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Die vorliegende Studie widmet sich der Entwicklung der Heidelberger Chemiefirma Teroson von einem kleinen Familienbetrieb zu einem mittelständischen Industrieunternehmen. Geprägt wurde dieser Aufstieg zwischen 1930 und dem Beginn der 1950er Jahre von Erich Ross, dem Firmenchef der 2. Generation. Welche Haltung nahm er gegenüber der NS-Ideologie und dem NS-Staat ein? War er ein überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus oder ein tüchtiger Unternehmer, der sein Verhalten im Interesse der Firma dem NS-System anpasste? In welchem Maße begünstigten der Wirtschaftsaufschwung der 1930er Jahre, die Aufrüstung und die Kriegswirtschaft den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens? Wie überstand Ross die Zeit der amerikanischen Besatzung und wie führte er den Ausbau der Firma in der frühen Bundesrepublik fort?
Wien - Shanghai - Heidelberg
(2021)
Als auffälliger Außenseiter war er in den 1950er- bis in die 1970er-Jahre hinein Teil des Heidelberger Stadtbildes, sichtbar vor allem am Bismarckplatz vor den damaligen Arkaden: eine hagere Gestalt, nach vorne gebeugt, nach links gekrümmt, in einen langen schäbigen Mantel gehüllt, einen Packen Zeitungen oder Zeitschriften unter dem Arm. Wollte er diese wirklich verkaufen oder eher Almosen erbetteln? Aus seinem mühevollen langsamen Gang schreckte er nur dann auf, wenn ihn Jugendliche mit dem Wort „Stürmer“ verspotteten. Er drohte ihnen und versuchte vergeblich, sie zu verfolgen, ohne sie je zu erreichen. Ältere Heidelbergerinnen und Heidelberger erinnern sich wohl – wie ich – an diesen bedauernswerten Mann; manche haben durch Erzählungen von ihm gehört. Wenig wusste man von ihm, auch sein Name war nicht bekannt. Hieß er wirklich Jakob, oder war dies nur ein Spottname? Nur wenige schriftliche Zeugnisse erwähnen ihn.
Woran erinnern sich Menschen, als Individuen, als Gruppe, als Nation? In welcher Form äußern sie diese Erinnerung? In welchen Jahrestagen und Orten konkretisiert sich die Erinnerung? Wie benutzt das politische System die Erinnerung? Individuelles und kollektives Gedächtnis, Erinnerungskultur, Erinnerungsritual, Gedächtnisort, Geschichtskultur, Geschichtspolitik - diese Begriffe haben seit Mitte der 1990er Jahre Eingang in die Kultur-und Geschichtswissenschaften gefunden. Nicht das erinnerte Ereignis steht im Mittelpunkt der Betrachtung, sondern seine Interpretation und Bewertung, seine Bedeutung für das politisch-historische Bewusstsein. Dabei erweisen sich die Studien von Aleida Assmann, Ute Frevert, Peter Reichel und Edgar Wolfrum als besonders erhellend.
„Lichtfest Tages Arbeit, abends Gäste! Saure Wochen, frohe Feste! So munter war die Nation, als es sie noch nicht gab, damals zu Goethe-Zeiten und lange vor der Reichsgründung. Unmunter, feiermüde, der Selbstbeweihräucherung abhold wurde Deutschland erst später, und obwohl dies tiefere Gründe hatte, um nicht zu sagen, die allerschrecklichsten Ursachen, ist die Klage über unseren Mangel an Festkultur nie ganz verstummt. Die deutsche Unfähigkeit zu feiern ist ein neokonservatives Diskursklischee, doch nun haben die Leipziger Bürger es feierlich außer Kraft gesetzt. Am vergangenen Freitag zogen 100 000 in memoriam revolutionis pacificae über den Innenstadtring, an illuminierten Häusern vorbei: ohne große Parolen und Transparente, ohne demonstrative Ausgelassenheit und Wir-sind-wieder-wer-Gejuchze. Still, aber nicht fromm. Heiter, aber nicht blasiert. So spazierten sie in die Nacht. Es war eine Nationalfeier ohne falschen Nationalstolz.ja beinahe ohne Nation.“ So ein Kommentar in der Wochenzeitung „Die Zeit“ zu der Feier, mit der die Leipziger Bevölkerung am 9. Oktober 2009 das 20-jährige Jubiläum der Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 beging, die über den Fortgang der friedlichen Revolution in der DDR entschied. Um Freiheit und Nation ging es auch fast 200 Jahre zuvor, zur angesprochenen Goethezeit, als viele Deutsche am 18. Oktober 1814 den Jahrestag der „Völkerschlacht" bei Leipzig (16.-19. Oktober 1813) feierten. Diese Schlacht wurde wegen der gewaltigen Zahl von Soldaten und Opfern sowie wegen ihres überraschenden Ausgangs sogleich zum entscheidenden Sieg über Napoleon verklärt, obwohl sie noch keine endgültige Entscheidung oder die Entmachtung Napoleons gebracht hatte. Gefeiert wurde ein Jahr später nicht nur in Leipzig sondern in weiten Teilen Deutschlands, vor allem im Westen und Südwesten, so auch in Heidelberg.
