590 Tiere (Zoologie)
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Auch im Hegau
(2019)
Als im Oktober 1946 der am Wiederaufbau Deutschlands mithelfende amerikanische Biologie-Professor und Ornithologe Carl Welty nach Möggingen kam, schwärmte er: »Dieser Ort ist ein vollkommenes Beispiel für die mosaikhafte Durchmischung von Lebensräumen: Während eines einstündigen Fußweges durchquerten wir wahrscheinlich zehn verschiedene ökologische Standorttypen, Kiefern- und Fichtenforst, Laubwald, Bergkuppen, Obstgärten. Und überall, wo man Ausschau hielt, war der Blick einzigartig schön.« Und in diesem herrlichen Gebiet sah der Vogelfreund Welty
»eine Menge Vögel, die ich niemals zuvor zu Gesicht bekommen hatte« – einschließlich eines Wiedehopfs, der damals noch im Gemäuer von Schloss Möggingen und zahlreich im ganzen Bodenseegebiet brütete.
Im Jahr 1904 machte Wilhelm Thiersch, ein junger Zahnarzt aus Basel, seine Sammlung an Vogel- und Säugetierschädeln dem Großherzoglich Badischen Naturalienkabinett in Karlsruhe zum Geschenk. Diese Sammlung ist bemerkenswert, weil Thiersch sie bereits als 13-jähriger Schüler anlegte und für vergleichend morphologische Studien nutzte: Bei fünf Schädeln verschiedener Säugetierarten markierte er die homologen Schädelknochen farbig, und beim Schädel eines jungen Hundes sind die in der Embryonalentwicklung knorpelig angelegten Ersatzknochen sowie die Deckknochen des Hirn- und des Gesichtsschädels jeweils unterschiedlich eingefärbt. In der vorliegenden Arbeit werden Daten zur Biographie von Wilhelm Thiersch und zur Geschichte seiner Sammlung präsentiert. Ein menschlicher Schädel, den sich Wilhelm Thierschs Cousin, der deutsche Archäologe Hermann Thiersch, im Jahr 1900 in Wadi Halfa (im heutigen Nord-Sudan) angeeignet hatte, war nicht Teil der Schenkung, befindet sich aber möglicherweise heute im Archiv der Universität Freiburg.
Gefiederte Nachbarn
(2000)
Der niederländische Maler Pieter Bruegel (d.Ä.) vermittelt uns auf zwei um 1565 entstandenen Gemälden Momentaufnahmen des Winters. Häuser und
Landschaft liegen jeweils tief unter dem weißen Schnee begraben, und auf zugefrorenen Teichen bzw. auf einem vereisten Fluss sind Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler zu erkennen. So erscheint der Winter hier trotz seiner Kälte als eine Jahreszeit, der man durchaus seine schönen und guten
Seiten abgewinnen kann. Und dass die winterlichen Monate in unserer menschlichen Erlebniswelt nicht selten eine positive Rolle spielen, kommt beispielsweise auch in der ersten Strophe eines Gedichts von Adalbert Stifter zum Ausdruck.
Der Rhein mit seinem heutigen Verlauf entstand vor etwa 500000 Jahren in der Warmzeit zwischen Mindel- und Rissvergletscherung. Während der Würmkaltzeit ffand eine letzte Aufschotterungsphase statt. Seit ihrem Ende vor 10000 Jahren und dem Abschmelzen der Gletscher und Eisfelder auf den angrenzenden Gebirgen schaffte sich der Rhein eine bis zu 10km breite Talaue, die sich bis zu 10 m tief in die Schotterterrasse der Würmkaltzeit eingegraben hat. Im Bereich des Tiefgestades konnte sich der Rhein frei bewegen; fast jedes Jahr änderte er seinen Lauf infolge von Hochwassern. Hierdurch entstanden oder verschwanden ständig zahlreiche Inseln und Sandbänke und es fand eine dauernde Erneuerung der zahlreichen Rheinarme und Altwasser statt. Es war das typische Bild eines natürlichen Stromsystems mit einem artenreichen Tier- und Pflanzenbestand. Für die in
Rheinnähe wohnenden Menschen war der Rhein mit seinem reichen Fischbestand einerseits ein fast unerschöpfliches Nahrungsreservoir, andererseits stellte der ungezügelte Naturstrom mit seinen oft unberechenbaren Hochwassern eine ständige Gefahr dar. Die wachsenden Bevölkerungszahlen
und die einsetzende Industrialisierung, einschließlich der intensiveren Schifffahrt, ließen den Wunsch nach einer Bändigung des Rheins immer stärker
werden.
