020 Bibliotheks- und Informationswissenschaften
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Der größte Teil der historischen Buchbestände, die heute im Besitz der Stadt Offenburg sind, stammt aus dem ehemaligen Franziskanerkloster in Offenburg. Der Konvent wurde gegen 1280 gegründet. Unter den Daten, die für den Bücherbesitz der Gemeinschaft von Belang sind, ist zunächst 1660 als Gründungsjahr der Schule zu nennen. Eine schwerwiegende Zäsur brachte das Jahr 1689. Der Zerstörung der Stadt durch französische Truppen fielen auch die Klostergebäude zum Opfer. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Kloster aufgehoben. Ein Teil des Bibliotheksbestandes blieb neben Büchern aus dem ehemaligen Kapuzinerkonvent Offenburgs dem säkularisierten Gymnasium überlassen, ausgewählte Bände mußten an die damals Großherzogliche Hofbibliothek in Karlsruhe abgegeben werden.
Im Zusammenhang mit der Versteigerung von Kulturgütern aus dem Hause Baden im Herbst 1995 wurden dem Generallandesarchiv auch 344 Briefe des Erbgroßherzogs an seine Eltern und 17 Briefe an seinen Bruder Ludwig dediziert, Quellen, die seit ca. 100 Jahren niemand zu Gesicht bekommen hat, die aber der Beachtung würdig sind. Historische Sensationen sind dabei freilich nicht zu erwarten; die Briefe können jedoch das Charakterbild dieses letzten badischen Großherzogs konturieren und Material für eine spätere Biographie sein, denn die Literatur über Friedrich II. ist schmal. Wichtig ist vor allem die Quellensammlung von Walter Peter Fuchs, zudem seine "Studien zu Großherzog Friedrich I. von Baden" mit dem Kapitel "Großherzog Friedrich und seine Söhne".
So groß war das Karlsruher Chaos bei Kriegsende, daß sich die "Stunde Null" noch nicht einmal genau bestimmen lässt. Ginge es nach dem Rückgrat jeder guten Verwaltung, dem Geschäftsjournal, dann wäre zwischen den letzten Berichten, die das Generallandesarchiv bis zum 24. März 1945 noch an das geflüchtete Kultusministerium nach Meersburg schickte, und dem nächsten Posteingang am 28. Juni - darunter ein Fragebogen der Militärregierung, sehr passend - die Zeit stillgestanden. Aber die Zeit richtete sich nicht nach Büroregeln. In der schriftlosen Spanne zwischen Ende März und Ende Juni 1945 ging es im Archiv wie überall um Gewalt, persönliche Entscheidung, Unsicherheit und Tapferkeit, Verwüstung und Rettung. Es lohnt sich, diese Phase von Auflösung und Neubeginn zusammen mit den ersten Nachkriegsjahren genauer zu rekonstruieren. Die persönlichen Erfahrungen prägten die Beteiligten, die Entscheidungen, die jetzt fielen, wirkten sich noch Jahrzehnte später aus. Umgekehrt waren Themen der baden-württembergischen Archivverwaltung, die erst seit den 1970er Jahren aktuell wurden, oft schon in der Nachkriegszeit formuliert und diskutiert worden.
Bild und Kontext
(2007)
Das Tennenbacher Güterbuch zählt zu den zisterziensischen Gesamturbaren des 14. Jahrhunderts. Begonnen schon vor 1320 von dem Tennenbacher Mönch Johannes Zenlin aus Freiburg, ließ dieser – inzwischen Cellerar und seit 1336 Abt seines Klosters – die Pergamentlagen und Einzelblätter im Jahr 1341 zusammenbinden. Dem fertigen Werk setzte er ein Gebet an die Dreifaltigkeit und die Heiligen Benedikt und Bernhard voran, desgleichen einen wohl schon früher konzipierten Prolog, der die Grundsätze der Güterbeschreibung nennt. Zwei mit Blattgold kostbar geschmückte Initialen eröffnen die beiden Texte; auf der ersten Seite des Bandes untereinander gestellt, bilden sie eine ikonologische Einheit. Ihrem Bildprogramm gelten unsere Überlegungen.
Die Geschichte einer Bibliothek spiegelt immer - wenn auch in unterschiedlichem Maße - die Geschichte der Institution, der sie angehört. Klösterliche Bibliotheksgeschichte repräsentiert daher stets auch Klostergeschichte schlechthin. Dennoch: so einleuchtend, ja beinahe trivial diese Feststellung erscheinen mag, so sehr bedarf sie der Einschränkungen. Vielfach ist von mittelalterlichen Beständen - gerade etwa bei oberrheinischen Klosterbibliotheken - so gut wie nichts auf uns gekommen. Reformation und Bauernkrieg, später dann der Dreißigjährige Krieg, der Holländische und der Pfälzische Krieg und selbst noch der Spanische Erbfolgekrieg im frühen 18. Jahrhundert wirkten hier als einschneidende Zäsuren, die uns von den Bibliotheken des Mittelalters vielfach fast radikal abgeschnitten haben. Zwar ist dieser Sachverhalt nicht immer so kraß wie beispielsweise im Fall von St. Peter im Schwarzwald, doch wiederholt er sich derart oft, daß man geradezu versucht sein könnte, von einem Topos zu sprechen. Nun läßt sich durch gezielte Einzelforschung oder dank zufälliger Funde dieses düstere Bild in manchen Fällen zwar etwas aufhellen, doch handelt es sich dabei meist um verstreute und vereinzelte Reste, die sich etwa in anderen Klosterbibliotheken erhalten haben - Lichtenthal bietet hierfür mehrfach Beispiele -, aber kaum je um geschlossene Bestände, die für die betreffende Bibliothek als ganze repräsentativ sein könnten. Die skizzierte Situation ist also leider mehr als nur ein bibliotheksgeschichtliches Klischee, sondern entspricht, nicht zuletzt in unserem Raum, der historischen Wirklichkeit.
