2022
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Ladenburger Jahrbuch. – 2022
(2022)
Historische Bilder
(2022)
"Von außen ganz bescheiden, aber von innen ganz ansehnlich, sparsam, etwas robust, aber alles in allem ganz manierlich." So charakterisierte Bürgermeister Reinhold Schulz die neue Lobdengauhalle bei der Einweihung 1972. Der Platzbedarf war groß: In Ladenburg waren zuvor die Städtische Turnhalle in der Realschulstraße, die Jahnhalle der Ladenburger Sport-Vereinigung 1864 e. V. und die Gymnastikhalle in der damaligen Weststadtschule, heute Astrid-Lindgren-Schule, für Sport und Kultur verfügbar gewesen. Die neue Sporthalle bot 1.423 m² (27 m x 45 m Innenraum, maximal zulässige Personenzahl 900) und war zumindest 1972 ein moderner Bau nach dem relativ neuen Typus der dreiteilbaren Sporthallen ("Dreifeldhallen") gewesen. Ihr Architekt war Rainer Mockler aus Heilbronn, der bereits auch den Neubau des Carl-Benz-Gymnasiums 1970 verantwortete. Sie hatte mit ihrer Fertigstellung die bisherigen Sporthallenkapazitäten mehr als verdoppelt. 2016 zeigten sich Risse in den in Abb. 3 gut sichtbaren Leimbindern unter dem Hallendach. Diese Alterungsschäden und der weiter wachsende Bedarf durch Schulen und Vereine führte zur Planung einer Sporthalle im Sportzentrum, die in den kommenden Jahren errichtet werden soll. Die Fotos decken dabei die 1970er-Jahre ab. Sie sollen einen Eindruck vermitteln, wie vielseitig die Mehrzweckhalle bereits in den ersten Jahren ihrer Existenz genutzt worden ist: von Sportveranstaltungen über Vereinsjubiläen und Fernsehveranstaltungen bis hin zu Konzerten. Dies war zwar nicht die Absicht des Bürgermeisters gewesen, wie er bei der Einweihung verkündete, aber die kommenden Jahre führte doch zu diesem Ergebnis.
Wer vom Ladenburger Schwimmbad Richtung Schwabenheim wandert, kann nicht mehr sehen, dass er oder sie auf der Höhe von Neubotzheim genau durch eine ehemalige Kirche geht. Dabei stand dieses Gotteshaus, die Mauritiuskapelle, jahrhundertelang auf dem Hochufer des Neckars. Das Gebäude war zwar der Forschung bekannt, aber selbst wesentliche Fragen konnten und können nicht beantwortet werden. Konsens besteht in der nicht durch Quellen belegbaren These, das Gebäude sei die Kirche der verschwundenen Siedlung Botzheim gewesen. Die bislang bekannte historisch-schriftliche Überlieferung betrifft im 18. Jahrhundert nur noch den Abriss der Ruine. Frühere Jahrhunderte bleiben spekulativ.
Kirche in Krisenzeiten
(2022)
Die Zeit der Corona-Pandemie brachte unzählige schwierige, aber auch segensreiche Erfahrungen mit sich. An dieser Stelle kann nur ein begrenzter
Einblick in das gegeben werden, was die Evangelische Kirchengemeinde Ladenburg über mehr als zwei Jahren Pandemie beschäftigte, und vor welche
Herausforderungen wir alle gestellt waren. Der folgende Bericht erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Stattdessen möchte er einige Bereiche der gemeindlichen Arbeit in der Krisenzeit beleuchten. "Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist." Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer prägte diesen Satz. Für ihn war die Fürsorge für die Mitmenschen das wichtigste Kennzeichen der Kirche. Doch wie ist diese Fürsorge möglich in einer Zeit, in der es den mitmenschlichen Kontakt zu vermeiden gilt? In einer Zeit, die von "sozialer Distanz" und Kontaktbeschränkungen geprägt ist?
Im 19. Jahrhundert waren noch Felder und Gärten auf dem Gelände, wo sich heute der Reinhold-Schulz-Waldpark, die Draußenschule, die Glashäuser, das Archiv des Rhein-Neckar-Kreises mit der Integrierten Leitstelle und das Alten- und Pflegeheim Johanniter-Haus am Waldpark befinden (Abb. 1). Der Kanzelbach begrenzte das Gebiet nach Norden: Die Gärten nannte man Bellen- oder auch Böllengärten. Als Bellen, oder auch Böllen, verstand man im Ladenburger Dialekt Pappeln, die wahrscheinlich einst am Kanzelbach standen. Die Bezeichnung Burgäcker verweisen auf das Bühnenhaus des römischen Theaters, dessen Ruinen bis ins 18. Jahrhundert noch zu sehen waren und, da man die Herkunft lange Zeit nicht zu deuten wusste, als
Burg bezeichnet wurden.
