Wissenschaftliches Bibliothekswesen
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Das diesjährige Schwerpunktthema des Jahrbuchs HEGAU »Adel und Herrschaft« erzeugt bei vielen Menschen eine Assoziation von Schlössern, Gärten und Prinzessinnen. Gleichzeitig kann bei diesen Schlagwörtern auch der Gedanke an Lehensherrschaft, Unterdrückung und Unfreiheit aufkommen. Oft ist der Adel, besonders in einer demokratischen Staatsform, negativ konnotiert. Der Adel war ein sozial und politisch privilegierter Stand, der sich so schon früh in den unterschiedlichsten Kulturen herausgebildet hatte. Somit wurde dieser Stand auch zu einer staatstragenden Schicht, welche zwar heute nicht mehr die Funktion wie im Mittelalter oder in der Frühen Neuzeit hat, sich aber noch immer in der Gesellschaft finden lässt. Der Adel war und ist auch heute noch sehr häufig eng mit der jeweiligen Region verbunden, in welcher er seine Herrschaft ausübt oder ausübte, unabhängig davon, ob die herrschaftliche Familie und ihre Zweige noch existieren oder nicht.
Die Badische Landesbibliothek Karlsruhe verwahrt in ihrer Handschriftenabteilung ein Korpus von Handschriften und Drucken, die deshalb Beachtung verdienen, weil sie vom literarischen Leben und der religiösen Prägung von Teilen der Bürger Stragburgs in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts beredtes Zeugnis geben. Die Jahre zwischen 1648 - Friede von Münster und Osnabrück - und 1681 - Besetzung Straßburgs durch Truppen Ludwigs XIV. - gelten als arm an literarischen Zeugnissen in Straßburg. Um so mehr überrascht, daß diese Schriften und Drucke, obgleich bibliographisch erfaßt, bisher kaum aufgearbeitet und beschrieben sind.
Mit dem nachfolgend wiederabgedruckten Aufsatz fasste Josef Rest, 1929–1953 Direktor der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., seine Forschungen über den heute in Freiburg befindlichen Pergamentdruck von Konrad Celtis’ Rhapsodia (Augsburg: Johann Otmar, 1505; VD16 C 1897) zusammen. Aufgrund seiner Gestaltung und Provenienz, die Rest in die Schatzgewölbe der Innsbrucker Hofburg zurückverfolgt, kann er plausibel machen, dass es sich bei dem Freiburger Druck um das Dedikationsexemplar des Dichters für Kaiser Maximilian I. handelt. Mit dieser Identifizierung lässt sich zugleich die von Friedrich Dörnhöffer aufgeworfene Frage nach der Existenz eines angeblich noch 1504 entstandenen Vorzugsexemplars der Rhapsodie, die spätere Beschreibungen nahezulegen schienen, eindeutig verneinen.
Vor vielen Jahren beobachtete ich eines Tages an einer winterlichen Futterstelle Vögel, die sich jetzt, zur kalten Jahreszeit, in großer Zahl dort einfanden, weil sie in freier Natur und in einer Landschaft, die gänzlich eingehüllt war in eine weiße Schneedecke, kaum noch Nahrung fanden. Nach geraumer Zeit erschien auch ein Trupp von Feldsperlingen. Wie oft hatte ich diesen Vogel schon zuvor gesehen, ohne ihm irgendwelche Beachtung zu schenken. Doch nun, da er so nahe vor mir saß, konnte ich ihn in aller Ruhe genauer betrachten; und plötzlich fiel mir auf, wie schön er mit seinem dunkel gestreiften, hellbraun gefärbten Rücken, dem weißen Hals- und Nackenband, den beiden charakteristischen dunklen Wangenflecken und dem tiefbraunen Scheitel doch war. Und ein Zweites wurde mir erst von diesem Augenblick an so richtig bewusst: dass wir nämlich auch sonst das Alltägliche um uns herum - mag es noch so schön und interessant sein - nur deswegen gerne übersehen, weil es so häufig ist und weil wir ihm tagtäglich begegnen.
