66.2024
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Die Klosner oder Inclusen (von lat. includere: einschließen) sind eine besondere Form von Einsiedlern, die sich für länger oder auf Lebenszeit in eine Zelle (Klose) einschließen oder gar einmauern ließen. Diese Klosen finden sich immer bei einer Kirche oder Kapelle und waren an den Chor oder das Langhaus angebaut. Hinter den Klosen sollte ein kleines Gärtchen sein, in dem die Inklusen ihr Gemüse pflanzen und sich ergehen konnten. Die Zellen maßen in der Regel rund vier Meter in Länge und Breite. Ein kleiner Mauerdurchbruch, ein sogenanntes Hagioskop (von gr. hagios: heilig und skopein: sehen) in der Kirchenwand ermöglichte es den Eingeschlossenen, am Gottesdienst teilzunehmen und die heilige Kommunion zu empfangen. Auf der gegenüberliegenden Seite sollte eine zweite Öffnung angebracht sein, durch die sie Licht, Luft und das Lebensnotwendige empfangen oder auch mit Rat suchenden Kontakt halten konnten.
Wenn man auf der Autobahn von Lahr Richtung Freiburg fährt, tauchen nach der Orschweierer Raststätte gegen Westen zwei hohe Kirchtürme auf. Der eine ist schlank (St. Jakobus Grafenhausen), und der andere trägt eine Zwiebel (St. Cyprian und Justina Kappel). Beide lohnen den Besuch, nicht nur aus kunsthistorischen Gründen. In diesem Aufsatz soll es um die Kappeler Kirche gehen. Die Kappeler Pfarrkirche hat ein düsteres Schicksal hinter sich, wurde sie doch am Ende des Zweiten Weltkriegs völlig zerstört. Mit dem damaligen Pfarrer Beiser und beherzten Männern ist sie aber in relativ kurzer Zeit wieder aufgebaut worden, damit im eigenen Dorf wieder Gottesdienst gefeiert werden konnte.
Karrieresprungbrett Lissabon
(2023)
In einem Aufsatz in der letzten Ausgabe des Geroldsecker Lands haben wir auf die Auswanderung aus unserer Region nach Brasilien vor 200 Jahren zurückgeblickt und sind auf die Entwicklung der Fazenda Mandioca und der Stadt Nova Friburgo eingegangen. In diesem Kontext und für die weit zurückreichenden Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien ist der Name Georg Heinrich von Langsdorff (1774-1852) von wesentlicher Bedeutung. Deshalb wird sein Wirken bei internationalen Begegnungen immer wieder in Erinnerung gerufen.
Der Vater des in diesem Geroldsecker Land thematisierten Georg von Langsdorff war Johann Gottlieb Aemilius Langsdorff, geboren am 11. Juni 1747 in Nauheim und verstorben am 20. Januar 1827 in Lahr. Er war von 1784 bis 1803 Oberamtmann der Herrschaft Lahr und letzter Oberamtmann der Fürsten von Nassau-Usingen (in Idstein), den Landesherren von Lahr bis 1803, als Lahr an das Land Baden abgetreten wurde. Langsdorff besaß einen Rollschreibtisch, auch als Rollbüro bezeichnet. Das Möbelstück wurde bis in unsere Zeit innerhalb seiner Verwandtschaft weitervererbt und ist heute noch vorhanden. Laut Familienüberlieferung soll es aus dem Kloster Ettenheimmünster stammen, was aber nicht sicher belegt ist. Allerdings gibt es dafür einige Hinweise, die diese Überlieferung als zutreffend erscheinen lassen.
Lahrs Oberbürgermeister Phillipp Brucker staunte wohl nicht schlecht. Am 10. April 1975 erhielt er nach eigenen Angaben einen geheimnisvollen Anruf aus dem Büro des kanadischen Luftwaffengenerals Theriault: Der Oberbürgermeister möge, wenn er Zeit habe, um 20:30 Uhr in der Offiziersmesse am Hohbergsee erscheinen. Dort erwarteten die Kanadier einen Gast, der Brucker sicher interessieren würde. Und der Gast war durchaus interessant für Brucker: Es handelte sich um Albert Speer! Der am 19. März 1905 geborene Speer war einer der schillernsten und undurchschaubarsten Personen, mit denen sich Adolf Hitler seit 1933 umgeben hatte. Im Februar 1942 stieg Speer zum Minister für den Geschäftsbereich für Rüstung auf. Nach Kriegsende und Übernahme der Regierung um Großadmiral Karl Dönitz blieb Speer auf dem Ministerposten zuständig für Wirtschaft und Produktion. Eine britische Kompanie verhaftete ihn in Glücksdorf an der Ostsee am 17. Mai 1945.
