070 Publizistische Medien, Journalismus, Verlagswesen
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Ein Jahr wie jedes andere?
(1987)
"Ist die Jugend in unseren Tagen roher und unsittlicher, insbesondere zuchtloser und gegen Eltern und Lehrer unbotmäßiger, als in früheren?" Nach einer Meldung im Höhgauer Erzähler (HE) setzte der "Preisaufgabenverein badischer Volksschullehrer" im Oktober 1859 für die vier besten Arbeiten, die bis Ostern 1860 zu diesem Thema "einzuliefern" waren, Preise im Wert von vier, drei und zweimal zwei Dukaten aus. Sollte die Frage bejaht werden, heißt es erläuternd, "so sollen die Ursachen angegeben und ausgeführt werden, was zur Beseitigung des Übels im Allgemeinen und insbesondere von der Volksschule geschehen kann." Als gut redigierte, gelegentlich kritisch berichtende, oft unterhaltsam erzählende Zeitung verdient der HE schon deshalb Beachtung, weil die Presse als vielschichtige Quelle auch für das Leben auf dem Land bislang nur unzureichend erschlossen worden ist.
Zum 25-jährigen Jubiläum der »Freien Stimme« 1890 versuchte die Redaktion die Anfangszeit wieder ins Bewusstsein zu rufen: »Nach den Revolutionsjahren 1848/49 […] war der Liberalismus durch die Hülfe der Freimaurer-Logen wieder erstarkt und setzte seine alte Wühlerei gegen die katholische Kirche fort. […] Es begann eine wilde Hetze gegen die katholische Kirche in Baden, die sich bald über das ganze deutsche Vaterland verbreitete. Wehrlos standen die Katholiken diesem Ansturm gegenüber – wenige Männer stellten sich in den Kammern entgegen – ihre Stimme
verhallte im Toben der Angreifer! Die gesamte Presse des Landes war diesen zu Gebot, in erster Linie die Amtsverkündiger. Da ermannten sich die Katholiken und schufen zur Vertheidigung ihrer wohlbegründeten Rechte sich ebenfalls eine Presse und gründeten im Jahre 1860 den ›Badischen Beobachter‹ in Karlsruhe. Bald erkannte man, dass dieser gegenüber den vielen liberalen Blättern nicht genüge, und so entstanden mehrere katholische Blätter in den verschiedenen Landestheilen. Unter den ersten war unsere ›Freie Stimme‹, die nicht zum Angriff, sondern zur Vertheidigung ins Leben gerufen wurde.«
In einem Aufsatz "Zur Geschichte der Heidelberger Zeitung" (Mannheimer Geschichtsblätter 2, 1901, 36—38; dazu L. Ziegler, ebenda 66), den M. Huffschmid veröffentlicht hat, konnte der Verfasser kein Stück der von ihm nur urkundlich erwiesenen ältesten kurpfälzischen Zeitung namhaft machen. Diese Heidelberger Zeitung, die wir meinen, führte den Titel Heidelberger "Wochentliche Ordinari Postzeitung", der meist zu dem kürzeren Titel Heidelberger "Wochentliche Zeitung" zusammenschmolz. Die einzige Nummer, die ich nun kenne, hat den Titel "Extraordinari-Wochenzeitung" und ist als Sondernummer der Zeitung anzusehen. Erhaltene Stücke des Hauptblattes kenne ich sonst nicht; anscheinend alles, was uns von der alten Heidelberger Zeitung noch erhalten ist — und es ist das auch nicht gerade viel — entstammt dem Nachlaß des bekannten pfälzischen Sammlers und Forschers G. A. Batt in Weinheim (Sammelband der Universitätsbibliothek Heidelberg, cod. Heidelb. 364/179; Batt. 179).
Mit der Erlangung des Münzrechts für die Stadt Schaffhausen 1045 und der Gründung des Klosters Allerheiligen 1049 verlegte Eberhard der Selige das Machtzentrum seiner Familie vom Zürichgau an den Hochrhein und verlieh damit der bereits bestehenden, 1056 erstmals schriftlich fassbaren Nellenburg auf dem Nenzinger Berg bei Stockach ihre besondere Bedeutung. Weil zudem die Gemeinden des heutigen Kantons Schaffhausen Teil einer im Mittelalter entstandenen alemannischen »-ingen«- Landschaft sind und nicht nur geografisch, sondern meist längere Zeit auch herrschaftlich zum Hegau respektive zum Klettgau gehörten, finden sich heute noch zahlreiche grenzüberschreitend-verbindende kulturelle Elemente und Eigenheiten.
Am 30. Dezember 1802 brachte die Allgemeine Zeitung des Tübinger Verlegers Johann Friedrich Cotta einen Nachruf auf Friedrich Joseph Emerich, der sechs Wochen zuvor, am 17. November, im Juliusspital in Würzburg gestorben war, "an einer Entkräſtung, die er sich durch die hartnäckige Enthaltung von allen Lebensmitteln zugezogen hatte". Das Blatt enthüllte, daß dieser Mann der Einsender der meisten Miscellen vom linken Rheinufer und vieler Notizen aus Mainz war, die die AZ zwischen dem September 1801 und dem April 1802 gebracht hatte, und hoffte, daß seine Beiträge, "die sämtlich von der wärmsten Liebe für sein altes Vaterland zeugen, ... nun seinem Andenken zur Ehre gereichen werden". Sie sind es in der Tat wert, nochmals gelesen zu werden, ebenso die Artikel und Abhandlungen, die Emerich in den Jahren 1801 und 1802 an anderer Stelle veröffentlichte. Seinem publizistischen Einsatz für die Interessen der vier deutschen Departements der Republik Frankreich auf dem linken Rheinufer seien die folgenden Seiten gewidmet.