Völlig überraschend stieß der Autor dieses Artikels während einer Internetsuche zum Thema Ladenburg auf einen Beitrag des Westdeutschen Rundfunks (WDR) mit der Überschrift „30. Dezember 1945 – Erste deutsche Nachkriegsbraut heiratet US-Soldaten“ (Abb. 1). Dieser Beitrag verweist
auf eine regelmäßige Radiosendung „Zeitzeichen“ des WDR, die am 30. Dezember 2015 auf WDR 3 und WDR 5 an die Schicksale deutscher
Frauen nach Kriegsende erinnerte. Das war genau 70 Jahre nach der ersten Hochzeit eines US-Soldaten des Zweiten Weltkrieges mit einer deutschen
Frau. Und diese Eheschließung fand in Ladenburg statt. Da diese Heirat solch weitreichende Auswirkungen hatte, dass sie sogar zu einem zeitweiligen Eheverbot zwischen US-Amerikanern und deutschen Frauen führte, soll hier näher darüber berichtet werden.
Vor mehr als 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zuende. Alliierte Truppen besetzten oder befreiten, je nach Sicht, das Deutsche Reich. Damit fand ein beispielloses mörderisches Kämpfen sein Ende. Die Welteroberungsfantasien des nationalsozialistischen Regimes und seiner Verbündeten hinterließen einen Kontinent in Trümmern und eine bis heute schwer abzuschätzende Zahl an vielen Millionen Todesopfern. Wenn, so Hermann Hesse, in jedem Anfang ein Zauber innewohnt, so mag man sagen, hatte ihn die Welt 1945 besonders nötig. Im Jahr 2021 wurde dem Ladenburg der Jahre 1945 bis 1949 eine Ausstellung gewidmet, die in angepasster Form im Folgenden präsentiert wird. Es ging also um die Stadtgeschichte in der Besatzungszeit bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland. In dieser umfassenden Form betrat die Ausstellung Neuland. Da zahlreiche Themen dargestellt gehörten, der Platz aber oft begrenzt war, lag der Blick eher auf den Veränderungen dieser Jahre, weniger auf den ebenfalls ausmachbaren Kontinuitäten. Insgesamt lässt sich aber ohne Übertreibung sagen, dass die Stadt so vielfältige Umwälzungen zumindest seit den Kriegen mit der und den einhergehenden Zerstörungen durch die französische Armee im 17. Jahrhundert nicht mehr erlebt hatte.
Professor Franz Kohlhepp
(2022)
In Skandinavien kannte man Ski bereits seit Jahrhunderten als Fortbewegungsmittel im Winter. In Deutschland wurde das Skifahren erst Ende des
19. Jahrhunderts in größeren Kreisen bekannt und man übernahm die norwegische Bezeichnung als Lehnwort. Zu den Pionieren des Skilaufens und
Skisports im Schwarzwald gehörte Franz Kohlhepp aus Ladenburg. Franz Albert Kohlhepp wurde am 1. Dezember 1858 in Ladenburg als zweiter Sohn aus der zweiten Ehe des Tierarztes, Gemeinderechners und Rentmeisters Johann Peter Kohlhepp mit Katharina Schmitt geboren. Zwei seiner Stiefbrüder, Kinder aus der ersten Ehe, Johann Georg und Jacob Friedrich, wurden ebenfalls Tierärzte, auch sein Bruder Karl Philipp.
Die Familien Heckel
(2022)
Steinmetze sind Leute, die Steine bearbeiten, ein sehr altes Handwerk. Bildhauer machen das auch, aber hinzu kommt der künstlerische Anteil. Drei
Generationen der Familie Heckel haben dieses Handwerk in Ladenburg ausgeübt und ihren Lebensunterhalt damit verdient. Das Haus Heckel in der heutigen Wallstadter Straße 11 war ihr Domizil. Das Handwerksgeschäft wurde gegründet von Anton Heckel, weitergeführt von Heinrich Heckel und zuletzt in der dritten Generation von Ernst Heckel. Die vierte Generation hat sich aus diesem Gewerbe verabschiedet – nun ja, alles hat einmal ein Ende.
Im Jahre 1545 wurde Heinrich Eckhart vom Wormser Bischof Heinrich von Wittelsbach als Pfarrverweser an die Galluskirche berufen. Pfälzischer Kurfürst war damals Friedrich II., welcher der Reformation zugeneigt war. 1554 kam es zum Eklat, als Heinrich Eckhart in öffentlichem Kirchgang seine
Haushälterin, mit der er im Konkubinat schon sieben Kinder hatte, heiratete, was dem katholischen Zölibat zuwiderlief. Bischof Dietrich von Bettendorf, der Nachfolger des Heinrich von Wittelsbach, wollte ihn daraufhin im Dezember 1554 als Pfarrer der Galluskirche absetzen. Die Ladenburger und
der Kurfürst Friedrich II. wollten ihn aber gerne behalten und es ging bis vor den Kaiser Karl V. und das Reichskammergericht in Speyer. Offensichtlich
verlief die Angelegenheit dann im Sande, weil Kaiser Karl V. abgedankt hatte, der Augsburger Religionsfriede von 1555 bereits gültig war und Ottheinrich Kurfürst wurde. Mit Pfarrer Eckhart kann erstmals ein Einblick in das Reformationsgeschehen des 16. Jahrhunderts in Ladenburg erlangt werden.