Der Kellermeister des Klosters Schuttern, Bertold von Uttenheim, stiftete im Jahre 1313 in der Ortschaft Heiligenzell eine Kapelle. Die heutige St. Georgskapelle steht auf den Fundamenten dieses Vorgängerbaus. Das Kloster Schuttern errichtete im Jahre 1477 an diese Kapelle einen Querbau, er diente den Mönchen als Wohnraum. Aus diesen Anfängen heraus entstand ein Gutshof, eine Propstei, die zur Versorgung des Klosters beitrug. Es wurde Wein, Obst und Getreide angebaut. Das Areal lag im badischen Hoheitsbereich, hatte jedoch wegen der Zugehörigkeit zu Vorderösterreich besondere Freiheiten und Privilegien. Mit der Säkularisation des Jahres 1806 endet das Klostereigentum; der Großherzog von Baden wurde neuer Eigentümer. Nach unterschiedlicher gewerblicher Nutzung ging das Gebäude im Jahre 1926 in das Eigentum der Gemeinde Heiligenzell über.
Zehntausende in Ichenheim
(2023)
Der Monat Juni des Jahres 2024 ist willkommener und höchst geeigneter Anlass, an die Gewerbe- und Landmaschinenausstellung vor 100 Jahren im Juni 1924 in Ichenheim und deren Initiatoren zu erinnern. Der örtliche Gewerbe- und Handwerkerverein (Gewerbeverein) hat damals sein 25-jähriges Stiftungsfest als regionales Großereignis, als seine „Erste mittelbadische Woche“ gestaltet. Der Verein mit seinem Vorstand, die Gemeinde, die örtlichen Vereine und die gesamte Bürgerschaft haben unter höchst unsicheren wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen eine Veranstaltung geplant, organisiert und abgewickelt, die ob ihrer schieren Größenordnung, ihrer Vielfältigkeit und des betriebenen immensen Aufwandes in der ganzen Region Beachtung und Anerkennung gefunden hat. Die Berichte darüber lassen auch heute noch staunen. Zehntausende Besucher sollen das kleine Dorf mit seinen damals 1.900 Einwohnern geradezu überflutet haben.
Den Menschen zurückgegeben
(2023)
Architekt Erich Berblinger war vermutlich der Erste, der versuchte, ein detailliertes Modell der Klosteranlage Ettenheimmünster zu erstellen. Im Maßstab 1:200 baute er das im 19. Jahrhundert abgerissene Benediktinerkloster nach. Seine Arbeit steht heute im Ettenheimer Museum. Dieser Maßstab ermöglicht bereits eine detailreiche Gestaltung, setzt dem Gesamtmodell aber doch recht enge Grenzen. So hat sich Berblinger allein schon aus Platzgründen auf das Konventsgebäude mit Kirche und Amtshausflügel beschränken müssen.
Schon im 18. Jahrhundert gab es Nachweise von jüdischen Beteiligungen an der Textilwirtschaft auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg. Die frühesten namentlichen Angaben liegen aus Mannheim vor. Hier ist ein gewisser Moses Jacob als Lieferant von Mänteln und Mantelstoffen zur Einkleidung von Staatsbediensteten wiederholt in den Ratsprotokollen erwähnt. 1652 verlieh Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz erweiterte Stadtprivilegien, um den Wiederaufbau der bereits zerstörten Stadt Mannheim zu begünstigen. Unter anderem erlaubte er die Ansiedlung von Juden, und er erklärte Mannheim zur „zunftfreien“ Stadt, das heißt, dass Handwerker und Händler keiner Zunft angehören mussten, wie es damals ansonsten üblich war. Nach der Zerstörung und dem Wiederaufbau der Stadt setzte dann Löw Hayum Bensheim die Belieferung der Stadtverwaltung mit Uniformtüchern, die seit 1717 bestand, in verhältnismäßig großem Maßstab fort.
