102.2022
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Die Ortenau. – 102 (2022)
(2022)
Eine Auswahl heimatkundlicher Aufsätze des Bildstein-Wettbewerbs auf der Homepage der Stadt Zell
(2022)
Die Idee wurde vor Kurzem geboren und fand bei allen Beteiligten uneingeschränkt Zustimmung: Die Bildstein-Arbeiten werden künftig kostenfrei der gesamten Öffentlichkeit zugänglich gemacht: auf der Homepage der Stadt Zell unter der Hauptrubrik "Unsere Stadt" mit dem Stichwort "Geschichte"
und dort als Unterpunkt "Bildsteinaufsätze". Schließlich ist die Stadt Zell am Harmersbach satzungsgemäß Träger des jährlichen Bildstein-Aufsatzwettbewerbs der Werkrealschule Zell. Eine erste Auswahl – weitere folgen nach und nach – umfasst die ersten Preisträger der letzten drei Jahre und die drei Preisträger dieses Jahres 2021 und deckt damit schon mal vier Themenbereiche ab, die sehr gerne von den Schülern gewählt werden: Hofgeschichte(n), Brauchtum, Migrationsgeschichte(n) und einheimische Betriebe.
Liebe Jacqueline Barth, für Deinen Aufsatz "Meine Tracht und ihre Geschichte" zum diesjährigen Bildstein Wettbewerb des Zeller Bildungszentrums
bist Du mit einem Preis ausgezeichnet worden. Schon in Deiner Themenbegründung spürt man Deine Freude und Begeisterung und den persönlichen, familiären Bezug. Für Dich ist die Tracht nicht nur etwas fürs Museum, sondern Rückbesinnung auf traditionelle Werte und altes Kulturgut und Du schätzt das Miteinander von Jung und Alt im Laufe der Jahresfeste. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein fand die traditionelle Volkstracht in ihrer regionalen Vielfalt in ländlichen Gebieten große Verbreitung und grenzte sich deutlich von der bürgerlichen Kleidung ab.
Ich bin seit 2011 in der Trachtenvolkstanzgruppe der historischen Bürgerwehr Oberharmersbach. Als meine Mutter eine der Leiterinnen der Kindervolkstanzgruppe wurde, ging ich regelmäßig zu den Proben mit. Mit der Zeit wurde es für mich immer spannender und spaßiger, die neuen Leute und neue Tänze kennenzulernen, auch bin ich richtig stolz auf meine Tracht. Ich war schon bei vielen Auftritten der Kindervolkstanzgruppe dabei, und als ich 14 Jahre alt wurde, durfte ich endlich in die Erwachsenen-Trachtentanzgruppe wechseln. Wir sind auf vielen Tanzveranstaltungen, Lehrgängen und Trachtenumzügen unterwegs. Ich habe eine sehr starke Verbindung zur Tracht, da schon meine Großeltern in der Trachtentanzgruppe getanzt haben. Auch meine Eltern tanzen mit und haben mich schon als kleines Mädchen überall hin mitgeschleppt. Da ich diese Familientradition sehr toll finde und sehr gerne über die Tracht erzähle, habe ich mich für dieses Thema entschieden.
