270 Geschichte des Christentums, Kirchengeschichte
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Mit diesem Buch möchte der Verein für Kirchengeschichte in der Evangelischen Landeskirche in Baden seinen Beitrag zum Jubiläumsjahr 1996 leisten. Die Evangelische Landeskirche in Baden feiert in diesem Jahr die 175. Wiederkehr ihrer Entstehung. Nicht eine Trennung oder Spaltung stand am Anfang, sondern eine wirkliche Vereinigung oder Union. Das war gewiß im Bereich des Protestantismus eine Ausnahme. Trotz ihrer gemeinsamen reformatorischen Wurzel hatten sich zwei Konfessionen oder Stämme, die lutherische und die reformierte Kirche, herausgebildet, die über Jahrhunderte in einem oft feindlichen Nebeneinander verharrten und endlich in der Union wieder ein gemeinsames Ganzes, eine Krone bildeten. So soll man den Stich aus dem Unionsjahr 1821 auf dem Buchumschlag deuten. Daß diese Vereinigung oder Union aber nun keineswegs bedeutete, daß damit alle Unterschiede und Spannungen ausblieben, das wird jeder Leser gerade dieses Buches mit Quellentexten zur Geschichte der badischen Kirche im 19. und 20. Jahrhundert sofort erkennen. Das vorliegende Buch möchte dazu beitragen, daß ein lebendiges und authentisches Bild unserer Kirche entsteht. Wir wollten daher dem Leser das Vergnügen, aber auch die Mühe nicht nehmen, sich aus den Quellen selbst ein Bild zu machen. In den ausgewählten Dokumenten und Schriften kommen jene selber zu Wort, die diese 175 Jahre mitgestaltet, miterlebt und miterlitten haben. Wer sich also einen ersten Überblick verschaffen möchte als Studierender der Theologie oder der Geschichte, als Freund oder Kritiker unserer Kirche, dem möge diese Sammlung nützlich sein.
Gespräche anläßlich der Vorbereitung einer badischen Ergänzung zu der Wanderausstellung "Evangelische Kirche zwischen Kreuz und Hakenkreuz" machten deutlich, wie unklare und verschwommene Vorstellungen über das Geschehen im Dritten Reich in unserer Landeskirche vorzufinden sind. Unter dem sicherlich nicht von vornherein verwerflichen Ziel, Emotionen zu wecken, mußte zunächst umfassend informiert werden, um gewissen Verzerrungen und Einseitigkeiten einen Riegel vorzuschieben, frei vom Verdacht irgendeiner Ideologie, damit sich nicht einiges im Nebulosen verlor. Es war daher von Anfang an verständlich, daß eine landeskirchliche Dokumentation als Ergänzung zu der großen Ausstellung nur einige in kurzer Zeit erarbeitete Schwerpunkte zu setzen vermochte, auch eine zunächst nur zu diesem Zweck in gedrängter Form geschriebene Hinführung zu leisten war. Es mußte bei der m. E. etwas zu früh angesetzten Ausstellung geradezu der Versuch gewagt werden, sich mit gewissen Schwerpunkten zu begnügen, in die sich dann die verschiedenen Geschehnisse und Probleme - teilweise auch in der Hauptausstellung schon angedeutet - einigermaßen einordnen lassen, wozu die die Ausstellung begleitenden Veranstaltungen und Vorträge dienen sollen. Da es bisher an einem, wenn auch noch so grobkernigen Gesamtüberblick über diese Epoche in unserer Landeskirche fehlt, weil "man" angeblich "etwas zu verbergen" habe, wozu aber nicht der geringste Anlaß besteht, zum andern aber die seit Jahren von mir vorbereitete mehrhändige Dokumentation noch nicht ganz abgeschlossen ist, bot ich trotz allerlei Bedenken seihst an, einen kurzen, auf einem eingehenden Quellenstudium beruhenden Aufriß zu geben, allerdings unter dem Gesichtswinkel der von mir nicht initiierten Ausstellung. Nach Auffassung des Gesprächskreises sollten die Quellen dabei selbst reden und der Verfasser sich seines
eigenen Urteils möglichst enthalten, zumal er selbst von 1936 bis 1974 aktiv im landeskirchlichen Archiv- und Bibliotheksdienst gestanden hatte.