Der Gymnasiallehrer und Heimatforscher Winfried Knausenberger (1893-1967) gilt bis heute als einer der wichtigsten Vertreter der Lahrer Geschichtsforschung - zu Recht, war er doch beteiligt an der Gründung des Heimatmuseums, gingen von ihm wesentliche Impulse zur Erforschung des Bürgerbuches aus dem 14. Jahrhundert aus, und war er es doch, der die sensationellen frühmittelalterlichen Funde in der Burgheimer Kirche zutage brachte, ein Meilenstein der Archäologie im Südwesten. Im „Altvater“, der Heimatbeilage der Lahrer Zeitung, publizierte er zahlreiche Forschungen zur Geschichte der Stadt, zu ihren Geschlechtern sowie zu Sippen und Namen in den umliegenden Dörfern. Bei seinem Tod 1967 lobte ihn Emil Baader als einen der besten Kenner der Heimatgeschichte, und bis heute wird er neben anderen als der produktivste Heimatforscher Lahrs im 20. Jahrhundert gesehen.
Es gibt nicht viel in Lahr, was als „unantastbar“ betrachtet werden kann. Selbst über das Terrassenbad oder die Musikschule gab es in den zurückliegenden Jahrzehnten mit schöner Regelmäßigkeit Diskussionen in Lahr. Müssen diese Einrichtungen wirklich sein, könnte man sie nicht in private Hand geben, sind sie nicht zu teuer? Nicht jedoch beim Stadtpark. Die Generation, die heute an schönen Tagen ihre Enkelkinder durch den Park schiebt, ist schließlich vor mehr als einem halben Jahrhundert selbst durch den Park geschoben worden. Einschließlich des obligatorischen Besuchs in der Villa samt Bären. Die Villa Jamm ist das Herzstück des Parks. Doch seit vor einigen Jahren das Museum dort auszog, stellt sich die Frage, wie die Zukunft des Gebäudes wohl aussehen mag, neu und mit Dringlichkeit. Zurzeit ist sie gar nicht selten Ort für kulturelle Aktivitäten und das ist sicher eine gute Lösung für einige Jahre. Aber auch Häuser altern und sie werden nicht besser, wenn man einfach wartet.
Zwei Metzger in Amerika
(2023)
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestand kein so großer wirtschaftlicher Zwang mehr auszuwandern, wie es noch in den Jahrzehnten zuvor der Fall war. Das im Jahre 1871 gegründete Deutsche Kaiserreich befand sich in einer rasanten Entwicklung. Auf allen Gebieten wurden Fortschritte erzielt. Die Bevölkerung nahm aufgrund der besseren Versorgung und der geringeren Sterblichkeit enorm zu. Die Sozialgesetze unter Bismarck in der Zeit von 1883 bis 1890 gewährleisteten einen vorher nicht gekannten Schutz für die arbeitende Bevölkerung. Trotz dieser günstigeren Voraussetzungen für ein Leben in der angestammten Heimat war insbesondere für jüngere Leute die Verlockung immer noch groß, sich in die Feme aufzumachen, um dort erfolgreich zu sein und eine neue Heimat zu finden. Die Vereinigten Staaten von Amerika, diese noch junge Nation, konnte tüchtige und qualifizierte Leute nach wie vor gut gebrauchen. So machten sich Karl Kauf und Georg Rinderspacher aus Hugsweier auf den Weg dorthin, wo sie 1880 bzw. 1883 eintrafen.
Das Ende des Zweiten Weltkrieges ist im Kriegsjahr 1943 bereits absehbar, denn die Schlacht um Stalingrad war im Februar 1943 bereits verloren. Schon ab 1942 war die britische Luftwaffe in der Lage, wirksame Angriffe auf das Reichsgebiet durchzuführen. Ziel war es, die Produktion und den Transport kriegswichtiger Güter aus dem Ruhrgebiet zu verhindern. Die Flächenbombardements hatten jedoch ihre größten Ausmaße in den Jahren 1943 und 1944 bei der Schlacht um die Ruhr (Battle of the Ruhr). Die Luftangriffe auf das Ruhrgebiet durch die britische Royal Air Force und der US-Army Air Forces waren furchtbar für die Zivilbevölkerung und richteten große Zerstörungen an. Nach Beginn des strategischen Bombenkrieges der Westmächte gegen das Deutsche Reich wurde am 27. September 1940 durch einen „Führerbefehl“ Hitlers die Landverschickung der Kinder und jugendlichen aus den luftkriegsgefährdeten Gebieten in ruhigere Gegenden des Deutschen Reiches angeordnet.
