75.2018
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Ja, es ist höchste Zeit, dass Manfred Sailer für sein Engagement um die Kunst im Hegau gewürdigt wird. Darauf habe ich lange gewartet. Nein, es ist klar, er bekommt den Hegau-Preis nicht für seine unbestritten großen Verdienste als ehemaliger Bürgermeister von Engen, als der erfolgreiche und einfallsreiche Sanierer seiner Stadt und der Finanzen seiner Stadt. Doch kann man sich den Hegau ohne das trefflich sanierte Engen – ein Vorzeigeprojekt der baden-württembergischen Denkmalpflege – überhaupt noch vorstellen? Ist Engen nicht der strahlende Türöffner in den Hegau
geworden? Manfred Sailer hat das Fundament gegründet und die Latte für alle Dorf- und Stadtsanierungen sehr hoch gelegt. Keiner seiner Bürgermeisterkollegen will es zugeben, doch an Engen muss er sich im Hegau orientieren.
Über Carl Diez zu sprechen, das ist ein reines Vergnügen, denn er war ein unkomplizierter Mensch und eine große Persönlichkeit. Ich habe ihn persönlich leider nie kennengelernt, dafür waren wir altersmäßig zu weit auseinander. Carl Diez gehört für mich zu den großen Gestalten der Weimarer Republik. Wir ehren heute zu seinem 140. Geburtstag einen großen Sohn unserer Heimat und unseres Landes. Es ehrt Ihren Bundestagsabgeordneten und unseren Bezirksvorsitzenden der CDU, Andreas Jung, dass er zum 140. Geburtstag zu dieser Gedenkstunde eingeladen hat.
Biegt man am Vorderschweingrubenhof in die von alten Obstbäumen gesäumte Verbindungsstraße nach Hecheln ein, so gelangt man zuerst zum Hinterschweingrubenhof und kurz darauf in einer Linkskurve rechter Hand zu der auf einer sanft ansteigenden Wiese stehenden Nothelferkapelle. Das heutige Kirchlein wurde im Jahre 1911 anstelle eines älteren Gebäudes im Stil der Neugotik erbaut. Es ist ein kleines, aber feines Kapellenheiligtum, das die Talaue weithin überschaut.
Mit der Einführung des Vierjahresplans im Jahr 1936 wollte Adolf Hitler unter den Gesichtspunkten der wirtschaftlichen Autarkie und militärischen Aufrüstung das Deutsche Reich auf einen kommenden Krieg vorbereiten. Auch in Konstanz waren die Auswirkungen spürbar. Bereits zwei Jahre zuvor wurde unter dem Leitspruch »zur ökonomischen Förderung und Wohle aller« am 1. August 1934 die selbstständige Gemeinde Wollmatingen mit ihrer Fläche von 1711 ha nach Konstanz (jetzt insgesamt 2994 ha) eingemeindet. Auf dem Gewann Elberfeld des alten Wollmatinger Ortsteils Fürstenberg sollte eine neue Kaserne entstehen. Den Zuschlag für das neue Kasernenprojekt, das sich mit vier Millionen RM zu einem Großprojekt entwickelte, bekam Konstanz, weil es sich verpflichtete, gemeindeeigene Motorboote, Schiffe und Fährschiffe für Übungen der Truppe zur Verfügung zu stellen. Gegen eine weitere Zusicherung, dass beim Bau Konstanzer Unternehmen bevorzugt werden sollten, überließ die Stadt dem Reich das Baugelände von 8 ha kostenlos und übernahm auch die Erschließungskosten.
Die Reihe der Persönlichkeiten, die sich nach 1933 aus innerem Dissens mit den politischen Verhältnissen auf die Höri zurückzog, wird von Künstlern dominiert. Dass sich unter ihnen mit Julius Bahle auch ein Kulturpsychologe von Rang befand, dessen Werk und Lebensleistung insbesondere mit der Erforschung des künstlerischen Schaffensprozesses verbunden ist, geht indes aus kaum einer der einschlägigen Darstellungen hervor. Eine Beschäftigung mit Julius Bahle erscheint daher umso legitimer, als sein Name selbst dem regionalen Gedächtnis weitgehend entglitten ist und seine wissenschaftlichen Leistungen fast völlig in Vergessenheit geraten sind.