Herzog Karl Eugen von Württemberg (1728–1793) berichtete in den Tagebüchern seiner Reisen von einem Besuch in südwestdeutschen Klöstern. Sein Weg führte ihn am 16. Februar 1785 auch in das Benediktinerkloster Weingarten, von dessen Bibliothek er zu sagen wusste: "[…] leztere ist sehr reich an alten und wohl aufbewahrten Manuscripten". Der Vergleich mit der am Folgetag in Augenschein genommenen Bibliothek der Zisterzienserabtei Salem fiel dann so aus: "[…] die zahlreichste der besehenen Clöstere, doch in Manuscripten nicht so reich alß die von Weingarten". Diese Einschätzung deckt sich in etwa mit derjenigen des hohenlohischen Hofrats Georg Wilhelm Zapf (1747–1810), der am 23. September 1781 nach Weingarten kam und seine Eindrücke zusammenfasste: "Die Bibliotheck weißt sehr ansehnliche Werke auf, und Werke von Wichtigkeit, und grosser Seltenheit. In den alten
Druckerdenkmalen ist sie sehr reich, aber mühsam sind sie zu finden, weil sie unter den andern versteckt sind […] Von Handschriften wird ein sehr grosser Schatz aufbewahrt. Die Anzahl derselben mag sich […] gegen 500 erstrecken, worunter sehr alte Kodices sind, und auch historische".
"Für die Geschichte des Klosters St. Georgen-Villingen liegt ein reiches gedrucktes und handschriftliches Material vor, dem wir jedoch verhältnissmässig wenig über die Geschichte der Bibliothek entnehmen können". Diese Einschätzung, zu der Emil Ettlinger in seiner bereits 1901 erschienenen Beilage zum Karlsruher Handschriftenkatalog über "Die ursprüngliche Herkunft der Handschriften, die aus Kloster-, Bischöflichen und Ritterschaftsbibliotheken nach Karlsruhe gelangt sind" kam, kann im Hinblick auf die wechselvolle Entwicklung des Klosters St. Georgen, auf die noch zurückzukommen sein wird, nicht sonderlich überraschen. Bei näherem Hinsehen zeigt sich allerdings, dass die Quellenlage für die Klosterbibliothek nicht durchweg gar so schlecht ist, wie Ettlinger sie sah. Sie wird jedoch überwiegend erst für die Neuzeit greifbar, Hinweise auf die Bibliothek der Abtei im Mittelalter sind in der Tat äußerst dürftig. So stammt der erste gesicherte Nachweis für die Existenz einer Bibliothek in St. Georgen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, aus einer Zeit also, zu der das Kloster bereits über 500 Jahre alt war. Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, die teils nur spärlich vorliegenden, teils aber auch durchaus reichen Informationen über die Entwicklung der Bibliothek der Benediktiner-Gemeinschaft St. Georgen zusammenzufassen und den heute noch erhaltenen Bestand zu charakterisieren
Bei einer Umfrage nach deutschen Texten der St. Ursula-Legende wurde ich von
Frau Dr. G. Koberg von der Leopold-Sophien-Bibliothek in Überlingen auf das
zweiseitige Fragment einer Legendarhandschrift aufmerksam gemacht. Bei näherem
Zusehen stellte sich heraus, daß Teile der Antonius- und Prisca-Legende (17 .
und 18. Januar) aus Hermanns von Fritzlar ,Heiligenleben' vorlagen. Allerdings ist
damit nun keine Drittüberlieferung des Werkes, das heute nur durch cpg 113 und
114 vollständig geboten wird, gegeben. Vielmehr gehören die beiden Überlinger
Blätter zur selben Handschrift, von welcher unter der Signatur Cod. Sal. 8 . 112
seit 1826 zwei Doppelblätter in der Universitätsbibliothek Heidelberg liegen;
WILFRIED WERNER hat die Bruchstücke 1969 bekanntgemacht. - Bedeutung
und Wert des jetzigen Fundes liegen darin, daß die Textbasis erweitert wird, daß
wir ferner eine etwas bessere Anschauung der Salemer Handschrift gewinnen.