Rötelmaus und Ringelnatter
(2002)
Der Wald wird viel besungen in der deutschen Dichtung. Er ist der Ort des Jägers und der Jagd (z.B. W. Bornemann, Jägerlied); die Heimat der Tiere und des Gesangs (Friedrich Spee, Liebgesang der Gespons Jesu im Anfang der Sommerzeit); der Ort der Freiheit, der uns ein Stück unberührter Natur gibt (Friedrich Hölderlin, Die Eichbäume); und gleichzeitig ist er auch der Platz, an dem der Mensch Gott ganz nahe sein kann: "Der Wald aber rühret die Wipfel Im Traum vor der Felsenwand. Denn der Herr geht über die Gipfel Und segnet das stille Land." (Joseph von Eichendorff, Nachts)
Nachtschwärmer
(2005)
Der Schwarzwald ist mit allen seinen Regionen - von Nord bis Süd und von Ost bis West - Schauplatz zahlreicher alter und heute wohl oft schon vergessener Sagen. In einer von ihnen wird beispielsweise berichtet, wie in der Umgebung von Gernsbach die verstorbene Frau eines Grafen von Eberstein in der Gestalt eines Geistes ihr Unwesen treibt. Nach dem Tode ihres Mannes hatte sie sich durch Betrug den Rockertwald angeeignet, der zuvor im Besitz der Murgtalgemeinden Scheuern, Hilpertsau und Reichental gewesen war. Doch kurz darauf starb sie, "und seitdem geht sie zur Strafe für ihr Unrecht in der Gegend um. Besonders zeigt sie sich im Rockertwald und auf der daran liegenden Göttelwiese. Sie wird das Rockertweible genannt. Mit einem Gebund Schlüssel erscheint sie in der schwarzen Kleidung, die sie seit dem Tode ihres Mannes trug. [ ... ] Zuweilen fährt sie in
einer vierspännigen Kutsche; gewöhnlich aber geht sie zu Fuß, wobei sie manchmal von einer Hundemeute begleitet ist, mit der sie das Wild hetzt. Sie
ruft ihnen häufig. Noch öfters aber hört man sie wehklagend rufen: ,Huf hu!', das weithin über Berg und Tal erschallt. [...] Wer ruhig vorübergeht, dem tut sie nichts; wehe aber dem, der sie ausspottet!
... gab es mit Sicherheit zu Zeiten der Markgräfin Sibylla Augusta von Baden (1675-1733). Doch wer sie zur heutigen Zeit betrachten möchte, muss sich schon besonderer Methoden bedienen, denn sie führen ein Leben im Verborgenen. Im deutschsprachigen Europa (D, A, CH) sind ca. 4500 Schmetterlingsarten bekannt. Dass davon mehr als zwei Drittel nachtaktiv sind und in Formen- und Farbenvielfalt bei weitem die Tagfalter übertreffen, ist für die meisten Menschen ein Novum. Um diese nächtlichen Schönheiten im Wortsinn ans Licht zu bringen, bedarf es besonderer Methoden:
Künstliche Lichtquellen wie Lichtfallen und Leuchttürme (Bild 1), die ein Licht mit hohem UV-Anteil ausstrahlen, und Köderlösungen (z. B. Zucker-Alkohol-Lösungen, die an Baumstämmen aufgetragen werden) locken die nachtaktiven Falter an, so dass eine Beobachtung und Bestandsaufnahme möglich ist. Um die Faszination dieser nächtlichen Vielfalt einer interessierten Öffentlichkeit nahezubringen, wurden vom NABU - Kreisverband Rastatt 3 Nachtfangtermine im Schlosspark Favorite angeboten.