Der 18. Juni 1948 ist ein heißer Tag. In Konstanz sind noch viele Menschen unterwegs, als sich gegen 19.45 Uhr von Süden eine dunkle Wolke in Windeseile nähert. Es folgt heftiger Regen und innerhalb weniger Minuten zieht ein Orkan über die Stadt hinweg, der viel Unheil anrichtet. Das Wasser steht in der Altstadt zum Teil einen halben Meter hoch, heruntergefallene Dachziegel, Glasscherben und entwurzelte Bäume bedecken die Straßen, ganze Stadtviertel sind ohne Licht, es herrscht Chaos.
Beziehungen zwischen Besatzungssoldaten und Frauen der besetzten Gebiete sind eine Begleiterscheinung des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Man denke an die deutschen Soldaten in Frankreich oder Norwegen, man denke an die Soldaten der Alliierten in Deutschland nach 1945. Diese Kontakte umfassen die ganze Bandbreite der menschlichen Beziehungen, sie reichen von echten Liebesbeziehungen über eher geschäftsmäßige Beziehungen, also Perlonstrümpfe, Zigaretten und Lebensmittel gegen sexuelle Dienstleistungen bis hin zu Prostitution
und Vergewaltigung.
»Da Gailingen sehr nazistisch eingestellt war, musste das Dorf für die französische Armee viele Beschlagnahmen erdulden und nun ist es sehr arm.« Ein derart einsichtiges Urteil eines Vertreters der United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) im Juni 1946 über seinen Einsatzort im französischen Besatzungsgebiet am Hochrhein ist für die damalige Zeit zumindest ungewöhnlich. Es stammt von D. P. Godwin, dem vermutlich ersten stellvertretenden UNRRA- Direktor des Teams 676 Konstanz, der ab Mai 1946 für die Betreuung jüdischer »Displaced Persons « (DPs) in Gailingen zuständig wurde.
Die "Funkmessstelle Lori"
(2018)
Kaum einem Benutzer der Landstraße 194 von Hohenfels nach Pfullendorf dürfte das bei Ruhestetten gelegene Feldgrab aus dem Zweiten Weltkrieg auffallen: eine kleine Waldlichtung am Straßenrand, ein Karree mit etwas Bepflanzung, ein Stahlhelm und ein schlichtes Steinkreuz. Die Inschrift auf dem Kreuz lautet: »Die Offiziere Ferdinand Pledl, geboren am 12. Juli 1913, und Rudolf Friebus, geboren am 18. Mai 1920, fielen am 22. IV. 1945. Sie wurden hier zur ewigen Ruhe gebettet.« Doch was waren die Umstände, die noch so kurz vor Kriegsende zum Tod dieser beiden Männer führten? Hierüber soll im Folgenden berichtet werden.
In der von Franco Battel zusammengestellten Liste von 321 Jüdinnen und Juden, die zwischen dem 1. Januar 1938 und dem 8. Mai 1945 die Schweiz über die grüne Grenze des Kantons Schaffhausen erreichten, fällt Samson Schönhaus trotz der Anonymisierung des Nachnamens leicht auf, denn selbst als jüdischer Vorname ist »Samson « eher selten. Und somit ist die auf S. 346 von Battels Werk genannte Person »Name: S., Vorname: Samson, Geburtsjahr 1922, Fluchtdatum: 4.10.1943, Ort des Grenzübertritts: Stein a.Rh., Herkunft: Berlin« mit Sicherheit derselbe, der im Jahr 2004 das autobiographische Buch »Der Passfälscher« veröffentlicht hat und diese Publikation 2010 um den Folgeband »Der Passfälscher im Paradies« ergänzte.
In der Sparte »Weiterreise« steht bei Battel für Samson S. ein Fragezeichen, während bei vielen anderen jüdischen Flüchtlingen USA, Neuseeland, Israel angegeben ist – auch die Angabe »in CH geblieben« kommt vor.