In den Jahren 1938/1939 konnte der Verein für Kirchengeschichte in der evangelischen Landeskirche Badens das Pfarrerbuch von Heinrich Neu veröffentlichen, seit Stocker's Schematismus aus dem Jahr 1878 die erste Zusammenstellung der Gemeinden und des Pfarrstandes im Gebiet der badischen Landeskirche. Das verdienstvolle umfangreiche Werk zeigt gleichwohl Vorteile und Mängel einer Konzeption, die ganz auf Umfang und Gliederung der damaligen Landeskirche (Stand von 1936) abgestellt war. Für den Historiker und den Genealogen, ja auch für den lokalgeschichtlich Interessierten kommen Entwicklung und Bedeutung der früheren Territorien, ihrer Gemeinden und ihrer Pfarrerschaft gegenüber dem Gewicht der vereinigten Landeskirche im 19. und 20. Jahrhundert doch wohl zu kurz. Immerhin waren es fast drei Jahrhunderte evangelischer Verkündigung und ihrer Auswirkungen, die in verschiedener Weise die einzelnen Gebiete und ihre Bevölkerung prägten, ehe alle diese Ströme und Bäche in das gemeinsame Bett der Landeskirche einmündeten. So entstand - da der "Neu" ja lange vergriffen ist - die Frage, ob es genüge, eine verbesserte Neuauflage zu veranstalten, die nur die mehr zeitbedingten Fehler korrigieren und Mängel nach dem heutigen Forschungsstand ausfüllen könnte. Nach reiflicher Überlegung empfahl sich nach dem Vorbild der in Bayern erschienenen evangelischen Pfarrerbücher, bei der räumlichen Abgrenzung zunächst die bis ins erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bestehenden Territorialverhältnisse zu berücksichtigen. Die damals recht willkürlich festgelegten Ländergrenzen zwischen Baden, Bayern, Hessen und Württemberg haben Gebiete zertrennt, die zuvor jahrhundertelang größere oder kleine Einheiten gebildet hatten. Um diese historischen zusammenhänge deutlich zu machen, mußten bei der Neubearbeitung des Pfarrerbuchs vielfach die Grenzen der heutigen Landeskirchen überschritten werden. Vor allem für die Gebiete längs der Grenze zwischen den früheren Ländern Baden und Württemberg wurde deshalb eine Klärung und Absprache notwendig. Im Jahr 1959 kam zwischen den beiden Kirchengeschichts-Vereinen in der badischen und in der württembergischen Landeskirche eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Pfarrerforschung zustande. Für beide Landeskirchen wurde bei etwa gleicher Arbeitsweise je eine Reihe von territorial bestimmten Einzelbänden geplant, sowie ein gemeinsamer Band, der im wesentlichen die ehemals zusammengehörigen, bei der Länderabgrenzung aufgeteilten Gebiete enthalten sollte. Im einzelnen sind dabei nicht die Patronatsherrschaften maßgebend - die Patronatsverhältnisse waren oft sehr verwickelt -, sondern die Territorialherrschaften, die die Landeshoheit ausübten und zugleich die episkopalen Befugnisse innehatten.
Kirche in der Schule
(1980)
Die vorliegende Arbeit ist erwachsen aus der beruflichen Erfahrung, daß es nicht mehr genügt, aus dem Gedächtnis zu berichten, wie es um die Beziehungen zwischen Kirche und Schule während des Dritten Reiches stand. Multa sunt tradenda. Die Beiziehung des Landeskirchlichen Archivs sollte den Erinnerungshorizont erweitern und für die Situationen, Entscheidungen und Verläufe jener Zeit Unterlagen und Anschauungsstoffe liefern.