Der Luftschutzkeller
(2023)
Zeitzeugenberichte gehorchen ihrer eigenen Gesetzmäßigkeit. Ihre Stärke liegt in der Regel in der Vermittlung von Emotionen und Empfindungen. Sie schildern subjektive Wahrnehmungen, oft auch Ereignisse, die unterhalb der sonst üblichen öffentlichen Wahrnehmungsschwelle liegen. Ihre Schwäche liegt darin, dass sie vor allem mit großem zeitlichem Abstand nicht mehr so präzise sind wie zeitgenössische Quellen (vor allem wenn es um zeitliche Daten geht). Auch vermischen sich oft einzelne Erinnerungen oder werden mit späteren Erkenntnissen und Überlegungen kombiniert. Aus diesem Grunde soll der vorliegende Text von Ingrid von Derschau hier aus der Sicht des Historikers vorsichtig kommentiert werden.
Die Wasserkraft des Rheins wird in den Mühlen, den ersten mechanischen Automaten in der Geschichte der Technik, schon seit Jahrhunderten für vielfältige Aufgaben genutzt. Insbesondere für die Sicherstellung der Ernährung unserer Vorfahren hatten die meist außerhalb der menschlichen Ansiedlungen gelegenen, hauptsächlich zum Vermahlen von Getreide gebrauchten Mahlmühlen eine besondere Bedeutung. Sie zogen deshalb zahlreiche Bauern an, die sich vom Müller ihr Korn mahlen ließen. Aber auch für zahlreiche andere Arbeiten auf dem Land wurde die Kraft des Wassers eingesetzt. Neben dem Kornmahlen wurden die den Naturkräften entnommenen Leistungen auch für Sägearbeiten, zum Be- und Entwässern, zum Walken, zum Ölen und für vieles andere mehr genutzt.
Ein Aufsatz über die nationalsozialistische Eugenik, insbesondere die Zwangssterilisationen, verspricht neue Erkenntnisse besonders auf zwei Gebieten. Zum einen sind neue Einsichten in die Funktion des „NS-Systems“ in Lahr möglich, das eben nicht auf der schrankenlosen Diktatur einer Partei basierte, sondern ebenso die Vor-, Zu- oder Mitarbeit anderer Institutionen, von den Kirchen über die Vereine bis hin zur Stadtverwaltung, benötigte. Dass gerade die Stadtverwaltung alles andere als passiver und widerwilliger Befehlsempfänger war, zeigt sich schon im wahrsten Sinne des Wortes „anschaulich“, wenn man die veröffentlichten Filme aus dem Lahrer Stadtarchiv betrachtet. Bei wichtigen Parteiveranstaltungen war immer auch der Oberbürgermeister präsent, während umgekehrt der Kreisleiter immer auch auf Aufnahmen von städtischen Ereignissen auftaucht. Da im Unterschied zur späteren T-4-Aktion („Euthanasie“) und zur Deportation und Ermordung der jüdischen Lahrerinnen und Lahrer bei der Zwangssterilisation an mehreren Stellen die Mitarbeit der Kommunalverwaltung nötig war, eignet sich dieses Thema - schon aufgrund der dadurch guten Quellenlage - auch zur Rekonstruktion des Verhältnisses von Verwaltung und NSDAP.
Getrocknete Lehmziegel wurden nachweislich bereits vor etwa 10.000 Jahren als Baustoff eingesetzt. Diese Ziegel wurden von Hand in Formen gepresst und anschließend durch die Sonne getrocknet. Diese Lehmziegel (Adobe) wurden dann trocken aufeinandergesetzt und mit nassem Lehm verschmiert. Lehmziegel sind das älteste und kostengünstigste Baumaterial der Menschheit. Gebrannte Ziegel sind seit etwa 5.000 bis 6.000 Jahren bekannt. Schon im Alten Testament (1. Mose 11,3) erfahren wir, dass Ziegel gestrichen und gebrannt wurden. Die Wiege der Ziegelherstellung lag in Mesopotamien, dem Land zwischen Euphrat und Tigris, im heutigen Iran. Hier gab es riesige Tonvorkommen, die sich zur Ziegelherstellung anboten. Seit dieser Zeit hat sich bis ins 19. Jahrhundert die Technik der Ziegelherstellung im Prinzip nicht verändert.