Der 1982 begonnene und mittlerweile nahezu vollständig abgeschlossene Verkauf der Bestände der Fürstlich-Fürstenbergischen Hofbibliothek durch das Donaueschinger Fürstenhaus hat eine nicht mehr zu schließende Lücke in der kulturellen Überlieferung des deutschen Südwestens hinterlassen; denn der Verkauf der Sammlungen zerstreute nicht nur eine einzige, unerhört reiche, alte Adelsbibliothek, sondern auch eine Reihe bedeutender Einzelprovenienzen, die im Laufe der Jahrhunderte unter dem Dach der Donaueschinger Hofbibliothek vereint worden waren.
Die Archive bergen in ihrem Schriftenbestande den wichtigsten Quellenstoff für die Geschichtsforschung, sie spiegeln aber auch an sich den Gang der politischen Geschichte wider. Das zeigt sich recht eindringlich an dem Gegenstande, über den ich hier kurz berichten möchte, einerseits, weil er für die Geschichte des Archivwesens an sich bemerkenswert und andererseits für die geschichtliche Erforschung des gesamten Oberrheingebietes und des angrenzenden Schwaben von Bedeutung ist.
Über die Bibliothek des alten St. Stephanklosters in Straßburg wissen wir herzlich wenig. Charles Schmidt und A. M. Ingold haben in ihren Forschungen über die älteren elsässischen Bibliotheken St. Stephan überhaupt nicht erwähnt. Erst bei Joseph Gaß, der mit etwas ausgiebigerer Quellenkenntnis ein ähnliches Thema behandelt hat wie Charles Schmidt, werden wir mit einem Bücherverzeichnis bekannt gemacht, das dem 14. Jahrhundert entstammt und im Straßburger Landesarchiv (H 2624) erhalten ist.
Weißenburger Studien
(1941)
Das elsässische Herzogtum der Etichonen tritt uns während des 7. und 8. Jahrhunderts am deutlichsten in seinen Klostergründungen entgegen. Die Besitzungen der Hausklöster stecken, aufs Ganze gesehen, annähernd den Lebensraum und die Herrschafts- und Interessensphäre des Etichonengeschlechts ab; Hohenburg mit Niedermünster, Ebersheimmünster, St. Stephan in Straßburg, Honau auf einer Rheininsel und Murbach sowie das im Dollertal gelegene Massmünster gehören in die Reihe der Gründungen des Herzogshauses. Zu dem an der Lauter gelegenen Kloster Weißenburg besaß die Familie der Etichonen keine besonderen Beziehungen. Zu dem an der Lauter gelegenen Kloster Weißenburg besaß die Familie der Etichonen keine besonderen Beziehungen. Wie jüngst in der aufschlußreichen Arbeit von Glöckner über den Ursprung des Klosters Weißenburg nachgewiesen wurde, gehen die ältesten Beziehungen Weißenburgs, das selbst noch im Speyergau lag, nach dem Raum des Saar- und Seillegaues.
Im Beitrag zur Festschrift für den befreundeten Kollegen Franz Hundsnurscher, die nach dem Willen der Herausgeber Quellentexte bzw. Literaturfunde
mit heiterem oder ironischem Hintergrund behandeln sollte, konnte ich auf einen Schriftwechsel zwischen kurpfälzischen und württembergischen Spitzenbeamten aus dem Jahr 1583 eingehen, der die erwähnte Prämisse zu erfüllen vermochte. Es ging dabei um die württembergischerseits gerügte, von der Kurpfalz aber verteidigte Weglassung des Wortes "untertänig" in einem pfälzischen Schreiben von "Großhofmeister, Cantzler und anderen Räthen" an den Herzog von Württemberg, zumindest vordergründig eine eher amüsante Angelegenheit, zudem geeignet, die damals allgemein herrschenden Empfindlichkeiten in Rang- und Stilfragen in Erinnerung zu rufen. Die Inhalts- und Umfangsvorgaben für den erwähnten Beitrag erlaubten allerdings lediglich, die beiden Schreiben zu charakterisieren und im Wortlaut zu publizieren, während auf die weiteren einschlägigen Quellen nur kurz verwiesen werden konnte. Mit Einbeziehung dieser Unterlagen lassen sich nun aber Ablauf wie sachliche Zusammenhänge genauer erfassen, unsichere Zuschreibungen verifizieren und vor allem Schwachstellen der württembergischen Dokumentation aufdecken, mit der das
angeblich weit zurückreichende "alte Herkommen" belegt werden sollte. Wäre dies Grund genug gewesen, das Thema erneut aufzugreifen, so rechtfertigt sich dies um so mehr, als es sich hier um einen Beitrag zu Ehren des hochgeschätzten Kollegen Meinrad Schaab handelt, dem ausgewiesenen Kenner der in Frage stehenden Zeit wie der südwestdeutschen Territorialgeschichte insgesamt, zumal der Pfalz, wie seine Bibliographie ausweist.