Erzbistum Freiburg
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Not lehrt Umdenken
(2009)
Im Rückblick auf die Geschichte der Ökumenischen Bewegung, der sich die katholische Kirche erst mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil richtig angeschlossen hat, wird vielfach darauf hingewiesen, die beiden christlichen Konfessionen hätten sich während des Dritten Reiches in der gemeinsamen Abwehr gegen den Nationalsozialismus und in der Not der unmittelbaren Nachkriegszeit einander deutlich angenähert. Auf der Ebene der Kirchenleitungen gestaltete sich diese Annäherung in Baden freilich insgesamt verhalten und mitunter sehr zäh. Unterschieden werden sollen (kultur-)politische Fragen, Möglichkeiten zu pragmatischer Kooperation und Verständigungsprobleme auf (pastoral-)theologischer Ebene. Es wird sich zeigen, dass kontroverstheologische Standpunkte im Zweifel einen Vorrang eingenommen und die Annäherung erschwert haben. Wenn deshalb von einer echt ökumenischen Gesinnung noch kaum gesprochen werden kann, so erwiesen sich Kriegs- und Nachkriegszeit doch als "Lehrjahre" der Ökumene, in denen eine insgesamt tragfähige Grundlage für weitergehende Schritte zur Kooperation und Verständigung entstehen konnte.
Mit dem im Jahr 2020 veröffentlichten Band 139 startet das "Freiburger Diözesan-Archiv" ein großes, auf mehrere Jahre angelegtes Projekt. 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden, beginnend mit den fünf alphabetisch Ersten der damaligen Dekanate des Erzbistums Freiburg, die "Kriegsberichte" veröffentlicht. Bisweilen schon ein paar Tage, oftmals wenige Wochen, teils aber auch erst anderthalb oder gar zwei Jahre nach dem jeweiligen Ende der Kriegshandlungen und dem Einmarsch der Alliierten verfasst, schildern sie die wichtigsten Ereignisse der letzten Kriegs- und ersten Nachkriegszeit aus der Perspektive des örtlichen römisch-katholischen Seelsorgers. Abgeschlossen sein soll das Projekt spätestens im Jahr 2027, rechtzeitig zum 200-jährigen Bestehen des Erzbistums. Außer der herkömmlichen Druckfassung soll, ebenfalls spätestens bis zum Bistumsjubiläum, eine mittels der Möglichkeiten der digitalen Welt durch unterschiedlichste "Zutaten" angereicherte digitale Version vorliegen, deren Gestalt allerdings erst noch konzipiert und allmählich weiterentwickelt werden muss.
Christentum und Musik, oder, allgemeiner noch, Religion und Musik, sind schon von jeher eng miteinander verbunden, und vieles deutet darauf hin, daß jede Musik sich aus religiöser, sakraler Musik entwickelte. Im Christentum, das auch und gerade in seinem Kult viele Elemente aus der jüdischen Religion übernahm, gehörte folglich zum feierlichen Gottesdienst stets auch Musik: "Genau genommen war die Beziehung der Musik zum Gottesdienst der Kirche von Anfang zugleich unbestritten, d. h. Christen haben im Gottesdienst immer gesungen und musiziert, und doch auch umstritten, d. h. dem Singen und Musizieren im Gottesdienst begegnete 'die Kirche' mit kritischer Aufmerksamkeit und nicht selten mit Argwohn." Ähnlich wie Philipp Harnoncourt, allerdings ohne seine durch die liturgische Neubesinnung infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils bedingte vorsichtige Distanzierung, drückte sich Mitte des vergangenen Jahrhunderts der Freiburger Dogmatiker Franz Anton Staudenmaier aus: "Auch mag es jetzt nicht mehr unbekannt sein, welchen Dienst die Musik jener Religion leisten könne und werde, welche an sich schon durch die Versöhnung der Welt mit Gott die höchste Harmonie, die es geben kann, in ihren heiligsten Handlungen feiert. Aber gleich sehr mag es endlich begriffen werden, daß die Musik erst im Christentum ihren höchsten Gipfel, wie ihren allein wahren Zweck erreichen könne. Ist doch das Christentum selbst die heiligste Musik, die reinste und herrlichste Harmonie, die es geben kann. Das Eine Thema dieser Religion ist die Erlösung, und die innere Harmonie dieses Einen Thema (sie!) wiederholt sich in unendlich vielen Variationen, die alle durch den großen und tiefen Geist des Christenthums verbunden sind. Kam der Heiland der Welt nicht selbst unter dem Chorgesang der Engel zu uns? und hat nicht so recht eigentlich unsere Religion einen musikalischen Anfang? Hat nicht
unser göttlicher Meister selbst, und haben nicht seine Jünger und die ersten Gläubigen heilige Psalmen und Hymnen gesungen?"