Wie außerschulische Lern- und Gedenkorte – wie die ehemalige Synagoge in Kippenheim – auch unter den Bedingungen in einer Kultur der Digitalität weiterhin ein attraktiver und zeitgemäßer schulischer Kooperationspartner sein können, ist die dem folgenden Werkstattbericht zugrunde liegende leitende Fragestellung. Erstens sei an dieser Stelle ausdrücklich betont, dass die Lernortbegehung dabei nicht durch eine rein virtuelle Exkursion ersetzt werden sollte. Vielmehr ging es darum, die außerschulische Exkursion um zum Bildungsplan für alle weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg passgenaue Materialien zur Vor- und Nachbereitung zu ergänzen, die auch Angebote für die Durchführung einer handlungs- und produktionsorientierten Arbeitsexkursion beinhalten. Zweitens soll der nachfolgende Werkstattbericht Zeugnis darüber ablegen, wie die Arbeit in einer Community of Practice von Akteur:innen aus der Schulpraxis und der Gedenkstätte gestaltet sein könnte, um im engen Dialog miteinander Materialien für den Einsatz
im Unterricht zu erarbeiten
Der Ort Zell-Weierbach als Stadtteil Offenburgs ist gegenwärtig Wohnsitz von rund dreieinhalbtausend Menschen. Optisch und wirtschaftlich ist Zell-Weierbach von Weinbau, Wald und Wiesen geprägt. Dies sind nur einige Facetten der Natur an sich, welche gegenwärtig Untersuchungsgegenstand
verschiedener wissenschaftlicher Beschäftigungen ist. So lässt sich Natur unter dem Aspekt der Umweltgeschichte auch innerhalb der Geschichtswissenschaft betrachten. Den Wald in Zell-Weierbach besitzen zu Teilen die Ortsverwaltung ebenso wie Privatpersonen. Wald im Privatbesitz stellt ein übergenerationelles Phänomen dar: Einige Waldgrundstücke werden seit Generationen in Familien als Besitztum tradiert – so auch in der Familie des Autors der vorliegenden Untersuchung. Im Rahmen eines Werkvertrages des Autors mit der Ortsverwaltung Zell-Weierbach beschäftigt sich dieser mit der Zeit um den Zweiten Weltkrieg innerhalb des Ortes. Der Wald als Element regional verwurzelter Natur bietet hierbei bisher kaum beachtetes Forschungspotenzial, was im Folgenden anhand der sich im Wald befindlichen Naturdenkmäler auf der Gemarkung des Ortes gezeigt wird. Es lässt sich aufgrund der Quellen- und Informationslage lediglich erahnen und ein kleiner Einblick gewähren, wie die bürokratischen Prozesse zur Kategorisierung der Naturdenkmäler in Zell-Weierbach verliefen, welche Problemfelder hierbei eventuell auftraten und wie stark ideologische Maßnahmen wirkten.
Langjähriger Arzt in Bad Rippoldsau (laut Adolf Schmid von 1852 bis zu seinem Tode 1893) war Dr. Friedrich Feyerlin. Er ist der in der heutigen Erinnerung lebendigste Badearzt des einst legendären Heilbades, das in einem Satz mit den Weltbädern Baden-Baden und Bad Ems genannt wurde. Doch Friedrich Feyerlin war nicht der einzige Mediziner von herausragendem Rang, der in Bad Rippoldsau wirkte. Erwähnung verdient insbesondere auch Professor Dr. Heinrich Kraft, dessen eigentlich erloschener Erinnerung dieser Text gewidmet ist. Während Dr. Feyerlin neben seiner Profession als Balneologe auch Psychiater und Chirurg sowie Geburtshelfer war, betätigte sich Prof. Dr. Heinrich Kraft neben der Balneologie vor allem als Ernährungsmediziner, Röntgenologe und Sozialmediziner. Professor Dr. med. Heinrich Kraft war außerplanmäßiger Professor an der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg. Der neuen, "deutschen" Universität (sie unterstand direkt dem Reichskanzleramt) war am 28. April 1872 die Stiftungsurkunde verliehen worden, und sie wurde am 1. Mai 1872, genau 305 Jahre nach Eröffnung der alten Akademie, inauguriert. Auf die vielfältigen und lebendigen Verbindungen zwischen Straßburg und Bad Rippoldsau muss hier nicht erneut eingegangen werden, sie wurden bereits umfassend dargestellt. Eine wichtige Klammer dieser Verbindungen war sicherlich Prof. Dr. Heinrich Kraft.
