Gymnasien
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Streit um die "Rheinschiene"
(2008)
"Der Französischunterricht schafft die Ausgangsbasis für ein noch intensiveres und langfristig erfolgreiches kulturelles und wirtschaftliches Zusammenleben über den Rhein hinweg." Mit dieser Feststellung verteidigte der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau am 25. April 2007 vor dem Landtag den Beschluss der Landesregierung, mit Beginn des Schuljahres 2007/2008 an den badischen Gymnasien entlang der sogenannten "Rheinschiene" Französisch zur ersten Pflichtfremdsprache zu machen. Im Anschluss an die Aussprache lehnte der Landtag von Baden-Württemberg einen Antrag der Grünen ab, die Gymnasien des Landes künftig selbst darüber entscheiden zu lassen, welche Fremdsprache den Schülern zuerst unterrichtet werden solle und bestätigte damit den bislang eingeschlagenen Kurs. Wenige Wochen später, am 23. Juli 2007, wurde die Einführung des verpflichtenden Französischunterrichts vom baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof in Mannheim außer Kraft gesetzt, da die von der Landesregierung beabsichtigte Regelung in die Grundrechte der Eltern und Schüler eingreife. Das Kultusministerium ließ daraufhin erklären, dass das Projekt nicht mehr weiter verfolgt werde, weil es offenbar für die Durchsetzung des Französischunterrichts als erster Pflichtfremdsprache an den Gymnasien in dem betroffenen Gebiet keine gesellschaftliche Akzeptanz gebe. Tatsächlich waren es letztlich die Proteste der Eltern, welche die ambitionierten Pläne der Landesregierung zum Scheitern brachten. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass die Frage nach der Stellung des Französischunterrichts an den Schulen in Baden-Württemberg schon seit der Gründung des Südweststaats umstritten war und diese schulpolitische Diskussion seither immer wieder von den Reaktionen der Eltern maßgeblich beeinflusst wurde.
Die erste badische Verfassung von 1819 gewährte den Bürgern neue bisher unbekannte politische Freiheiten. Sie durften Volksvertreter wählen und sich zu Abgeordneten wählen lassen. Das Wahlrecht war allerdings auf Angehörige der christlichen Konfession beschränkt. Diese Bestimmung versagte einer zahlenmäßig recht kleinen Bevölkerungsgruppe (Juden, Mennoniten u. ä.) die Beteiligung am politischen Leben und wurde bereits 1849 aufgehoben. Die Verfassung verweigerte aber auch einem weitaus größeren Teil der Bevölkerung diese Rechte: den Frauen. Dies war aber 1819 noch so selbstverständlich, daß die Väter der Verfassung gar keinen entsprechenden Paragraphen für nötig hielten. Erst die badische Verfassung von 1919 gab den Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Der Kampf der Frauen für die gesellschaftliche und politische Gleichberechtigung zieht sich daher wie ein roter Faden durch das ganze Jahrhundert. Dabei nahm der Kampf um die gleiche Schulbildung und damit für gleiche Berufschancen eine herausragende Stellung ein. Zwar hatte es schon im 18. Jahrhundert einige Promotionen von Frauen an deutschen Universitäten gegeben, doch waren dies seltene Ausnahmefälle. Die entsprechenden Frauen hatten ihre Kenntnisse durch Privatunterricht oder Selbststudium erworben. Sie hatten weder eine höhere Schule besucht, noch waren sie an einer Universität immatrikuliert gewesen. Erst im Jahr 1845 wurde in den USA die erste Frau in ein College aufgenommen und in den nächsten Jahren gewährten auch europäische Staaten Frauen den Zutritt zur Universität, so Frankreich 1863, England 1865, Schweden 1870, Rußland 1872 (nur für das Medizinstudium) und Italien 1876. In der Schweiz waren seit 1840 vereinzelte Hörerinnen zugelassen, 1867 wurde dort eine russische Medizinstudentin promoviert.
