48.2025
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Vieles, was noch vor wenigen Jahren als unverrückbare Konstanten unserer Lebensumstände angesehen wurde, scheint heute nicht mehr zu gelten. Drei Beispiele mögen dies schlaglichtartig verdeutlichen. Ganz existentiell geht es um die Frage von Krieg und Frieden. Über 70 Jahre europäische Integration haben in Europa ein Leben in Frieden und Freiheit zur Normalität werden lassen. Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine und den kriegerischen Entwicklungen im Nahen Osten steht diese Normalität urplötzlich wieder in Frage. Kriege sind näher gerückt, die Bedrohungslage ist spürbar. Wir müssen feststellen: Es gibt keine Garantie auf ein Leben in Frieden.
Der Gedenkstein (Epitaph) für den letzten Abt des aufgelösten Benediktinerstifts St. Georgen steht schon lange in der Villinger Benediktinerkirche.
Ganz hinten in einer Nische auf der Südseite der Kirche hat er seinen Platz und verkündet seit über 200 Jahren die Lebensdaten dieses bedeutenden Mannes, der als letzter Abt in die Geschichte seines Klosters einging.
Im Rahmen des Aufgabenbereichs des Amtes für Archiv und Schriftgutverwaltung (Leitung: Ute Schulze M.A.) hat Herr Markus Teubert ab März 2024 die Leitung des Stadtarchivs übernommen. Mit seinem folgenden Beitrag stellt er sich den Mitgliedern des GHV vor. Wir wünschen ihm für seine
Arbeit viel Erfolg und freuen uns auf die Zusammenarbeit in allen Fragen der Stadt- und Regionalgeschichte unseres Vereins, dessen Neumitglied er
gleich zu Dienstbeginn geworden ist.
Menschen, die sich für die Gastronomie Villingens interessieren, steht im Stadtarchiv jetzt eine neue ’Fundgrube’ zur Verfügung. Am 13. März 2023 übergab Siegfried Preiser sein umfangreiches, bis ins Jahr 2021 reichendes Werk mit insgesamt 53 Ordnern. Neben einem "Handbuch Gastronomie Villingen", das die Intention und die sehr systematische Herangehensweise an das Thema erläutert, sind 42 Ordner "Chroniken", vier Ordner mit Gebäude- /Objekt- und Personenfotos, vier Ordner mit Unterlagen zu Veranstaltungen in der Tonhalle von 1867 bis 1998 sowie je ein Ordner zu Wirtsleuten und Brauereien vorhanden. Hinzu kommt noch ein Karton mit Speisekarten und Werbematerial. Über 25 Jahre lang hat sich Siegfried Preiser intensiv mit der Villinger Gastronomie beschäftigt, um die einzelnen Chroniken so genau wie möglich zu erstellen.
Astronomische Uhren sind wahre Wunderwerke der Technik, die schon immer eine große Faszination und Anziehungskraft ausgeübt haben. Neben der Uhrzeit sind meist noch die Stellung des Mondes und der Gestirne ablesbar, oft ist auch ein Kalendarium vorhanden. Manche dieser Uhren sind sogar mit beweglichen Figuren ausgestattet, die zu bestimmten Uhrzeiten in Aktion treten und meist biblische Szenen lebendig werden lassen.
Berühmte astronomische Uhren, die heute noch vorhanden sind, gibt es unter anderem in der Marienkirche in Rostock, der Kirche St. Nikolai in Stralsund, im Dom von Münster in Westfalen, an den Rathäusern von Ulm und Esslingen, am Altstädter Rathaus in Prag oder am Zeitglockenturm in Bern. Einer der berühmtesten dieser außergewöhnlichen Zeitmesser steht im Münster von Straßburg und wird jedes Jahr von hunderttausenden Besucherinnen und Besuchern bestaunt.
Die Geschichte des Villinger Münsters ist lang und wechselvoll. Sie reicht rund 900 Jahre zurück. Immer wieder wurde seither neu gebaut, umgebaut, erweitert, renoviert und das Gotteshaus dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Wie der Bau selbst, so wurden auch der Kirchenraum und seine Innenausstattung immer wieder verändert. Zentrum des gottesdienstlichen Geschehens in einer christlichen Kirche sind die Altäre als Tisch der eucharistischen Mahlgemeinschaft und als Ort der Vergegenwärtigung von Tod und Auferstehung Christi. Wie die gesamte Einrichtung haben im Laufe der Jahrhunderte auch die Altäre vielfach ihre Gestalt gewechselt. Heute befinden sich im Münster vier Altäre, die, gemessen an der langen und bewegten Geschichte der Kirche, noch recht jung sind: Der große neugotische Hochaltar und die beiden neubarocken Seitenaltäre, die alle im Zuge der großen Münsterrenovierung von 1905 bis 1909 angeschafft wurden, sowie der moderne Zelebrationsaltar, der 1982 geweiht wurde.