Das Land Baden-Württemberg begeht in diesem Jahr - 2002 - die 50jährige Wiederkehr seiner Gründung. Dieses Jubiläum bietet Anlaß zu Bilanzierungen aus politischer und wirtschaftlicher Sicht, zu Rückblicken und auch zu geschichtlicher Erinnerung. Da der ältere Mensch von heute diesen Zeitraum überblickt, vermag er eigenes Erleben mit diesem Rückblick zu verbinden. Doch in besonderem Maße ist der Historiker gefragt, dem es obliegt, die jüngste, gerade erst Geschichte gewordene Vergangenheit zu beschreiben und zu bewerten. Im "Handbuch der baden-württembergischen Geschichte" ist dies zusammenfassend geschehen, dessen 4. Band. das knappe Jahrhundert seit dem 1. Weltkrieg behandelnd, als Jubiläumsgabe vorgelegt werden kann. Damit konnte ein Werk geschaffen werden, in dem auf der Basis eines erst 50 Jahre alten Landes der Bundesrepublik Deutschland dessen gesamte Geschichte von der Vor- und Frühzeit bis in die Gegenwart dargestellt wird. Der Zeitraum, der in den Bänden 1 und 2 dieses Handbuchs überblickt wird, ist unermeßlich lang im Vergleich zu den 200 Jahren seit dem "Ende des Alten Reichs" oder gar zu
den 50 Jahren unseres Bundeslandes. Die historischen Räume, die es umgreift, hatten Grenzen, die heute allenfalls noch in Spuren erkennbar sind, und ihre Formen der Staatlichkeit führen in uns fremd gewordene Lebenswelten. Sie zu erforschen ist Sache des Historikers, der hinter ihnen unsere heutige Gegenwart aufscheinen sieht, auf die Geschichte hinführt.
Der Landkreis Rastatt freut sich über einen besonders seltenen Erwerb. Nachdem der Kulturausschuss des Kreistages den Weg für den Ankauf der
Zeitung »Murgtäler Bote« frei gemacht hatte, wurden über 100 gewichtige Zeitungsbände dem Kreisarchiv im Rossi-Haus übergeben. Dort werden sie nun archivgerecht untergebracht. Sichergestellt werden soll damit neben dem weiteren Erhalt der Unikate auch die Nutzung für geschichtsinteressierte Bürger. Vorerst können die wertvollen Bände im Original eingesehen werden.
200 Jahre Badisches Tagblatt
(2004)
Nach mehreren vergeblichen Anläufen klappt es: Der Rastatter Hofbuchdrucker Johann Jakob Sprinzing erhält vom kurfürstlichen Hof in Karlsruhe die Genehmigung, in Rastatt eine Zeitung herauszugeben. Am 28. Juli 1803 erscheint mit "Kurfürstl. Bad. gnädigsten Privilegio" die erste Ausgabe des Rastatter Wochenblatts. Was damals auf acht Seiten im Oktavformat (ungefähr DIN A6) jeden Donnerstag erscheint, führt über das Rastatter Tageblatt (ab 1896) in direkter Linie zur mittelbadischen Heimatzeitung Badisches Tagblatt. Mit seiner über zweihundertjährigen Geschichte gehört das Badische Tagblatt zu den ältesten Zeitungen in Deutschland.
50 Jahre wird die Heimatbuchreihe des Landkreises Rastatt nun alt oder jung, so beschreibt es Landrat Jürgen Bäuerle in dem Editorial dieses Bandes. "Alt", weil diese schon fast ein Menschenleben umfassende Zeitspanne doch außergewöhnlich lang ist. "Jung", weil das Heimatbuch immer wieder sein Erscheinungsbild gewandelt und sein inhaltliches Konzept geändert hat. War das Heimatbuch zu Beginn seiner Existenz ein Band, der sich umfänglich
mit der Geschichte unseres mittelbadischen Raumes beschäftigt hat, so hat sich dies über die fünf Jahrzehnte seiner Existenz hinweg bis heute gewaltig geändert. Das Heimatbuch berichtet über Kunst und Kultur, über die Erlebniswelt von jungen Menschen und Schülern und lässt sie auch als Autoren der Heimatbuchreihe selbst zu Wort kommen. Daneben gibt es neben grundsätzlichen von kompetenten Fachleuten verfassten historischen Beiträgen auch kritische und fachgerechte Aufsätze zu unserer Natur und Umwelt. Das Heimatbuch ist so vielfältig wie der Landkreis Rastatt und seine Menschen.
Die Nachrichten über die Abdankung des Kaisers, die Revolution in Berlin sowie den Sturz weiterer Monarchen im Reich wirkten als Katalysator für revolutionäre Handlungen innerhalb Württembergs und Badens. Beide Monarchen, König Wilhelm II. von Württemberg und Großherzog Friedrich II. von Baden, waren nach revolutionären Aufständen und putschartigen Angriffen von ihren Residenzen vertrieben worden und hatten sich auf ihre im Umland liegenden Schlösser zurückgezogen. Mit der Flucht übergaben die Fürsten kampflos ihre Herrschergewalt an die neuen politischen Funktionäre. Die reibungslose Machtübergabe von einer konstitutionellen Monarchie zu einer demokratischen Republik wurde begleitet von den offiziellen Abdankungserklärungen König Wilhelms II. und Großherzog Friedrichs II. Die neuen provisorischen Regierungen drängten die alten Machthaber zu einer öffentlichen Thronentsagung, um ihre eigene Position zu stärken und das Entstehen eines Machtvakuums zu vermeiden. Mit ihrer Abdankung ermöglichten die Monarchen den neuen verfassunggebenden Landesversammlungen völlige Entscheidungsgewalt und gaben mit dem Rückzug aus dem Staatsleben den Weg für die Volkssouveränität frei.