Langsam schiebt sich eine schwarze Kreuzotter durchs Heidekraut. Eine Waldeidechse sonnt sich wenige Zentimeter vor ihr auf einem Stück moderndem Holz. Ob sie die Kreuzotter bemerkt hat oder ob es ihr in der Sonne zu heiß wurde, blitzschnell verschwindet die Waldeidechse im Geflecht eines Grasbüschels. Für die Kreuzotter ist das vermutlich nicht schlimm. Denn sie ist ein Hungerkünstler. Von Oktober bis Mai nimmt sie keine Nahrung zu sich. Und im übrigen Jahr etwa 10 bis 15 Mäuse oder Waldeidechsen. Und das reicht, denn sie ist eine lebende Solaranlage. Ein großer Teil der Energie bezieht sie von der Sonne. Auf den Schwarzwaldhöhen sind etwa die Hälfte der Kreuzottern schwarz. Sie machen sich an ihrem Sonnenplatz ganz platt und haben dann innerhalb weniger Minuten die notwendige Temperatur, um bei Gefahren blitzschnell in einem Loch zu verschwinden. Die braun oder grau gefärbten Kreuzottern brauchen ein längeres Sonnenbad, aber dafür sind sie besser getarnt. Auch die Waldeidechse überrascht mit ihren Fähigkeiten. Sie kann, wird sie von einer Kreuzotter verfolgt, in einer Moorwasserpfütze unters Laub kriechen und dort bis zu 18 Minuten verharren. Beide Reptilienarten gehören damit zu den interessantesten Tieren unserer Heimat.
Es ist ein stolzes Jubiläum, welches das Ludwig-Wilhelm-Gymnasium (LWG) Rastatt im Jahr 2015 begeht und das sich auch landesweit sehen lassen kann: 1715 schloss die damalige Markgräfin Augusta Sibylla eine "Fundationsvereinbarung" mit der Führung des Mönchsordens der Piaristen in Rom ab. Diese war die Basis und das Geburtsjahr für das heutige LWG mit zirka 90 Unterrichtenden und 1050 Schülern im Jahr 2015. Die Witwe des Türkenlouis begründete mit zwölf Piaristenmönchen, die sich als Hauptziel die Ausbildung und Erziehung junger und armer Menschen gewidmet hatten, die Bildungseinrichtung. Die bauliche Grundlage wurde dort gelegt, wo sich heute immer noch das Hauptgebäude des LWG‘s befindet.
Einem physikalischen Experiment auf dem Marktplatz in Magdeburg im Jahr 1654 gilt eine der am häufigsten gestellten Anfragen, die von Internetnutzern in China, die etwas über Deutschland erfahren wollen, in die chinesische Suchmaschine "Baidu" eingegeben werden. Das haben laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vom 28. Dezember 2014 zwei Forscher am Berliner Mercator Institut herausgefunden. Als Grund wird in dem Zeitungsartikel der Versuch mit den Magdeburger Halbkugeln vermutet, mit dem Otto von Guericke um die Mitte des 17. Jahrhunderts die Existenz des Luftdrucks demonstrierte und das Prinzip der Vakuumpumpe erfand. Auch in der folgenden Geschichte, die sich über 350 Jahre später ereignet hat und von zwei Schulen in China und Deutschland erzählt, spielt Physik eine entscheidende Rolle. In der 6. Kalenderwoche des Jahres 2015 wurden vor dem Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Durmersheim als Zeichen eines besonderen Ereignisses
drei Fahnen aufgezogen, von denen eine exotisch hervorstach. Es war die Fahne der Volksrepublik China, die in kommunistischem Rot mit gelben Sternen neben den deutschen Nationalfarben und der Europa-Flagge wehte. Anlass dafür war der erste Besuch von Schülern aus Shanghai.
Gegen Ende des Monats Juni entdeckt man an der Heckscheibe mancher Autos mehr oder weniger spektakulär die drei Buchstaben "Abi" und dahinter eine Jahreszahl. Ich erinnere mich an mein Abitur, ich müsste schreiben: "Abi 1961". 50 Jahre ist es nun her — erstmals Abitur an einer Ladenburger
Schule — 50 Jahre Gymnasium.
Die nachstehenden Dokumente sind den Schulakten des Carl-Benz-Gymnasiums entnommen und berichten von tragikomischen Ereignissen an
dessen Vorgängerschule, der Großherzoglichen Realschule Ladenburg. Sie werfen ein interessantes Licht auf Gesellschaft und Moral im wilhelminischen Deutschland. Der gestrenge Leiter der erwähnten Anstalt, Herr Professor Wilhelm Metzger (1856-1930), fiel aus allen Wolken, als er eines schönen Tages folgenden Brief erhielt, der etwas gekürzt, aber in originaler Rechtschreibung, wiedergeben wird.