Die katholische Kirche mit ihren Gläubigen war die Institution in Meßkirch, die den Nationalsozialisten während ihrer 12-jährigen Herrschaft wohl die meisten Unannehmlichkeiten bereitete. Zu Beginn war es vor allem der Redakteur Albert Zimmermann von der katholischen Zentrumszeitung „Heuberger Volksblatt“, welcher schon lange vor 1933 offen gegen die Nationalsozialisten Stellung bezog. Leider ist dieser mutige Mann bis heute in Meßkirch verkannt, wie die Straßennamendebatte um die Jahreswende 2013/14 beweist. Vorgeschlagen von der SPD-Fraktion und vom gesamten Meßkircher Gemeinderat bereits beschlossen, wurde eine Albert-Zimmermann-Straße wenige Wochen später vom gleichen Gremium revidiert. Nach zum Teil polemischen Leserbriefen, die nachweislich falsche Behauptungen enthielten, wurde die
Straßenbenennung von den beiden anderen Gemeinderatsparteien nun abgelehnt. Bemerkenswert daran sind zwei Dinge: Einmal, dass der Vorschlag zur Zimmermannstraße von der Meßkircher SPD kam, der Partei, die zu Zimmermanns Zeiten seine erklärte Gegnerin war. Zum anderen, dass die CDU, deren Wurzeln in der von Zimmermann vertretenen katholischen Zentrumspartei liegen und für deren Überzeugungen er sein Leben lang eintrat, den Vorschlag ablehnte.
„Schlimmer als die Franzosen 1945 in Baden werden es die Russen in Pommern nicht getrieben haben.“ Als Franz Hundsnurscher, von 1967 bis 1998 Leiter des Erzbischöflichen Archivs Freiburg (EAF), in den 1980er-Jahren beiläufig diese Vermutung äußerte, wird er an Akten in seinem Hause gedacht haben. Das harte Urteil sei relativiert. Die „Kriegsberichte“ halten auch fest, dass Franzosen, kaum dass sie eingerollt waren, Deutschen entgegengekommen sind. Um Bewohner zu schonen, hat sich in Nordweil (heute Ortsteil von Kenzingen) einer der Besetzer gar geopfert. Versehentlich hatte er eine Handgranate abgezogen und, statt sie gleich fortzuwerfen, nur laut gewarnt: „Attention! Attention!“ Niemand verstand ihn. Die Granate explodierte, zerriss dem Mann die Hände und verwundete ihn im Gesicht und an der Brust; er starb kurz darauf. Von den Umstehenden trugen zwei Kinder harmlose Schrammen davon. Der Pfarrer hat diesen Teil seines Berichtes abgeschlossen mit „Ehre seinem Andenken, R. i. P.“). Das eingangs gebrachte Wort kam mir in den Sinn, als ich 2017 im EAF an einer Quellensammlung arbeitete. In einem Gespräch mit Dr. Christoph Schmider, dem Leiter des EAF, ergab sich Folgendes: Die „Kriegsberichte“ werden seit Jahrzehnten genutzt; mangels Personal und Geld konnte man sie bislang nicht einem größeren Leserkreis zugänglich machen.
Die nachfolgenden Nekrologe der Jahre 2011 bis 2015 sind jahrgangsweise in alphabetischer Reihenfolge angelegt. Aufgenommen sind auch Priester, beispielsweise Ordensmänner oder Hochschullehrer, die, ohne der Erzdiözese anzugehören, hier gelebt und gewirkt haben. Zur besseren Erschließung dient das Namensregister am Schluss des Nekrologteils.
