76.2022
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Der vierfache Schultes
(2022)
Wenn man sich mit den Ortsgeschichten von Großbottwar, Kleinbottwar, Steinheim und Winzerhausen beschäftigt, findet sich in der Liste der Bürgermeister jeweils der Name August Scholl. Anfängliche Zweifel, ob es sich wirklich in allen Fällen um dieselbe Person handelt, erweisen sich bald als unbegründet. Ebenso schnell wird klar, dass es nicht häufig vorkommt, dass jemand in gleich vier verschiedenen Städten oder Gemeinden die Aufgaben des Bürgermeisters versah – unabhängig davon, ob dies gleichzeitig oder zeitlich nacheinander geschah. Allein schon aus diesem Grund scheint es angebracht, sich mit August Scholl, seinem Werdegang und seiner Persönlichkeit näher zu befassen. Dies gilt umso mehr, als Scholl in drei unterschiedlichen politischen Systemen das Amt des Ortsvorstehers bekleidete: zunächst in der zweiten Hälfte der Weimarer Republik, dann während der gesamten Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und zuletzt noch 14 Jahre lang in der neuen demokratischen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland.
Erwin Starker (1872-1938)
(2022)
Vor 150 Jahren wurde in Stuttgart der Landschaftsmaler Erwin Starker geboren. Das Museum der Stadt Ditzingen, wo er seine letzten Lebensjahrzehnte verbrachte, widmet ihm aus diesem Anlass ab Herbst 2022 eine Sonderausstellung, in deren Fokus nicht nur das Werk, sondern auch der Lebensweg und das Lebensumfeld des Künstlers stehen. Starker gilt als ein führender Vertreter des schwäbischen Impressionismus. Trotzdem wurde er von der kunstgeschichtlichen Forschung bislang nur wenig beachtet. Zwar veröffentlichte Erich Heyfelder schon zum 60. Geburtstag des Künstlers eine Würdigung im Schwäbischen Heimatbuch, und Gert Nagel widmete ihm 1978 einen Bildband mit einer biografischen Einführung, doch ist besonders die letztere – wie noch zu sehen sein wird – nicht frei von Mängeln. Zuletzt erschien im Jahr 2000 ein Abschnitt über Starker in dem Sammelband »Die Schwäbische Malerei um 1900« von Thomas Maier und Bernd Müllerschön.
Das Jahr 1866 war ein Meilenstein für die Entwicklung der Elektrotechnik. Der deutsche Ingenieur und Unternehmer Werner von Siemens erkannte das dynamoelektrische Prinzip, aus dem er die erste Dynamomaschine entwickelte. Auf wirtschaftliche Weise wandelte diese Maschine mechanische Kraft in elektrische Energie um. Mit ihrer Hilfe konnte an jedem beliebigen Ort elektrischer Strom erzeugt werden. Für die Zukunft stellte diese technische Neuerung eine preiswerte Stromerzeugung in Aussicht – und sie war zugleich der Ausgangspunkt für die moderne Elektroindustrie und Elektrizitätswirtschaft.
Müll ist aus unserem Alltag und aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken. Müll entsteht nicht aus einer Laune der Natur, Müll ist immer ein Produkt von Menschenhand. Hat ein Gegenstand seine Funktion erfüllt – sei’s die Kartoffelschale in der Küche, der zerrissene Strumpf, die ausgetrunkene Weinflasche oder das unvermeidbare Verpackungsmaterial –, wird dieser Gegenstand zu Abfall und damit zu Müll. Als Müll ist er zu nichts mehr zu gebrauchen und muss zwangsläufig entsorgt werden. Einfach und ohne Probleme lief diese Entsorgung noch nie ab, wie das Beispiel von Ludwigsburg im
Rückblick und auch aktuell zeigt. Im vorliegenden Beitrag wird schwerpunktmäßig über die Entwicklung der Ludwigsburger Müllabfuhr von ihrem offiziellen Start im Jahr 1903 bis zur Übernahme durch den Landkreis im Jahr 1977 berichtet. Die Entsorgung von Gewerbe- und Giftmüll wird dabei nicht berücksichtigt.
In der urkundlich seit dem Jahr 776 greifbaren Geschichte von Rielingshausen markiert der 1972 erfolgte Anschluss an die Stadt Marbach eine
wichtige Zäsur. Dieser Anschluss vollzog sich im großen Rahmen der baden-württembergischen Kreis- und Gemeindereform, die seinerzeit im ganzen Land die Lokalpolitik beschäftigte und vielerorts auch in der Bevölkerung die Gemüter erhitzte.