Schwieriger Aufbau
(2012)
Der Neubeginn im Erziehungs- und Bildungswesen war für die Besatzungsmächte nach 1945 eine Angelegenheit von besonderer Bedeutung: In der Umgestaltung der Schule wurde der Grundstein zur Umerziehung des ganzen deutschen Volkes gesehen. Die Deutschen selbst nahmen am Schulwesen Anteil wie zu wenigen Zeiten – trotz der Not der Nachkriegsjahre. Die Schulspeisung endete erst nach der Währungsreform 1948. Das
Fehlen von Schulräumen und Turnhallen sowie der Schichtunterricht gehörten noch weit länger zum Alltag der Schüler. Erst Mitte der 1960er
Jahre standen auch für das Bildungswesen reichlich Mittel zur Verfügung. Im Zuge neuer gesellschaftlicher Erwartungen führte das zu vielfältigen,
folgereichen Maßnahmen. Was trotz aller Schwierigkeiten im Schulwesen des Südwestens in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten geleistet wurde
und welche Personen zu dieser Leistung wesentlich beitrugen, schildert Kurt Ludwig Joos auch anhand bisher nicht bekannter Quellen. Zahlreiche
Zeitzeugen konnten von ihm noch befragt werden. Einen Schwerpunkt seiner Darstellung bildet zunächst die Tätigkeit Raymond Schmittleins, der
von August 1945 an die Verantwortung für die Bildungs- und Kulturpolitik in der französischen Zone trug. Als 1952 der neue Südweststaat geschaffen war, mussten verschiedene Bildungstraditionen zusammengeführt werden. Vor dem Hintergrund der deutschen Nachkriegsgeschichte behandelt der Autor das in Art und Zielen unterschiedliche Wirken der baden-württembergischen Kultusminister von Gotthilf Schenkel bis Wilhelm Hahn.
Neuanfang oder Kontinuität?
(2022)
"Wenn das Gymnasium Heidelberg seiner Tradition entsprechend wieder zu einer erstklassigen Schule werden soll, so ist das nicht mit jungen, […] noch nicht erprobten Lehrkräften zu erreichen, sondern nur mit erfahrenen und tüchtigen Lehrern. Gerade [an solchen] fehlt es uns sehr." Mit diesen Worten drückte Joseph Schneble, der im Juli 1945 von Kollegen zum Direktor des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums Heidelberg (KFG) gewählt worden war, seinen Stolz auf die Tradition der Schule, aber auch seine Unzufriedenheit mit der Personalsituation im Jahr 1946 aus. Das Kollegium war stark dezimiert, viele Lehrer waren 1945 durch die amerikanische Besatzungsmacht entlassen worden und von gesetzlichen Berufsbeschränkungen betroffen. Insbesondere war vielen die Lehrtätigkeit an ihrer bisherigen Schule verboten. Ein Großteil des "erfahrenen und tüchtigen" Kollegiums aus den Jahren vor 1945 war zudem älter als 60 Jahre oder würde dies spätestens Ende der 1940er sein. Man könnte also annehmen, dass in der Nachkriegszeit eine neue Ära an Heidelbergs traditionsreichster Schule, dem KFG, anbrach. Hierfür sprechen auch die sonstigen Eingriffe in den Schulalltag.
Eine Schulgründung im Krieg
(2022)
"Er [Bürgermeister Max Genthe] betonte, daß man mit diesem Werk, das man heute weihe, einer idealen Lösung der Schulfrage möglichst nahe gekommen sei. […] Der Plan, in diesem Haus eine Oberschule zu errichten, datiert bereits seit 1934. […] Im Vorjahr wurden die Arbeiten wieder aufgenommen und der Krieg hat sie nicht verhindert, ein Beweis für die Stärke und Kraft des Volkes und den Kulturwillen unserer Stadt." Voller Stolz feierte der Heidelberger Bürgermeister Max Genthe am 16. September 1940 die Errichtung der "Robert-Bunsen-Schule" als selbstständiger "Oberschule für Jungen" im Gebäude der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt, dem heutigen PH-Altbau in der Neuenheimer Keplerstraße. Die versammelte Prominenz aus Kultusministerium, Partei und Stadt begrüßte er im Namen von Oberbürgermeister Carl Neinhaus, der vorübergehend als Reserveoffizier bei der Wehrmacht im besetzten Frankreich eingesetzt war. Seiner Ideologie nach stand das NS-System einer Ausweitung der "höheren Bildung" eher ablehnend gegenüber; umso erstaunlicher ist die Neugründung einer Oberschule – noch dazu zu Beginn des zweiten Kriegsjahres. Welche Faktoren begünstigten diese Entscheidung? Die überraschend schnellen militärischen Erfolge gegen Polen, in Skandinavien und gegen Frankreich wurden von der NS-Propaganda weidlich ausgenutzt und schufen in der Öffentlichkeit eine geradezu euphorische Stimmung. Man erwartete eine weitere politische und wirtschaftliche Stärkung Deutschlands. Wenn die Schülerzahlen und die Raumkapazität es zuließen, schien jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Verbesserung der Heidelberger Schulsituation gekommen.