In vier Teilprojekten konnten bis März 2021 mit Unterstützung der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg die Donaueschinger Musikhandschriften im Umfang von ca. 230 000 Images digitalisiert und somit für die Forschung zur Verfügung gestellt werden. Damit ist die Digitalisierung des Gesamtbestandes an Musikhandschriften aus der Provenienz Donaueschingen zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen. Der Beitrag gibt einen Überblick über den Bestand, den Projektverlauf und dessen Ergebnisse.
The German National Library and the state and regional libraries each collect, catalogue and archive a legal deposit copy of all media published within their respective territorial jurisdiction. In its National Recommendations for Actionthe Coordination Office for the Preservation of Written Cultural Heritage (KEK) recommends that the legal deposit libraries be tasked with safeguarding written matter printed since 1851 in accordance with their current responsibilities in the German states. Regardless of the deposit regulations that were in place historically, these libraries should assume a duty of preservation for printed matter published in the territory for which they are responsible today. Because in many cases multiple copies have survived the deposit copies must first be identified in the libraries’ catalogue systems and be designated as the archival copies to be preserved in all circumstances. These legal deposit copies should then be given priority for deacidification. The discussion about the permanent archiving or the discarding of printed literature has gained momentum in recent years, both internationally and in Germany. The main models discussed are those that aim for ‘systematic, rule- and data- based cooperation’ and follow the tradition of ‘cooperative or division of la-bour solutions’ in the German library system. A model of this kind was implemented at the Baden State Library in 2020–2021 as part of the bwLastCopies project in Baden-Württemberg which has created a reference for a cooperative preservation and mass deacidification strategy based on the regional legal deposit copy.
Die Badische Landesbibliothek hat Ende September 2024 ein von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg gefördertes Projekt zur vollständigen Digitalisierung, Handschriftenerkennung und Normdatenidentifizierung im Volltext des Nachlasses von Joseph von Laßberg (1770 bis 1855) abgeschlossen. Der Teilnachlass Joseph von Laßbergs befindet sich seit 1969 in der Badischen Landesbibliothek. Laßbergs Nachlass umfasste ursprünglich 141 Briefe von und 50 Briefe an Laßberg sowie Tagebuch-Notizen, Kalender, Verträge, Rechnungen, dazu Bücherverzeichnisse und
Subskriptionslisten, Leihscheine und Buchbinderaufträge aus Laßbergs Bibliothek, insbesondere aber auch Notizen, Exzerpte und zahlreiche Abschriften mittelalterlicher Texte aus ihm vorliegenden Codices, die sich in seinem Besitz befanden und heute teilweise verloren sind, so dass Laßbergs Abschriften in diesen Fällen die einzigen Überlieferungszeugen geworden sind. Der Nachlass wurde in der Vergangenheit durch
Einzelerwerbungen, insbesondere von Briefen, ergänzt. Zuletzt kamen 2011 vier eigenhändige Abschriften Laßbergs aus seinen mittelalterlichen Liederhandschriften hinzu sowie fünf Briefe an den damaligen Studenten Emil Braun aus dem Jahr 1831. Wichtige Neuzugänge, die das Interesse der Wissenschaft gerade erst wieder auf den LaßbergNachlass lenkten, waren 2023 zwei Briefe Jacob Grimms und ein Brief Wilhelm Grimms an Laßberg sowie ein Brief Laßbergs an Friedrich Heinrich von der Hagen, den ersten Übersetzer des Nibelungenliedes ins Neuhochdeutsche. Im Jahr 2024 konnte die Badische Landesbibliothek mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Wüstenrot Stiftung sowie mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst den Nachlass um weitere 30 Briefe ergänzen. Diese Neuerwerbungen konnten kurzfristig noch in das Projekt integriert werden. Der für das Projekt vorgesehene Bestand zeichnet sich also durch die typische Heterogenität von Nachlassmaterial aus, was für das Projekt an verschiedenen Stellen von Bedeutung war.