"Villingen war bis weit in das 19. Jahrhundert hinein eine Ackerbürgerstadt, d.h. die Landwirtschaft war die vorrangigste Existenzgrundlage, die auch vielen Handwerks- und Handelsbetrieben Arbeit brachte. Die ausgedehnte Schafzucht und der große Viehbestand beschäftigte die Tuch- und Wollweber, die Färber, Bleicher, Walker und Gerber, der Flachsanbau die Seiler, Schmiede und Wagner fertigten die Geräte für die Bauern. Der Ertrag der weiten Kornfelder in Villingen und in den benachbarten Gemeinden wurde von einer wechselnden Zahl von Getreidemühlen (12-15) an der Brigach verarbeitet. Auf den Schrannen (Getreidelagerhäuser) brachten die Kornmärkte Handelsverkehr in die Stadt, ebenso die großen Viehmärkte. Die Wasserkraft der Brigach und des Wieselsbachs trieb neben den Mühlen noch Hammerwerke, Schleifereien und Holzsägen … Außer den Landwirten betrieben auch die Handwerker, die Kaufleute und vor allem die Gastwirte mit ihren Fuhrbetrieben nebenher noch Landwirtschaft, die ihnen half, Notzeiten, die nicht selten waren, durchzustehen. Auch die Klöster und das Spital hatten größere landwirtschaftliche Betriebe. Das Haus des Ackerbürgers ging in der Regel von der Wohngasse durch nach der dahinter liegenden Wirtschafts- (Mist-)gasse. Ein Beispiel hierfür ist die Brunnengasse … An der Wohnfront die charakteristischen Erker und Aufzugsgauben und gegebenenfalls die Werkstatt, nach der Wirtschaftsgasse die Ställe und Dunglegen."
Eine Postkarte! Von einem Künstler geschaffen, der ansonsten in seiner Kunst hochkomplexe Maschinen, interaktive Objekte und Installationen oder programmierte Mobiles kreiert und dabei in seinen Werken "Schnittstelle(n) zwischen Mensch und Maschine" zu künstlerischen Behauptungen führt. Dieser Künstler Dr. Oliver Wolf alias 'Olsen' schafft eine simple Postkarte, und konterkariert in einer einzigen Szene, was zahlreiche Werbestrategen und Tourismusmanager, Fotografen wie Michaela Kindle oder Sebastian Wehrle, Modedesigner wie Jochen Scherzinger, Künstlerkollegen wie José Schloss oder Stefan Strumbel, aber auch Produzenten von merkantilen Kitschobjekten seit Jahren als klischeebehaftetes und millionenfach platziertes Werbemittel für den Schwarzwald vereinnahmen: den Bollenhut.
Die mittelalterlichen Handschriften des Benediktinerklosters St. Georgen, das seit dem 17. Jahrhundert endgültig seinen Sitz in Villingen hatte, gelangten 1807 im Zuge der Säkularisation in die damalige Hofbibliothek in Karlsruhe, die heutige Badische Landesbibliothek (BLB). Seit 2019 werden sie in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt vollständig digitalisiert und durch ausführliche wissenschaftliche Beschreibungen erschlossen. Die Bearbeitung der Handschriften erfolgt dabei in einem Kooperationsprojekt, bei dem die BLB die Digitalisierung übernimmt und die wissenschaftliche Erschließung an den Handschriftenzentren der Württembergischen Landesbibliothek (WLB) Stuttgart und der Universitätsbibliothek (UB) Leipzig durchgeführt wird.
Vor 60 Jahren: Nach fünf Generationen der Familie Laun kam mit der Kienzle-Erweiterung das Ende als Hammerschmiede und eine glückliche
Entscheidung zum Verbleib des "Hammers". Es war für Villingen ein spektakuläres lokales Ereignis, als im Juli 1966 der archaisch anmutende, fünf Tonnen schwere "Schwanzhammer" als schon höchst selten gewordenes technisches Kulturdenkmal vom Standort der Firma Laun in der Prinz-Eugen-Straße in die Sammlungen des Franziskaner-Museums überführt wurde. Damit wurde ein technisches Industriedenkmal zum dauernden Exponat der Sammlungen.
"Wühler und Hochverräter"
(2024)
Wir erinnern uns: Im Februar und Mai 2023 boten die Kirchlichen Bildungswerke, die VHS und der GHV gemeinsam Vortragsveranstaltungen unter dem Motto "175 Jahre Badische Revolution" an; die Referenten, Michael Buhlmann und Ulrich Büttner, nahmen die in großer Zahl Teilnehmenden auf eine Reise in eine Zeit mit, die die Menschen über einige Jahre in Aufruhr und Willkür stürzte. Wenn wir diese Freiheitsbewegung, die für die Geschichte der politischen Ideen und des Parlamentarismus in Deutschland von so grundlegender Bedeutung ist, in diesem Jahrbuch nochmals aufgreifen, so wollen wir nicht nur ihrer Einmaligkeit gerecht werden, sondern jene Menschen mit ihren "Revolutionsbiographien" benennen, mit deren Namen die Revolution in Villingen und Umgebung untrennbar verbunden ist. Wir wollen versuchen festzuhalten, wer die in den Quellen genannten Ereignisse zu erleben und zu erleiden hatte.
1848/49 – 2023/24: Geschichte schafft eine Erinnerungskultur, die sich auch nach Jubiläen bemisst. Jubiläen als die gedachte Wiederkehr eines Ereignisses nach einer bestimmten Anzahl von Jahren bieten daher immer wieder Anlass für historisches Erinnern. Sie können sich auf Gedenkjahre beziehen, die für bestimmte historische Entwicklungen stehen. Mit Jubiläen verbundenes Erinnern ist also eine besondere Form des Erinnerns. Nachfolgend soll die deutsche bzw. badische Revolution von 1848/49 in Villingen beschrieben werden, wobei der Villinger Bürger und Revolutionär Karl Hoffmann im Mittelpunkt des Geschehens steht. Es werden damit Ereignisse, die 175 Jahre zurückliegen, in Erinnerung gerufen. Der Begriff "Revolution" beschreibt eine plötzliche, auch gewaltsame Entwicklung, die verbunden ist mit auf Massenbewegungen beruhenden gesellschaftlichen Umbrüchen, abzielend auf eine massive Veränderung der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung.