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Staffort, Anno 1786
(2023)
Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich um die Transkription eines Amtsbuchs aus dem Ortsarchiv Staffort aus dem Jahr 1786 mit der Archivsignatur B 11. Dieses Buch enthält die Aufstellung und Lage sämtlicher Haus- und Hofplätze und der landwirtschaftlichen Grundstücke in
unserer Gemeinde sowie zum Teil deren Größe, die Namen der jeweiligen Eigentümer, aber auch die Abgaben an Geld und Naturalien, die an die
damalige Obrigkeit entrichtet werden mussten. Damit ist diese Aufzeichnung eine Momentaufnahme der Besitzverhältnisse aus jenem Jahr und zugleich ein Nachweis, dass sich die Stafforter Grundstücke zum Teil auf badischem und zum Teil auf kurpfälzischem Herrschaftsgebiet befanden.
Wenige Jahre zuvor war in der Markgrafschaft die über Jahrhunderte bestehende Leibeigenschaft aufgehoben worden. Am 23. Juli 1783 hatte der
fortschrittliche Markgraf Karl Friedrich von Baden im Schloss Stutensee ein entsprechendes Dekret unterzeichnet. Nunmehr hatten seine Untertanen die Möglichkeit, vom Landesherrn Eigentum zu erwerben. Da die damaligen potentiellen Käufer zumeist nicht über die notwendigen Geldmittel verfügten, wurden Verträge zur Abzahlung der Darlehen unterzeichnet, die zum Teil eine Laufzeit von über 60 Jahren hatten. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts waren viele der im Amtsbuch aufgeführten Grundstücke nachweislich noch immer im Besitz der Nachkommen der ursprünglichen im Buch erwähnten Eigentümer. Damit bietet die vorliegende Publikation, in Verbindung mit dem von Manfred Raupp erarbeiteten Ortsfamilienbuch, eine Ergänzung zur jeweils eigenen Familiengeschichte.
Nie wieder Krieg
(2020)
Staffort Amt und Schloss der Markgrafschaft Baden Durlach sowie Grenzdorf zum Bistum Speyer und der früheren Kurpfalz war über Jahrhunderte Ort der Auseinandersetzung von Besitzrechten und Grenzziehungen der Nachbarn. Während Schloss und Dorf 1689 letztmals völlig zerstört wurden, blieb die Bevölkerung bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges weitgehend von kriegerischen Einflüssen unberührt, wenngleich Bürger der Gemeinde aktiv an verschiedenen Kriegen teilnahmen bzw. teilnehmen mussten. Am 2. Februar 1945 kam es jedoch in Staffort zur Nacht des Grauens als eine
britische Bomberflotte Tod und Zerstörung in das Dorf brachte. Dass diese Bombenfracht für Karlsruhe gedacht war und eine Revanche für deutsche
Angriffe in England war, sei zumindest erwähnt. Die beiden mörderischen Weltkriege, die in allen beteiligten Ländern Tod, Leid, Verwüstung hinterließen, sollten uns Mahnung sein und die Einsicht wecken, dass kriegerische Auseinandersetzungen keine Sieger kennen. Die Stafforter Ausstellung "Nie wieder Krieg" und die Veranstaltungen rund um die 75-jährige Wiederkehr des Bombardements thematisieren die regionale Einbindung der Bevölkerung in die verschiedenen Kriege. Das Leid, die Suche nach Toten und Vermissten, die Flucht Vertreibung und die gelungene
Integration von Neubürgern in unserer Gemeindeleben. Mit welch großem Einsatz die Neubürger, die Haus und Hof verloren hatten, sich in unseren Gemeinden wieder eine Existenz aufgebaut und auch die Voraussetzungen für die Praktizierung ihres Glaubens geschafft haben ist aller Ehre wert.
Sowohl die Ausstellung als auch das Begleitbuch können einer umfassenden Darstellung der Ereignisse nicht gerecht werden. Sie können lediglich bestimmte Aspekte schlaglichtartig ins Bewusstsein rücken und interessierte Leser und Besucher motivieren, sich mit den damaligen Geschehnissen intensiver zu beschäftigen. Die zitierten Quellen und weitere Literaturhinweise befinden sich im Anhang des Büchleins, diese wurden der leichteren Lesbarkeit halber nur insgesamt genannt.
Der Posaunenchor Staffort
(2021)
"Halleluja! Lobet Gott in Seinem Heiligtum … Lobet ihn mit Posaunen … Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“ (Psalm 150,1.3.6) Auf 3.000 Jahre alte Biblische "Einsetzungsworte" berufen sich Evangelische Posaunenchöre schon jahrhundertelang – seit 2016 werden sie als Immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO gewürdigt! Lange hatten Bläser es aber schwer, in Kirchen spielen zu dürfen. Martin Luther, der selbst an der Laute komponierte, empfand Trompeten als "himmlisches Feldgeschrei" oder "scheußliches Gottes-Ehr-Schreien". Gleichwohl wurden um 1500 erste Bläser-Motetten komponiert, Michel Praetorius prägte 1618 den Namen "Posaunen Chor", Johann Sebastian Bach sah in einigen Kantaten ausdrücklich Posaunen vor. Ihr Siegeszug als kirchliche Freiluft-"Allwetter-Orgeln" begann 1731 in der Herrnhuter Brüdergemeine, 1738 bereits mit Bläser-Einsatz am frühen Ostermorgen! Doch erst im Lauf des 19. Jahrhunderts verbreiteten sie sich im Zuge der Erweckungsbewegungen als Instrumente der Volksmission in ganz Deutschland – oft in Evangelischen Jünglingsvereinen (CVJM) - und auch in England als "Brass Bands" der Heilsarmee. In unserer Nachbarschaft wurden 1896 die Posaunenchöre in Blankenloch und Friedrichstal gegründet, 1910 in Spöck. 1921, im selben Jahr, in dem in Staffort die 2. Generation Kirchenglocken läuteten, waren auch hier erstmals Posaunen-Klänge zu hören. Da diese erste Initiative aus Mangel an Probenräumen bereits fünf Jahre später wieder einschlief, blieb ihr aber 1934 die Zwangseingliederung in die nationalsozialistische "Reichsmusikkammer" erspart. Umso schneller kam es 1946 schon kurz nach dem Ende des "Dritten Reiches" in Staffort zur Posaunenchor-Neugründung, auch diesmal mit Unterstützung des EC-Jugendbundes der seit 1910 hier bestehenden Liebenzeller Gemeinschaft. Seine kirchenmusikalische "DNA" kommt bis heute bei jedem Einsatz zum Tragen. Dass seit der Jahrtausendwende gelegentlich profane Musik wie etwa Kinohits Aufnahme ins Repertoire findet, ist der ununterbrochenen Verjüngung des Ensembles zu verdanken, da sich die musikalischen Prägungen der Bläserinnen und Bläser von Generation zu Generation unentwegt wandeln. Deshalb bringt unser Posaunenchor regelmäßig eine erfreulich große Bandbreite alten und neuen geistlichen Liedguts zu Gehör.