Herrschaftsgebiet katholische (Vorderösterreich), lutherisch-evangelische (Württemberg) und reformiert-evangelische (Kurpfalz) Nachbarn hatte, versuchte offensichtlich einen liberalen, wissenschaftlich-theologischen Ausgleich zu schaffen, der auch den diplomatischen weltlichen Machtansprüchen den Nachbarn gegenüber akzeptabel sein sollte. Dieser erste Versuch einer Verständigung der Evangelischen Konfessionen in Baden kann als gescheitert verstanden werden, da dieses Buch erhebliche kontroverse Diskussionen auslöste und durch den frühen Tod des Markgrafen keine dauerhafte Unterstützung erfuhr, sondern zunächst ad acta gelegt wurde. Es sollte noch 222 Jahre dauern, bis es 1821 zur Union der beiden evangelischen Konfessionen in Baden kam. Im Heimatkundeunterricht und in der Religionsgeschichte Badens spielte das Stafforter Buch immer eine Rolle. Es wurde jedoch oftmals auf die scheinbare Unvereinbarkeit der Abendmahls-Formeln der Lutheraner "dies ist mein Leib" und der calvinistisch-zwinglianischen Formel "dies bedeutet mein Leib", reduziert. Als Dr. Holger Müller die ersten Seiten einer für theologische Laien verständlichen Übersetzung des Stafforter Buches vorlegte, wurde bewusst, dass 422 Jahre nach der Drucklegung und 200 Jahre nach der Union der evangelischen Christen in Baden der richtige Zeitpunkt gekommen sei, dieses historisch wichtige und vielfach umkämpfte Buch in aktueller, für Laien verständlicher Sprache herauszugeben.