Sehr schnell entschied sich dabei, daß das Jahr 1933 keinen sachgerechten Zugang erlaubte. Die Verlustrechnung erforderte die vorausgehende Darstellung des Besitzstandes. So kam es zum thematischen Einsatz mit dem Jahre 1918. Dies war kein Nachteil. Die Jahre der Weimarer Republik bzw. des Freistaates Baden zeigen in eigenem Wert eine erstaunliche schulbezogene Entfaltung der badischen Landeskirche. Der Umfang des Aktenmaterials - rd. zweihundert Faszikel wurden ausgewertet - setzte zugleich die Schranken. Deshalb wurde auf die Beiziehung von weiteren Materialbereichen verzichtet, die einer anderen Auswertung harren, nämlich die Akten des Generallandesarchivs, die Ortsakten der Pfarreien und die örtlichen Schulakten. Aber das Ortliche kam doch insoweit zur Geltung, als es durch Dekanatsakten im Landeskirchlichen Archiv erfaßt war. Auch innerhalb der gesetzten Grenzen war Vollständigkeit dem Umfang nach nicht möglich; mancher Aspekt wurde nur berührt, besonders wenn die verfügbaren Unterlagen zufällige oder zusammenhanglose Inhalte anboten. Auch wurde nicht alles aktenkundig, was man sich gewünscht hätte. Von besonderem Interesse waren die Zeitschriften, auch die Sonntagsblätter verschiedenster Couleur, und die religionspädagogische Literatur, soweit sie im Lande entstanden waren. Das einleitende Kapitel wurde, den neuesten kirchengeschichtlichen Veröffentlichungen folgend, unmittelbar auf die politische Theologie bezogen, die dem völkischen Denken innerhalb der Kirche zuerst den Weg bahnte und dann die Kirche samt ihrem Unterricht in lebensgefährliche Krisen stürzte. Auf eine Darstellung der Parallelereignisse in den süddeutschen Nachbarkirchen und der norddeutschen Verhältnisse mußte verzichtet werden; gelegentlich jedoch sind erinnernswerte Details aus diesem weiteren Umfeld als Randnotizen zur Hitlerzeit beigesetzt. Im Anhang finden sich wichtige Texte in zusammenhängendem Wortlaut, dazu ferner die für das Verständnis erforderlichen Angaben zur Kirchenorganisation und einige Daten über die Persönlichkeiten der politischen und ideologischen Umwelt, soweit sie in der Abhandlung berührt wurden.
Das Stafforter Buch
(2025)
Im Jahr 1599 wurde in der Stafforter Schlossdruckerei das Stafforter Buch im Auftrag des damaligen Markgrafen Ernst Friedrich von Baden-Durlach
hergestellt. Das offensichtlich als Versöhnungsversuch zwischen Lutheranern und Calvinisten gedachte Buch führte zu erheblichen wissenschaftlich-theologisch geführten Disputen zwischen den beiden evangelischen Konfessionen. Der badische Markgraf, der in seinem zerstückelten Herrschaftsgebiet katholische (Vorderösterreich), lutherisch-evangelische (Württemberg) und reformiert-evangelische (Kurpfalz) Nachbarn hatte, versuchte offensichtlich einen liberalen, wissenschaftlich-theologischen Ausgleich zu schaffen, der auch den diplomatischen weltlichen Machtansprüchen den Nachbarn gegenüber akzeptabel sein sollte. Dieser erste Versuch einer Verständigung der Evangelischen Konfessionen in
Baden kann als gescheitert verstanden werden, da dieses Buch erhebliche kontroverse Diskussionen auslöste und durch den frühen Tod des Markgrafen keine dauerhafte Unterstützung erfuhr, sondern zunächst ad acta gelegt wurde. Es sollte noch 222 Jahre dauern, bis es 1821 zur Union der beiden evangelischen Konfessionen in Baden kam. Im Heimatkundeunterricht und in der Religionsgeschichte Badens spielte das Stafforter Buch immer eine Rolle. Es wurde jedoch oftmals auf die scheinbare Unvereinbarkeit der Abendmahls-Formeln der Lutheraner "dies ist mein Leib" und der calvinistisch-zwinglianischen Formel "dies bedeutet mein Leib", reduziert. Als Dr. Holger Müller die ersten Seiten einer für theologische Laien verständlichen Übersetzung des Stafforter Buches vorlegte, wurde bewusst, dass 422 Jahre nach der Drucklegung und 200 Jahre nach der Union der evangelischen Christen in Baden der richtige Zeitpunkt gekommen sei, dieses historisch wichtige und vielfach umkämpfte Buch in aktueller, für Laien
verständlicher Sprache herauszugeben.