Am 10. August 2022 jährt sich zum 50. Mal der Todestag von Prof. Dr. Heinrich Meng. Er war international bekannt als Mediziner, Psychoanalytiker und Begründer der europäischen Psychohygiene-Bewegung. Heinrich Meng wurde am 9. Juli 1887 in Kehl-Hohnhurst als Sohn des Volksschullehrers Wilhelm Meng und dessen Ehefrau Brigitte geb. Hengstler geboren. Er wuchs in einem bäuerlichen Anwesen zusammen mit drei Geschwistern auf. Am
Ende des zweiten Lebensjahres erkrankte er schwer an Poliomyeloencephalitis, die sich im Dorf Hohnhurst epidemisch verbreitet hatte. Die Krankheit dauerte viereinhalb Monate. Während dieser Zeit fieberte er stark und war zeitweise halbseitig gelähmt. Allmählich bewältigte er die lebensbedrohliche
Krise. Später führte er den Therapieerfolg auf die intensive mütterliche Betreuung zurück: "Die nie versagende mütterliche Fürsorge und Aufopferung waren sicherlich für die Heilung wesentlich. Meine Mutter hatte den festen Glauben, daß das Kind am Leben bleiben werde" (Meng 1971, S. 10).
Abseits der Kriegsfronten gelangte das militärisch-geprägte Schießen mit Waffen im 20. Jahrhundert auch in die landwirtschaftlich-geprägten Dörfer Mittelbadens. Die Offenburger NSDAP nennt als Vorreiter ihrer politischen Ideologie unter anderem militante Gruppierungen: "Mehr als wehrpolitische Organisation trat auch bereits im Jahre 1923 die sog. Freischar Damm unter Decknamen in Offenburg auf […] die in einem Hause in Zell-Weierbach (Bachmann) wöchentlich ihre wehrsportlichen Übungen abgehalten hatte." Die Freischar Damm war eine von vielen paramilitärischen Gruppierungen, die dem demokratischen System der Weimarer Republik besonders in Krisenzeiten feindlich gegenüberstanden. Ihr Namensgeber,
Erich Damm, gründete Anfang der 1920er Jahre viele Kleinkaliberschützenvereine (KKSV) in Südwestdeutschland. Über ihre Aktivitäten im Offenburger Rebland ist bis auf das genannte Zitat nichts bekannt – auffallend ist aber, dass seit 1924/25 auch dort ein KKSV existierte. Im Rahmen eines Werkvertrags mit der Ortsverwaltung Zell-Weierbach (ZW) beschäftigt sich der Autor der vorliegenden Untersuchung mit der Zeit um den Zweiten Weltkrieg innerhalb des Ortes. Mit den aufzuzeigenden Quellen- und Forschungsständen lässt sich die Verbindung des hiesigen KKSV mit dem
Aufkommen nationalsozialistischer Strömungen darlegen.
Für das ehemalige Militärgelände (bis 1992) "im Rammersweierer Wald" wurden über 95 Jahre Waldflächen und Ackergelände dreier Gemeinden in Anspruch genommen. Der "Rammersweierer Wald" und die beanspruchten Ackerflächen, die im vergangenen Jahrhundert vornehmlich für militärische
Zwecke genutzt wurden, verdankten diese Nutzung wohl dem dringlichen Wunsch der Stadt Offenburg im 19. Jahrhundert, sich mit dem Attribut Garnisonsstadt schmücken zu dürfen. Fünfmal innerhalb von 20 Jahren bewarb man sich im Kaiserreich um dieses Renommee und erreichte endlich 1898 mit dem Einzug des 170er-Regiments in die zulasten der Stadt erstellten Kasernen dieses Ziel. Für diese "Ehre" spielten die Kosten für die militärischen Bauwerke und Anlagen bei der Mehrzahl der hauptsächlich reichsnationalgesinnten Stadträte eine untergeordnete Rolle. So wurde auch eine Schießstandanlage im Wald auf Gemarkung Bohlsbach, Grundstück-Lagebuch Nr. 2209/3, für das 9. Badische Infanterie-Regiment Nr. 170 bereitgestellt und bis 1898 wurden dafür zwei Hektar Wald verbaut.