720 Architektur
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Adel und Burg im Mittelalter
(2002)
Für den mittelalterlichen Adel spielte der Besitz von Burgen offenbar eine zentrale Rolle, wie der reiche Bestand an Burgen und Burgruinen in vielen Landschaften noch heute vor Augen führt. Die schriftlichen Zeugnisse zu den Burgen des Mittelalters sind aber enttäuschend spärlich, was selbst für Regionen mit einer großen Burgendichte gilt. Eine Ausnahme bildet die bekannte Stelle bei Otto von Freising, in der er den Burgenbau des staufischen Herzogs Friedrich II. im Oberrheingebiet zu Beginn des 12. Jahrhunderts erwähnt.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden im Umkreis der vorderösterreichischen Provinzialhauptstadt Freiburg zahlreiche Adelsresidenzen. Sie wurden für eine regionale Elite gebaut, die zum Teil seit Generationen im Breisgau ansässig war oder sich als Zuwanderer in bestehende Herrschaften und Güter eingekauft hatte. Gemeinhin besaßen diese Familien eine repräsentative Wohnmöglichkeit in Freiburg, die vorwiegend im Winter genutzt wurde. Den Rest des Jahres lebte der Adel auf dem Land. Für das standesgemäße Wohnen dieser nur relativ wohlhabenden Schicht wurden Landsitze in eher bescheidenen Dimensionen errichtet. Dennoch übernahmen auch die Kleinresidenzen charakteristische Elemente des großen zeitgenössischen Repräsentationsbaus, der den Zeitgenossen etwa in den Schlössern von Rastatt, Bruchsal oder Karlsruhe seit Jahrzehnten vor Augen stand. Kaum einer der Breisgauer Herrensitze verzichtete auf reich gegliederte Fassaden mit wirkungsvollen architektonischen Hoheitsformen wie (Mittel)Risalitlösungen, Giebelbekrönungen, Freitreppenanlagen, aufwendigen Portalbildungen oder Pilaster- und Lisenenordnungen.
"Sonst ist alles eher noch brutaler geworden" – resümiert der Nestor der Grünewald-Forschung, Heinrich Alfred Schmid. In der Tauberbischofsheimer Kreuzigung vereinfacht sich im Vergleich zum Isenheimer Altar das Bildprogramm radikal. "Alles wirkt noch rauer und derber." Grünewald reduziert sich auf das Wesentliche. "(D)ie Form soll sich geradezu an den Bildrändern wund und stumpf stossen." Er ist ganz und gar zum Pathologe des Schmerzes geworden. Blassgelb und grünlich ist der Leichnam Christi, "maßlos und schrecklich". "Es ist, als wäre eine Brunnenvergiftung an der Farbe geschehen." Walter Karl Zülch schrieb vom "grauenerregende(n) Menetekel am Vorabend" des Bauernkrieges – und merkte zur Kreuztragung lapidar an: "da haben die Hunde das Wild gestellt".
Die Festschrift erschien zur Weihe der katholischen Filialkirche Christkönig in Berghausen am 25. September 1966. Herausgegeben haben sie das Katholische Pfarramt Grötzingen und der Katholische Kirchenbauverein Berghausen. Sie umfasst 38 Seiten und besteht aus Grußworten, einem Beitrag des Architekten, einer Studie zur Ortsgeschichte, einer Liste der Beteiligten am Bau und einem langen Anzeigenteil örtlicher Firmen.
Schloss Favorite bei Rastatt diente seit 1711 der verwitweten Markgräfin Augusta Sibylla von Baden-Baden und ihrem Sohn, dem Erbprinzen Ludwig Georg Simpert, als Refugium. Unter den erbprinzlichen Gemächern ragt das Florentiner Kabinett besonders hervor ob seiner kunstvollen Pietra-dura-Mosaiken und seiner reichen Sammlung von Miniaturbildnissen berühmter Maler, Bildhauer, Architekten und historischer Persönlichkeiten. Diese Miniaturporträts, die bislang in der Forschung weder vollständig identifiziert noch in ihrer Bedeutung gewürdigt wurden, stehen im Zentrum der vorliegenden Studie. Sie sollen als Ausdruck fürstlicher Kultiviertheit vorgestellt werden: als Zeugnisse eines modernen Bildungsideals, das gleichwohl noch der Renaissance und der barocken vanitas-Didaxe verpflichtet ist. In dieser Synthese wird eine neue Weltläufigkeit propagiert, die in ihrer Individualisierung zukunftweisend ist.