Der zweite Band schloß mit der Ankündigung jenes Ereignisses, in dessen Verlauf sich die "Vereinigte Evang.-prot. Landeskirche Badens" - wie
Klaus Scholder bereits 1970 in seinem Karlsruher Vortrag konstatiert hat - zu einem "Sonderfall" unter den evang. Landeskirchen entwickelte: Eingliederung in die DEK und - Rücknahme! Diese Vorgänge sowie die Unterstellung der badischen Landeskirche unter die "Vorläufige Leitung der DEK" im Februar 1935 mit den daraus resultierenden Spannungen zwischen Kirchenleitung, Landesbruderrat und 'Deutschen Christen' werden im Mittelpunkt dieses dritten Bandes stehen. Einen vergleichsweise breiten Raum werden auch die Vorgänge in der Frauenarbeit einnehmen. Ähnlich wie bei der kirchlichen Jugendarbeit, vgl. Bd. II, S. 381-581, die ebenfalls im 'Evang. Landesverband für Innere Mission in Baden' integriert und über den Landesjugendpfarrer mit der verfaßten Kirche verbunden war, kam es auch auf dem Felde der Frauenarbeit zu folgenschwerer Konkurrenz zwischen NS-Frauenwerk, Evang. Frauenarbeit und staatlich gefördertem kirchlichen "Frauendienst". Unseres Erachtens verdienen diese Auseinandersetzungen eine ausführliche Dokumentation - nicht zuletzt als Beweis für die massive Einflußnahme des totalitären Staates selbst auf vermeintlich weniger bedeutsame kirchliche Lebensbereiche.
Der im Jahre 1991 erschienene erste Band der Quellen zur Geschichte der 'Evangelischen Landeskirche in Baden im Dritten Reich' umfaßt - zeitlich - die Jahre 1931 bis Juli 1933: Aufmarsch und Konsolidierung der 'Evangelischen Nationalsozialisten' bis zur Einführung des Führerprinzips in der Landeskirche, der Wahl Julius Kühleweins zum Landesbischof. Der vorliegende zweite Band dokumentiert den ständig wachsenden Einfluß der Deutschen Christen - trotz zum Teil heftiger interner Auseinandersetzungen. Die Sportpalastkundgebung bedeutet auch hier eine unübersehbare Zäsur. Gleichzeitig formierte sich die Opposition in Gestalt des Pfarrernotbundes. Es folgt ein umfangreiches Kapitel über die Jugendarbeit - ein Feld, auf dem es zwangsläufig zur Konfrontation kommen mußte; denn jede Diktatur ist darauf bedacht, sich ihrer Jugend total zu bemächtigen, und ebensowenig darf keine christliche Kirche einen derartigen globalen Zugriff bis in die Gewissenssphäre hinnehmen. Nach einer eingehenden Dokumentation der Kontroversen in den ersten fünf Monaten des Jahres 1934 schließt der Band mit der Zustimmung der Kirchlich-positiven Vereinigung zu den Ergebnissen von Barmen. Die letzte ausgewählte Quelle enthält darüber hinaus zugleich einen Hinweis auf die zentrale Thematik des dritten Bandes: Eingliederung der badischen Landeskirche in die Reichskirche.
The Staffort Book
(2025)
In 1599, the Staffort Book was produced in the Staffort Castle printing shop by order of Margrave Ernst Friedrich of Baden-Durlach. Obviously intended as an attempt at reconciliation between Lutherans and Calvinists, the book led to considerable academic theological disputes between the two Protestant denominations. The Margrave of Baden, who had Catholic neighbours in his fragmented dominion (Anterior Austria), Evangelical Lutheran (Württemberg) and Evangelical Reformed (Electoral Palatinate), was obviously attempting to create a liberal theological balance that would also be acceptable to the diplomatic secular power claims towards the neighbours. This first attempt at an agreement between the Protestant confessions in Baden can be understood as a failure, since the book triggered considerable controversy and did not receive any lasting support due to the margrave‘s early death. The matter was initially shelved, and it was to take another 222 years until the two Protestant confessions in Baden were united in 1821. The Staffort Book always played a role in local history lessons and in the religious history of Baden. However, it was often reduced to the apparent incompatibility of the Lutheran communion formula “this is my body” and the Calvinist-Zwinglian formula “this means my body”.When Dr Holger Müller presented the first pages of a translation of the Staffort Book that could be understood by lay people, it became clear that − 422 years after its printing and 200 years after the union of the Protestant Christians in Baden − the right time had come to publish this historically important and often contested book in up-to-date German that could be understood by non-theologians.