April 1838: Am südwestlichen Ausläufer des Heiligenberges (heute: Neuenheimer Landstr. 80 / Ecke Bergstraße) stoßen Arbeiter beim Ausschachten eines Fundaments für ein Wohnhaus auf Mauerreste und Kleinfunde aus der Römerzeit. Friedrich Creuzer (1771-1858), seit 1805 Professor für Philologie und Alte Geschichte an der Heidelberger Universität, besichtigt sogleich die Fundstelle. Am 23. April 1838 meldet ihm Ludwig Eisinger, Student und Mitglied des Philologischen Seminars, man habe ein „Bruchstück“ gefunden, „das ihm mithrisch zu sein scheine“. Creuzer ist wie elektrisiert - schließlich ist er ein ausgewiesener Kenner der orientalischen Kulte und seit 1833 für die badische Regierung als Konservator der Landesaltertümer tätig. Er beauftragt den akademischen Garten-Inspektor Johann Metzger (1789-1852), der als Landschaftsarchitekt und Gartengestalter den Heidelberger Schlossgarten und die botanischen Gärten verwaltet, mit der Ausgrabung („mit möglichster Schonung“) und Aufbewahrung der Funde. Zu Tage gefördert werden ein auf der Bildseite liegendes Relief aus vier Buntsandsteinplatten (2,26 m x 2,40 m) und ein Sockelstein - „eines der größesten und bilderreichsten Denkmäler“ des Mithras-Kultes, wie Creuzer begeistert und völlig zu Recht feststellt. Das angesichts der Fund umstände erstaunlich gut erhaltene Relief wird von der Großherzoglichen Regierung angekauft und zunächst im Handschriftensaal der Universitätsbibliothek (heute: Augustinergasse 15) aufgestellt. Noch im gleichen Jahr veröffentlicht Creuzer eine wissenschaftliche Abhandlung über das Neuenheimer Mithräum. Metzger steuert einen Grund- und Aufriss der Fundstelle bei, der Maler Johann David Vol(c)k eine recht genaue Zeichnung des Bildes. So kann jener Apriltag 1838 mit Fug und Recht als Geburtsstunde der wissenschaftlichen Archäologie in Heidelberg gelten.
