73.2016
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Nachruf
(2016)
»Geh aus mein Herz und suche Freud / in dieser lieben Sommerzeit / an deines Gottes Gaben.« Dieses bekannte Lied von Paul Gerhardt ist bei Trauerfeiern eher selten zu hören. Doch bei der Trauerfeier für Dr. Christoph Graf Douglas am 21. September 2016 in der Wallfahrtskirche Birnau sangen es die 700 Trauergäste – viele Angehörige des Adels aller Rangstufen und einige Bürgerliche. Und fast schien man dabei eine Art Beschwingtheit zu verspüren, auch Christoph Graf Douglas lächelte freundlich dazu von einem Foto vor seinem Sarg auf die erlauchte singende Schar. Es hätte ihm gefallen, war mehrfach zu hören.
"Wald Heil"
(2016)
An Neujahr Ausflug nach Tengen, am 7. Januar Schlittenpartie nach Singen, am 17. März Generalversammlung, am 28. April Wanderung über den Schoren nach Ehingen und Mühlhausen, am 4. August Ausflug mit der Bahn nach Stein am Rhein und so weiter und so fort – aus dem Programm der Ortsgruppe Engen des Schwarzwaldvereins im Jahre 1895. Die Leute vom Schwarzwaldverein kümmerten sich schon damals um den Engener Hausberg, den Hohenhewen, machten Ausflüge nach Möhringen, auf den Hohenkrähen und zum Mägdeberg.
Vom Sommer 1963 bis zum Mai 1983 wohnte der Dichter, Musiker und Künstler Werner Dürrson auf der Höri, zunächst in der »Alten Mühle« in Hemmenhofen, später in dem zwischen Wangen und Öhningen gelegenen Örtchen Kattenhorn. Merkwürdigerweise fand dieser immerhin 20-jährige Aufenthalt am See in den Kurzbiographien späterer Publikationen des Autors keine Erwähnung und scheint auch aus dem regionalen Gedächtnis weitgehend entschwunden zu sein. Einzig der Titel seines Gedichtbandes »Das Kattenhorner Schweigen. Variationen über ein verlorenes Thema« zeugt noch von dieser Lebensphase.
Zum ersten Mal hören wir von Weinbau im Jahre 1245 auf der heutigen Gemarkung von Moos, und zwar in Weiler. Das ist recht früh, Iznang folgt 1302, Bankholzen 1359 und Moos 1582. Das muss nicht heißen, dass die Mooser lange Zeit abstinent gelebt haben, es gibt nur keinen schriftlichen Beleg für einen Weinbau am Ort. Überhaupt ist auf der Vorderen Höri der Weinbau schon früh nachzuweisen. In der Kreisbeschreibung Konstanz gibt es eine Zusammenstellung der ersten Erwähnungen von Weinbau in den einzelnen Orten des Landkreises, und da führt Bohlingen mit dem Jahr 773 in weitem Abstand vor der Reichenau, die 840 urkundlich auf das Vorhandensein von Reben auf der Insel verweisen kann, die Liste an. Also, es gab schon lange gute Voraussetzungen für Weinbau auf der Vorderen Höri.
Wohl jeder im Saal kennt aus eigener Erfahrung die schwierige staatsrechtliche Lage, in der sich unser Jubelort befindet – ein Ort, der zwischendrin liegt, der nicht ganz Deutschland ist und nicht Schweiz sein darf. Erlauben Sie mir als Gottmadinger zu Beginn aus meinem eigenen Erleben mit Büsingen zu berichten. Es war vor etwas mehr als zehn Jahren, als ich mit Ehefrau, Kindern und einem Freund aus Köln im schönen Strandbad in Büsingen lagerte. Der Rhein floss gemächlich vorbei, die Sonne brannte vom wolkenlosen Himmel, Badeleben, wie man es kennt und liebt. Im öffentlich aufgestellten Fernsehapparat lief ein Fußballspiel der damaligen Europa- oder Weltmeisterschaft – Fußball ist nicht eines meiner Hauptinteressen.
"The Singen Route"
(2016)
Als die beiden flüchtigen Offiziere Airey Neave und Anthony Luteyn – der eine ein Brite, der andere ein Holländer – in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 1942 die verdunkelte Stadt Singen zu Fuß durchquerten, um auf der seit dem Vorjahr erprobten Fluchtroute in die Schweiz zu gelangen, mussten sie »an einem großen dunklen Hügel« entlang gehen, den sie als »Schlackehaufen« einschätzten. Das müsste wohl der Hohentwiel gewesen sein: »We passed through Singen in the black-out, without incident, and skirting a great dark mound which seemed to be a slag heap we set off southwards through the wood, marching upon a compass bearing to the frontier.«
Die 1874 in Genf als Hélène Dufour geborene Schriftstellerin Noëlle Roger konnte beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 bereits auf eine etwa 15-jährige fruchtbare literarische Schaffensperiode zurückblicken. Ihre Romane, Novellen und Reiseberichte wurden weit über die französischsprachige Schweiz hinaus auch in Frankreich und Paris gelesen und bildeten die Basis eines unbestreitbaren literarischen Renommees, das im Übrigen auch noch weitere Jahrzehnte Bestand haben sollte. Die in den Kriegsjahren nach 1914 entstandenen Werke zeichnen sich im Gesamtwerk durch eine Reihe von eigentümlichen thematischen und stilistischen Merkmalen aus, die, wie in dem hier unternommenen Beitrag gezeigt werden soll, eine eigene Würdigung verdienen und die in enger Verbindung mit einem aktiven humanitären Engagement von Noëlle Roger zu sehen sind.
Als ein Mensch, der im Jahre 1910 auf die Welt gekommen ist, beginnt mein bewusstes Denken etwa anno 1913, also zu einer Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Damals trugen die Damen großrandige Hüte und lange, bis auf den Boden reichende enge Röcke, die Herren Stehkragen mit blumigen Krawatten, in den Händen hatte man kleine Schirme oder stutzerhafte Spazierstöcke. Auf den Straßen fuhren Pferdedroschken und, wenn man Glück hatte, konnte man auch gelegentlich eines von den seltenen Automobilen sehen, Höhepunkte des technischen Fortschritts. Gelegentlich ratterte über den Köpfen am blauen Firmament eine viel Aufsehen erregende Flugmaschine oder gar ein Zeppelin zog seine Bahn.
Aufbrechendes Eis
(2016)
Im Februar 1940 begann Otto Dix mit den Vorzeichnungen für ein Bild des zugefrorenen Untersees. Der Winter 1939/40 war kalt, über Wochen hatte es Minusgrade gegeben und ein kaum wahrnehmbarer Wind den See soweit auskühlen lassen, dass ihn im Januar 1940 eine Eisdecke zu überziehen begann. Von seinem Haus in Hemmenhofen aus konnte Dix das Zufrieren des Sees beobachten. Wollte er den ganzen Untersee überschauen, reichte ein kurzer Fußweg über den Sandbühl auf den Hardbühl, dann ging der Blick bis zur Insel Reichenau und weiter bis Konstanz. Mit seinem
Skizzenblock muss Dix auf einem Nachbargrundstück gestanden haben, oberhalb des Ufers, hoch genug, um auf das Eis und über die Eisfläche nach Steckborn schauen zu können. Die Wiesen reichten damals noch bis zum See hinunter. Baumreste und Hausdächer von Hemmenhofen sind auf der Skizze deutlich zu erkennen.
Die Frau mit dem Feuermal
(2016)
»Als Mädchen mit einem Muttermal geboren zu sein, ist nicht leicht! Aber die Frau eines Kunstmalers zu sein, ist noch schwerer! Ich stehe vor einer Entscheidung: nämlich der Scheidung.« Mit diesem »Vorwort« beginnen die Lebenserinnerungen von Gertrud Ostermayer-Ackermann, die von 1936 bis 1959 mit dem Kunstmaler Max Ackermann verheiratet war. Obschon Max Ackermann heute zu den Wegbereitern der modernen abstrakten Malerei gezählt wird und sein Werk in zahlreichen Publikationen gewürdigt wurde, finden sich in der Literatur nur wenige Hinweise auf seine Ehe mit Gertrud Ostermayer. Auch als 1957 Ackermann vom baden-württembergischen Kultusminister die Professorenwürde ehrenhalber verliehen wurde, »vergaß«
Minister Simpfendörfer die Gattin miteinzuladen.
Carolus Vocke wurde am 23. Juni 1899 in Heilbronn geboren. Mit seinen Eltern kam er 1905 nach Karlsruhe, besuchte dort die Vorschule und das Reformgymnasium. Bereits 1915 war er an der dortigen Akademie der bildenden Künste Schüler von Professor Georgi. Von 1916 bis 1918 nahm er als Kriegsfreiwilliger am Ersten Weltkrieg teil. Danach studierte er in der Bildhauerklasse und Keramikabteilung an der Landeskunstschule Karlsruhe unter den Professoren Schreyögg und Adolf Bühler. 1924 starb mit Hans Thoma einer seiner Lehrmeister, ein bekannter Landschaftsmaler aus dem Schwarzwald.
Traugott von Stackelberg
(2016)
Die Odyssee von Traugott von Stackelberg (1891–1970) begann an dem Tage, als der Erste Weltkrieg Anfang August 1914 ausbrach. Die Zeit und Raum überspannende tiefe Prägung seines Lebens ereilte ihn, als er sich in einem Studenten-Ferienlager an der Ostsee befand. Jäh erkannte er, weder gegen sein baltisches Elternhaus in Reval, noch gegen seine deutschen Medizin-Studienfreunde in Rostock mit der Waffe kämpfen zu wollen. Als leidenschaftlicher, in jungen Jahren bereits erfahrener Segler schaffte er es, mit einer Segeljolle, unbeleuchtet in der Schwärze der Nacht, Richtung Schweden zu fliehen. Die deutsche Kriegsmarine war bereits auf Posten in der Ostsee. Zum Glück traf der Lichtkegel eines dänischen, neutralen Handelsschiffs sein Segel. Er wurde aufgebracht, an Bord genommen und gelangte so nach Schweden.
Das Randegger Schloss wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Im Jahre 1214 erscheint Hugo Graf von Montfort in einer Salemer Klosterurkunde mit dem Randegger Besitz. 1214 kann daher als das Jahr angesehen werden, in dem Randegg das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Im Schweizerkrieg 1499 wurde das Schloss geplündert und gebrandschatzt. Nach verschiedenen Besitzerwechseln wurde es ab 1567 wieder aufgebaut und erfuhr im Wesentlichen seine heutige Gestalt.
St. Oswald in Stockach
(2016)
In einem Beitrag, wohl aus der Feder von Joseph Lucas, würdigte die Dezemberausgabe der Zeitschrift »Die katholische Welt« im Jahre 1938 den fünf Jahre zuvor vollendeten Kirchenneubau, den Otto Linder in Stockach errichtet hatte: »Was auf mich in Stockach einen geradezu unvergeßlichen Eindruck gemacht hat, war die neue Kirche, die mir gefallen hat wie keine zweite der modernen Kirchen, die ich je gesehen. Ich bin lange darin gewesen, habe alles und jedes betrachtet und habe die Kirche tieferschüttert verlassen. Hier ist alles bis ins kleinste durchdacht, überlegt, berechnet, mit feinem Geschmack ausgewählt, den Forderungen der Kunst ebenso wie denen der Liturgie Rechnung getragen. […] Sie ist kein kalter, nüchterner Baublock,
alles ist durchtränkt von Leben, Licht, Glut und Farbe.«
Werner Mollweide (1889–1978), der als junger Mann von Straßburg an den Bodensee übersiedelte, lebte fast siebzig Jahre am Ende des Überlinger Sees in Ludwigshafen. Er war mit der Region aufs Engste verbunden. Als Maler und als Denkmalpfleger erstreckte sich sein Wirken über die Grenzen seines Wohnortes hinaus weit in den Hegau hinein.
Es ist verwunderlich, dass man sich bis heute noch nie die Mühe gemacht hat, bei der doch recht zahlreich vorhandenen Nachkommenschaft der Schwester von Johann Georg Wieland in Worblingen nach eventuell vorhandenen Überlieferungen zu forschen. Durch Befragen zahlreicher Personen meiner Großelterngeneration in den 1970er Jahren konnte ich zu meinem Erstaunen zu einem guten Bündel von Informationen gelangen. Auch wenn diese Informationen zum großen Teil nur mündlich innerhalb der Familien von Generation zu Generation weitergegeben wurden, sind sie doch höchst interessant und von einem gewissen Wert, nicht zuletzt um die doch recht wenig bekannte Persönlichkeit des Johann Georg Wieland zu beleuchten.
Besonders dessen frühe Zeit und Werdegang, bis zur Übernahme der Werkstattleitung in Mimmenhausen, sind bis heute mit zahlreichen Vermutungen und Fragezeichen behaftet.
"Vom Himmel hoch …"
(2016)
Der Silberschmied Stefan Epp ist im Mai 1997 von der Stadt Konstanz, die zu dem Zeitpunkt noch Eigentümerin des ehemaligen Offizierskasinos an der Spanierstraße war, darüber informiert worden, dass von der Skulpturengruppe auf dem Ostgiebel des Gebäudes ein Stück abgebrochen und auf die Straße gefallen sei. Da somit ein Sicherheitsrisiko bestand, wurde er beauftragt, den Schadensfall zu begutachten und ggfs. dafür zu sorgen, dass die Gruppe vom Giebel heruntergenommen werde.
Schon zu Lebzeiten von Franziskus von Assisi (1181/82–1226, heiliggesprochen 1228) breitete sich der Franziskanerorden auch nördlich der Alpen aus. Spätestens 1240 gab es auch in Konstanz Franziskaner (fratres minores, Mindere Brüder, Minoriten, Barfüßer). 1246 erhielten sie die päpstliche Erlaubnis, in der Stadt ein neues Kloster mit Klosterkirche zu bauen. 1250 wurde ihnen dafür ein Platz an der westlichen Stadtmauer zugewiesen, wo 1255 die Klosterkirche geweiht werden konnte (zwischen heutiger Unterer Laube und St. Stephansplatz).
Meister Heinrich war der wohl bedeutendste und prägendste Bildhauer der Zeit der sogenannten deutschen Mystik um 1300–1330 am Bodensee und weit über die Region hinaus. Ganz im Kontrast dazu steht, dass es über diesen Meister Heinrich so gut wie keine schriftlichen Belege oder Dokumente gibt. Wir wissen weder, wann und wo er geboren und gestorben ist, ja sogar nicht einmal seinen vollständigen Namen. Sein Leben liegt weitgehend im Dunkeln.