Union und Konstitution
(1994)
Die vorliegende Untersuchung zur Geschichte der evangelischen Kirche in Baden im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts, die nun im Vorfeld der 175-Jahrfeier der Landeskirche erscheint, erhebt nicht den Anspruch, eine neue und umfassende Darstellung der Entstehungsgeschichte der vereinigten Landeskirche im Großherzogtum Baden zu bieten. Die Darstellung versucht vielmehr weitere Nachweise zu erbringen, daß die Geschichte der Union in Baden vom geistesgeschichtlichen Zusammenhang der späten Aufklärung, wie sie frühliberales Denken bestimmt, nicht zu trennen ist. Sie versucht darüber hinaus zu zeigen, daß und wie frühliberales Denken, soweit es die Kirche beeinflußt hat, sich nicht nur in der Destruierung des Bekenntnisbegriffs erschöpft, welche die Union sicherlich auch ermöglicht hat, sondern ebenso in die Kirche konstitutionelles Gedankengut einbringt, das auf dem Weg zur Union geradezu eine katalytische Funktion ausübt. Auch ist zu zeigen, wie eng überhaupt die gesamte Unionsgeschichte verwoben ist mit dem Werden des neubadischen Staates, seinen obrigkeitsstaatlichen Bemühungen um die Konsolidierung des neuen Staatsgefüges nach 1803 und den daraus erwachsenden bürgerlichen Kräften, die zu gleichen Teilen einen Faktor wie eine Gegenbewegung zum Mühen des Obrigkeitsstaates darstellen. Der Begriff "Konstitution" im Titel bezieht sich entsprechend auf Staats- und Kirchenverfassung. Mit ihm ist das gemeinsame Ziel frühliberalen Denkens in Staat und Kirche anvisiert: die verfassungsmäßige Gewährung und Garantie der Grund- und Gesellschaftsrechte im staatlichen und kirchlichen Leben.
Nahezu vier Jahrhunderte haben die evangelischen Landeskirchen in Deutschland unter ihrem jeweiligen Landesfürsten, ihrem summus episcopus, Wohltaten für Wohlverhalten erwartet und erhalten. Dieses Bündnis von Thron und Altar endete abrupt nach dem 1. Weltkrieg. Aber die Frage bleibt: Haben die Kirchen damals Vollmacht für ihre Verkündigung und ihren Dienst gewonnen? War es nicht vielmehr so, daß sie mit der in der Weimarer Reichsverfassung garantierten Freiheit wenig anzufangen wußten? Der gestürzte Thron hinterließ eine Lücke, die auch in der Kirche ein Vakuum schuf. Dem Altar fehlte für viele die zu verehrende Obrigkeit. Die evangelischen Landeskirchen verharrten weithin im nationalkonservativen Schmollwinkel und trugen somit zur inneren Instabilität der Weimarer Republik bei. In den ausgehenden zwanziger und beginnenden dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts taten dann Arbeitslosigkeit und in ihrem Gefolge politische Radikalisierung ein übriges. Und dann erschien er, der 'Führer' mit messianischem Anspruch. Er versprach nicht nur Arbeit und Brot für 6 Millionen Notleidende. Er verkündete die Einheit von national und sozial. Das war die eine große Versuchung. Die Kirche hoffte auf die fällige Versöhnung von Arbeiterschaft und Kirche, aber sie blieb, aufs Ganze gesehen, großbürgerlich. Dazu kam die gefährlichste Versuchung für die Kirche: daß viele den Nationalsozialisten glaubten, die vorgaben, auf dem Boden des 'positiven Christentums' zu stehen. So pendelte sich eine Grundstimmung ein zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Ein hoher Prozentsatz der evangelischen Pfarrerschaft Deutschlands hat mit dem neuen Programm sympathisiert. Der völkische Aufbruch schien vielen die Erweckung zu sein, um die sie gebetet hatten. Die 'Deutschen Christen' - der Name war Bekenntnis und Programm zugleich - haben Adolf Hitler als gottgesandten Führer gepriesen. Sie deuteten nationale Geschichte zur göttlichen Offenbarung um. Sie verleugneten die biblische Wahrheit, daß Gott allein durch seinen Sohn Jesus Christus zu uns redet.