Aufgewachsen in einer aufstiegsorientierten Familie besucht er das altsprachliche Gymnasium einer mittelbadischen Stadt und legt eine hervorragende Abiturprüfung ab. Anschließend studiert er an der Universität Heidelberg Geschichte, Deutsch und Französisch; sein Studium schließt er sowohl mit dem Staatsexamen als auch mit der Promotion ab. Nach der Referendarzeit unterrichtet er als Studienassessor an verschiedenen Schulen und wird Studienrat an einem Mannheimer Gymnasium. In der Folgezeit engagiert er sich in einer bürgerlich-konservativen Partei, wird in seinem Wohnort zum Stadtrat und zum Landtagsabgeordneten gewählt. Seine vielfältigen Aktivitäten helfen ihm dabei, Schulleiter eines neu gegründeten Gymnasiums zu werden. Unermüdlich weist er auf die Raumnot seiner Schule hin, bis die Stadtverwaltung einen Neubau genehmigt. Den Einzug in das neue Gebäude und die folgenden Jahre erlebt er als würdige Krönung seiner Lebensleistung. So könnte ein Lebensweg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlaufen sein. Ganz anders sieht das Schicksal des Mannes aus, dem sich der folgende Aufsatz widmet. 1899 geboren, erlebte er die Kriege und politischen Systemwechsel, die die deutsche Geschichte in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts prägten. Wie wirkten sich Umbrüche und Katastrophen dieser Jahrzehnte auf die berufliche und private Existenz eines „Normalbürgers“ aus? Welche politischen und staatlichen Entscheidungen warfen ihn aus der gewohnten Bahn und stellten ihn vor völlig neue Herausforderungen? Wie reagierte er darauf, welche persönlichen Charaktermerkmale wurden sichtbar? Schließlich: Welche Folgen hatte dies für seine Familie? Diese Fragen - soweit es die Quellenlage erlaubt - aufzuklären und eine individuelle Lebensgeschichte im Kontext der allgemeinen und lokalen Entwicklung darzustellen, ist das Ziel der Studie. Wie bei jeder historischen Biographie wird das dabei gewonnene Bild bis zu einem gewissen Grad fragmentarisch, vielleicht auch widersprüchlich bleiben.
Wer wusste bis zum Frühjahr 2021 schon, dass es in Heidelberg die Institution des „Ehrengrabes“ gibt, d.h. dass die Grabstätten verdienter Bürger durch die Stadt gepflegt werden? Carl Neinhaus (1888–1965) war diese Ehre 1965 unter seinem Nachfolger Robert Weber zuerkannt worden. 2007 hatte der RNZ-Redakteur Fritz Quoos eine Serie über „Städtische Ehrengräber“ veröffentlicht und in Folge 10 über „Carl Neinhaus – ein umstrittener OB und Politiker“ berichtet, ohne dass dies eine öffentliche Debatte ausgelöst hätte. Wie der Titel besagt, war die Zeit der vorbehaltlosen Erinnerung an Neinhaus vorbei; auf dessen problematische Rolle im Dritten Reich ging Quoos mit Verweis auf die Forschungen von Frank Moraw allerdings nur am Rande ein.
Dreipfeil gegen Hakenkreuz
(2018)
Zwei Karrieren
(2017)
Wie wirkten sich die politische Entwicklung Deutschlands von 1930 bis 1950 und die Umbrüche von 1933 und 1945 auf die Mitarbeiter der Heidelberger Stadtverwaltung aus? In dieser Zeit veränderte sich die personelle Zusammensetzung der Stadtverwaltung mehrfach einschneidend wie sonst kaum in einer anderen Epoche. Die folgende Untersuchung stellt zunächst die allgemeinen, vor allem die quantitativen Veränderungen in der Personalstruktur dar und beschreibt dann exemplarisch den wechselvollen beruflichen Werdegang zweier städtischer Beamten.
Bewegte Zeiten
(2019)
„Vor 15 Jahren war das Bunsen-Gymnasium noch ein mehr geschlossenes Gebilde als heute. Das Wort ,geschlossen‘ trug damals noch einen positiven Akzent. Es bedeutete Einheit der Teile von einer Mitte her, die nicht nur gegeben, sondern auch aufzubauen war. Es bedeutete weiter Zugehörigkeit zu einem in seinem Grund nicht bezweifelten gemeinschaftlichen Unternehmen, ja, es bedeutete auch Loyalität, nicht nur der beamteten Lehrer, sondern auch der meisten Schüler.“ In seinen „Reflexionen“ nach dem freiwilligen Rückzug vom Amt des Schulleiters
beließ es Josef Schwarz (geb. 1914; Schulleiter 1. August 1956 bis 31. Juli 1970) aber nicht bei diesem eher verklärenden Rückblick. Er analysierte auch die Veränderungen des Schullebens seit Mitte der 1960er Jahre: „Schule in Verschiedenheit“, „Schule in Offenheit“, „Schule in Bewegung“ – Entwicklungen, in denen er eine Chance für die Zukunft sah.