Als es im Frühjahr 1943 wiederholt schwere Luftangriffe auf Stuttgart gab, erwog die Leitung der für Württemberg zuständigen Stuttgarter
Staatspolizeileitstelle, wichtige Unterlagen auszulagern und so in Sicherheit zu bringen. Nach weiteren Angriffen im September und Oktober wurden diese Überlegungen dann in die Tat umgesetzt. Die Wahl fiel auf die beschauliche einstige Oberamtsstadt Besigheim, wo die Gestapo im Oktober 1943 im sogenannten »Kameradschaftshaus«, einem städtischen Gebäude direkt gegenüber dem Bahnhof, Räume anmietete. Ein knappes Jahr später, im September 1944, bezog die Staatspolizeileitstelle Stuttgart in Besigheim weitere Räumlichkeiten an einem zweiten Standort, dieses Mal mitten in der historischen Altstadt, in der Kirchstraße, im einstigen Saal der Gaststätte Hirsch.
Im Jahr 1807 legte das königliche Oberamt in Ludwigsburg Markgröningen als künftigen Wohnsitz für Andreas Guttenberger fest und fügte als Hinweis hinzu, dass die Stadt die notwendige Unterstützung für die Familie übernehmen müsse. Guttenberger war zuvor »Hartschier«, so nannte man Soldaten in der Leibgarde, in der »sogenannten Arbeitscompagnie« gewesen. Warum die Wahl des Oberamts ausgerechnet auf Markgröningen fiel, ließ sich nicht ermitteln. Vielleicht, weil es hier eine reiche Stiftungspflege gab? Die Stadt hatte die siebenköpfige Familie nach § 21 der württembergischen Polizeiverordnung vom 11. Juli 1807 zu versorgen. Der 1773 geborene Andreas Guttenberger war seit 1795 mit Regina Katharina Mel (Nel?) verheiratet, mit der er fünf Kinder hatte. Zur Herkunft des Familienoberhaupts gibt es widersprüchliche Angaben. Einmal heißt es, dass er aus Lichtenstern (Landkreis Heilbronn) stamme, einer anderen Quelle nach war er im Elsass zur Welt gekommen.
Die Geschichte der Braukunst lässt sich bis weit in die vorchristliche Zeit zurückverfolgen. So ist zum Beispiel bekannt, dass die Sumerer, die das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris besiedelten, schon mehrere Methoden entwickelt hatten, um aus vergorenem Brotteig ein Biergebräu herzustellen. Das Resultat ist eine pampige, klebrige Masse mit berauschender Wirkung, der Vorläufer des heutigen Bieres. Auch in den ägyptischen und babylonischen Kulturen war das bierähnliche Gebräu beliebt. In Oberägypten berichten Wandmalereien und Inschriften davon, und in dem Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. in Babylonien entstanden Gilgamesch-Epos, einem der ältesten Schriften der Weltliteratur, findet das Bier seine Erwähnung: »Iss nun das Brot, o Endiku, denn das gehört zum Leben, trink auch vom Bier, wie es des Landes Brauch«. Zahlreiche Funde von Bieramphoren belegen,
dass zum Brauchtum der Germanen das Biertrinken gehörte.
"Bauen und Erbauung"
(2022)
Bei Berthold Brecht heißt es in den »Fragen eines lesenden Arbeiters«: »In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt? [...] Alle zehn Jahre ein großer Mann. Und wer bezahlte die Spesen? So viele Berichte. So viele Fragen.« Jenischs Name wird zwar genannt im Zusammenhang mit der dreihundertjährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung zu Schloss Ludwigsburg am 7. Mai 1704, aber
viel wissen wir bisher nicht von dem ersten herzoglichen Baumeister. Er hat auch nicht »die Felsbrocken herbeigeschleppt«, doch war er denen, die es zu bewerkstelligen hatten, näher als sein Herzog. Nun erlauben neue Archivfunde, genauer nachzufragen: Wer war Philipp Joseph Jenisch? Dabei
erweist er sich in teilweise außergewöhnlichen Quellen als Mann zwischen Barock und Pietismus, geprägt von der damals noch jungen reformerischen Frömmigkeitsbewegung des Pietismus genauso wie von der großen Kunstepoche des Barock. Auf den ersten Blick waren beide Antipoden, bei genauerem Hinsehen zeigen sich erstaunliche Gemeinsamkeiten, auch im Leben Jenischs.