(1) HISTORIE der versuche, welche von dem jahr 1691 an bis auf das jahr 1752 über das Geschlecht der Pflanzen angestellt worden sind; (2) Historisch-physicalische beschreibung der wahren männlichen zeugungstheile, und der eigentlichen befruchtungsart bey der Schwalbenwurz, und den damit verwandten Pflanzengeschlechtern; (3) LERNAEAE forsan adhuc incognitae, Gadi Callar. L. branchiis firmiter inhaerentis descriptio; (4) NACHRICHT von einer schwarzbraunen Wanze, die sich die roth-tannenzapfen zu ihrem winterlager erwählt, und gegen diese jahreszeit den creuzvögeln zur täglichen Speise dient.
Langsam schiebt sich eine schwarze Kreuzotter durchs Heidekraut. Eine Waldeidechse sonnt sich wenige Zentimeter vor ihr auf einem Stück moderndem Holz. Ob sie die Kreuzotter bemerkt hat oder ob es ihr in der Sonne zu heiß wurde, blitzschnell verschwindet die Waldeidechse im Geflecht eines Grasbüschels. Für die Kreuzotter ist das vermutlich nicht schlimm. Denn sie ist ein Hungerkünstler. Von Oktober bis Mai nimmt sie keine Nahrung zu sich. Und im übrigen Jahr etwa 10 bis 15 Mäuse oder Waldeidechsen. Und das reicht, denn sie ist eine lebende Solaranlage. Ein großer Teil der Energie bezieht sie von der Sonne. Auf den Schwarzwaldhöhen sind etwa die Hälfte der Kreuzottern schwarz. Sie machen sich an ihrem Sonnenplatz ganz platt und haben dann innerhalb weniger Minuten die notwendige Temperatur, um bei Gefahren blitzschnell in einem Loch zu verschwinden. Die braun oder grau gefärbten Kreuzottern brauchen ein längeres Sonnenbad, aber dafür sind sie besser getarnt. Auch die Waldeidechse überrascht mit ihren Fähigkeiten. Sie kann, wird sie von einer Kreuzotter verfolgt, in einer Moorwasserpfütze unters Laub kriechen und dort bis zu 18 Minuten verharren. Beide Reptilienarten gehören damit zu den interessantesten Tieren unserer Heimat.
Beim Zusammenstellen der Informationen zu diesem Text habe ich schnell gemerkt, dass es eine schwierige Aufgabe würde, zahlenmäßig konkrete Bestandsdaten zu einigen Tierarten vergleichbar darzulegen. Dies liegt daran, dass früher Hobbyforscher in ausgewählten Gebieten Tierbestände sehr gut untersuchten und die Daten veröffentlichten. Wesentliches Ziel war es, Bestandsentwicklungen lokal zu erfassen und daraus verallgemeinernd
Schlüsse zu ziehen, ob die untersuchte Art gefährdet ist. Heute untersuchen Biologen im Auftrag von Planungsunternehmen bei Straßen- und Siedlungsplanungen Tierbestände. Diese werden je nach Gefährdungsgrad gelistet und dienen zur Bewertung zu erwartender ökologischer Schäden und deren Ausgleich. Die dabei erzielten Ergebnisse sind nicht immer öffentlich. Die Methoden der Bestandserfassung vor Jahrzehnten und heute sind
ebenso unterschiedlich in Methode und Aufwand. Insbesondere wurden früher über Jahre hinweg Tierarten untersucht, während heute Momentaufnahmen entstehen.