Im Straßburger Stadtarchiv befindet sich eine große Federzeichnung von 80 cm Höhe und 36,60 cm Breite, die aus drei Blättern zusammengeklebt ist (Abb. 1). Sie zeigt in sorgfältiger Ausführung einen hohen Turm mit zahlreichen Maßangaben. Auf der Rückseite liest man in der Schrift des 16. Jahrhunderts "Visierung eines Wasserwerckhs", darunter in etwas jüngerer Schrift "G.u.P." (Gewölbe unter der Pfalz, seit 1399 Lagerungsort für die Archive); die Zeichnung gehört also zu den ältesten Straßburger Beständen. Das Papier besitzt als Wasserzeichen einen gekrönten Adler mit dem Straßburger Wappen und dem Monogramm WR, das auf den Straßburger Wendelin Rihel, Besitzer einer Papiermühle, weist. Unsere Zeichnung ist also zweifellos Straßburger Herkunft. Der hier vorgestellte Wasserturm, im 16. Jahrhundert allgemein als "Wasserkunst" bezeichnet, präsentiert sich als ein recht stattliches Bauwerk. Über einem quadratischen Unterbau von etwa 6,60 m Breite und etwa 9 m Höhe wächst aus einem kurzen Giebelstück ein schmalerer oktogonaler Turm heraus von etwa 3,65 m Breite, den eine welsche Haube krönt. An der linken Seite lehnt sich ein Treppenturm an, der das Oktogon bis zur halben Höhe begleitet, dann ebenfalls mit einer welschen Haube endet. Beide Hauben zieren je ein Knauf und ein Fähnchen. Die Turmhöhe bis zum Haubenansatz beträgt etwa 16,20 m, wozu noch etwa 2,10 m für die Haube kommen.
Königskrone und Fürstenhut
(2005)
Nach rund zweihundertjähriger Abwesenheit vom Oberrhein ist im Herbst 2003 das aus dem Kloster St. Trudpert stammende und heute in der Ermitage in St. Petersburg befindliche gotische Vortragekreuz in der Ausstellung des Freiburger Augustinermuseums "Das Kreuz aus St. Trudpert in der Staatlichen Ermitage St. Petersburg und das Niello-Kreuz in St. Trudpert" für einige Wochen in seiner ursprünglichen "Heimat" zu bewundern gewesen - zusammen mit dem älteren romanischen, in Niello-Technik gearbeiteten Vortragekreuz, das gleichfalls zum Kirchenschatz des Klosters gehört und an Ort und Stelle die Stürme der Säkularisation überdauert hat, bevor es vor nicht langer Zeit in eine Sicherheitsverwahrung gegeben wurde.
Astronomische Uhren sind wahre Wunderwerke der Technik, die schon immer eine große Faszination und Anziehungskraft ausgeübt haben. Neben der Uhrzeit sind meist noch die Stellung des Mondes und der Gestirne ablesbar, oft ist auch ein Kalendarium vorhanden. Manche dieser Uhren sind sogar mit beweglichen Figuren ausgestattet, die zu bestimmten Uhrzeiten in Aktion treten und meist biblische Szenen lebendig werden lassen.
Berühmte astronomische Uhren, die heute noch vorhanden sind, gibt es unter anderem in der Marienkirche in Rostock, der Kirche St. Nikolai in Stralsund, im Dom von Münster in Westfalen, an den Rathäusern von Ulm und Esslingen, am Altstädter Rathaus in Prag oder am Zeitglockenturm in Bern. Einer der berühmtesten dieser außergewöhnlichen Zeitmesser steht im Münster von Straßburg und wird jedes Jahr von hunderttausenden Besucherinnen und Besuchern bestaunt.
Die Geschichte des Villinger Münsters ist lang und wechselvoll. Sie reicht rund 900 Jahre zurück. Immer wieder wurde seither neu gebaut, umgebaut, erweitert, renoviert und das Gotteshaus dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Wie der Bau selbst, so wurden auch der Kirchenraum und seine Innenausstattung immer wieder verändert. Zentrum des gottesdienstlichen Geschehens in einer christlichen Kirche sind die Altäre als Tisch der eucharistischen Mahlgemeinschaft und als Ort der Vergegenwärtigung von Tod und Auferstehung Christi. Wie die gesamte Einrichtung haben im Laufe der Jahrhunderte auch die Altäre vielfach ihre Gestalt gewechselt. Heute befinden sich im Münster vier Altäre, die, gemessen an der langen und bewegten Geschichte der Kirche, noch recht jung sind: Der große neugotische Hochaltar und die beiden neubarocken Seitenaltäre, die alle im Zuge der großen Münsterrenovierung von 1905 bis 1909 angeschafft wurden, sowie der moderne Zelebrationsaltar, der 1982 geweiht wurde.
Wenn Häuser aus ihrer Geschichte erzählen könnten, von allem, was sie erlebt und gesehen haben, würden den Menschen die Ohren gellen vor Geschichte und Geschichten. Endlos wären die Geschichten von Menschen und Tieren, die in den Häusern lebten. Es wären Geschichten von Aufbrüchen, Hoffnungen, Enttäuschungen, Streit, Neuanfängen, Liebe und Leben, von geschichtlichen Großereignissen – und von viel Alltag. Aber Häuser erzählen ihre Geschichten und die Geschichten ihrer Bewohner nur indirekt. Manche Spuren am Gebäude selbst geben Zeugnis von der Zeit, in der sie standen. Anderes wird erst durch das Forschen in Archiven und Lektüre von Unterlagen erkennbar. Aber es lohnt sich, den (Bau-)Geschichten von Häusern nachzugehen. Denn manche Häuser erzählen Geschichten – und sind zugleich lebendige Zeugnisse anderer Zeiten, die in Zukunft von unserer Jetztzeit erzählen werden.