Die Stadt Neuenburg am Rhein besaß im 15. Jahrhundert, wiewohl sie nur eine Kleinstadt im südlichen Breisgau war, an ihrer Pfarrkirche, dem Liebfrauenmünster, eine eigene Klerikergemeinschaft. Die einzelnen Inhaber der 1493 schließlich 17 Altarpfründen vorzustellen und hinsichtlich ihrer Pflichterfüllung zu untersuchen, war möglich, weil die moderne Kommune Neuenburg am Rhein seit 1991 das Vorhaben tatkräftig unterstützt und materiell fördert, alle Urkunden, in denen die Stadt oder einzelne ihrer Einwohner zwischen 1185 und 1500 handeln oder erwähnt sind, in Regestenform der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die „Urkunden der Stadt Neuenburg am Rhein“, deren erster von 1185 bis 1350 reichender Band 2014 erschien, sind, weil sie sowohl Geistliche wie Weltliche, sowohl Kleriker wie Laien in Neuenburg oder mit Beziehung zu Neuenburg erfassen, auch für die Kirchengeschichte des Breisgaues aufschlussreich, worauf bereits hingewiesen werden konnte. Hinsichtlich der Neuenburger Kaplansgemeinschaft wird das Regestenwerk aber erst mit seinem dritten Band für die Jahre von 1414 bis 1462 und mit seinem vierten für die Jahre 1463 und 1500 aufschlussreich werden, denn diese werden die Masse der Zeugnisse enthalten, die der genannten Prosopografie der Kapläne zugrunde liegen.
Da ist zunächst das Stichwort LEVI. Es steht für „Lernen, Entwickeln, Vereinbaren, Inspirieren“ und ist eines der Leitworte, die die Entwicklung unserer Pastoral und unserer Diözese bestimmen. Wenn es gut geht, bedeutet das: Wir reflektieren unsere Prozesse, um sie zielorientiert zu gestalten und zu erneuern. Dazu gehört Vieles. Notwendig ist auf jeden Fall: einen gewissen Abstand zu dem zu gewinnen, was gerade geschieht, um uns in ein Verhältnis zu unseren Entwicklungen zu setzen. Dazu können die Beschäftigung mit der Geschichte, die Entwicklung des geschichtlichen Bewusstseins und die Erinnerungskultur einen wichtigen Beitrag leisten. Geschichte kann helfen, Verirrungen zu verhüten und Neues anzu- stoßen. Geschichte kann zu neuen Fragen und Antworten inspirieren.
Inhalt: 1. Ein generelles Problem: Abwesenheit und Mehrfachbepfründung?, S. 98. 2. Die Quellenlage, S. 101. 3. Die Gesamtzahl der Kapläne im 15. Jahrhundert, S. 105. 4. Das Ausmaß der eigentlich verbotenen Mehrfachbepfründung, S. 109. 5. Die Art der Mehrfachbepfründung und die Herkunft der Pfründner, S. 112. 6. Die möglichen Gründe und Folgen der Mehrfachbepfründung, S. 119. 7. Die aktenkundigen Streitfälle und Reaktionen, S. 129. 8. Die genehmigten Absenzen vor allem der studierenden Kapläne, S. 138. 9. Die Verfehlungen als Einzelfallprobleme, S. 148. Verzeichnis 1: Die Altaristen und Anwärter auf eine Pfründe an der Liebfrauenkirche in Neuenburg am Rhein während des 15. Jahrhunderts, S. 151. Verzeichnis 2: Die Pfründen der Liebfrauenkirche in Neuenburg am Rhein und ihre Inhaber im 15. Jahrhundert, S. 199. Verzeichnis 3: Die Neuenburger Pfarrherren und -anwärter (alphabetisch) im 14./15. Jahrhundert, S. 206. Verzeichnis 4: Die Neuenburger Pfarrherren und -anwärter (chronologisch) im 14./15. Jahrhundert, S. 215. Verzeichnis 5: Die Neuenburger Pfründen im 16. Jahrhundert und ihre Inhaber, S. 216. Verzeichnis 6: Die Neuenburger Pfarrherren des 16. Jahrhunderts, S. 223.