720 Architektur
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Haus Kast
(2000)
Wenn beim früheren Leiter des Staatlichen Forstamtes Rotenfels, Karl Viktor Gutzweiler, ein neuer Forstreferendar seine Ausbildung aufnahm,
zeigte er ihm im Stadtteil Hörden das Haus Kast mit den Worten: »Schauen Sie, hier hat alles angefangen im Murgtal.« Diese gleichermaßen kurze wie treffende Bemerkung erschließt ein weites Feld von Zusammenhängen. Zum einen ist das aus dem Ende des 16. Jahrhunderts stammende Zeugnis früher Renaissance-Architektur wohl das älteste erhaltene Gebäude im mittleren Murgtal, zumindest aber der älteste Steinbau. Zum anderen gilt sein Erbauer, der markgräflich-badische Kammerrat und Hauptschiffer Jakob Kast, in der langen Reihe von Wirtschaftspionieren des Murgtals als der früheste Vertreter. Darüber hinaus stammt er im Gegensatz zu Michael Flürscheim, Theodor Bergmann oder Arweg Fischer, um drei der Wichtigsten zu nennen, aus dieser Region. Das äußere Erscheinungsbild des 1592-1594 errichteten Hauses macht einen weiteren Kontext deutlich. Zusammen mit dem heutigen Gasthaus »Zum Ochsen« - vermutlich der Wohnsitz von Jakob Kast - zählt es neben einem rückseitig gelegenen Anwesen samt einem auf das Jahr 1553 datierten Kellergebäude zu einem umfassenden Bauensemble, dessen monumentaler Charakter sich nachdrücklich von der Umgebung abhebt.
Maria Linden wird erstmals 1148 urkundlich erwähnt. Graf Bertold von Eberstein schenkte dem Zisterzienserkloster in Herrenalb Güter in Ottersweier. Zu dieser Schenkung gehörte auch das Grundstück, auf dem die Wallfahrtskirche steht. Der Anlass, an diesem Ort Maria zu verehren, ist ebenso unbekannt wie das Entstehungsdatum des Volksheiligtums. In Anlehnung an den germanischen und keltischen Baumkult wurde vermutlich ursprünglich in einer ausgehöhlten Linde eine Marienskulptur aufgestellt; als die Zahl der Wallfahrer zunahm, errichteten die Herren von Windeck eine kleine Kapelle, die das Marienbild aufnahm. Bischof Albert von Straßburg, zu dessen Diözese Ottersweier gehörte, erlaubte 1484 den Bau einer Wallfahrtskirche, von der Chor und Kerzenkapelle erhalten blieben. Auch der Dachreiter über dem barocken Langhaus stammt aus der Spätgotik. Der netzgewölbte Chor mit dreiseitigem Schluss, der niedriger als das Langhaus des 18. Jahrhunderts ist, besitzt fünf Maßwerkfenster. Er hat im Lichten eine Weite von 6,95 Metern und eine Länge von 10,75 Metern, seine Höhe bis zur Traufe beträgt 10,4 Meter. (Im Auftrag der Außenstelle Karlsruhe des Erzbischöflichen Bauamtes wurde 1973 eine Bauaufnahme der Kirche angefertigt, die mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Alle in diesem Aufsatz genannten Abmessungen des Chores sind dieser Bauaufnahme entnommen.) Die beiden Fenster des Vorchorjochs und das östliche Fenster des Polygons sind dreibahnig, die beiden übrigen sind zweibahnig. An die Südseite des Chores schließt die sogenannte Kerzenkapelle an, ein kleiner Saalbau mit zwei Kreuzrippengewölben.
Der Bologneser Miniaturist Raimondo Manzini und die frühe Ausstattungsgeschichte von Schloss Rastatt
(2012)
Den an der Errichtung und inneren Ausgestaltung des Rastatter Schlosses beteiligten Künstlern wurde, ausgehend von den Forschungen Karl Lohmeyers zu Schloss Rastatt und seinen Meistern immer wieder große Aufmerksamkeit geschenkt. Für die Architektur sind die Studien von Günter Passavant zu dem in Bologna ausgebildeten Architekten Domenico Egidio Rossi hervorzuheben; der wandfesten Ausstattung mit Stuck und Deckengemälden ist die Dissertation von Ulrike Grimm zu den Dekorationen im Rastatter Schloss gewidmet. Einen Eindruck von der frühen beweglichen Ausstattung mit Textilen, Möbeln, Spiegeln, Lüstern und Gemälden erhält man durch Inventare von 1707, die in Auszügen von Anna Maria Renner publiziert worden sind. Die nachfolgenden Ausführungen gelten dem Bologneser Miniaturisten und Dekorateur Raimondo Manzini (1668–1744), der für die innere Ausgestaltung des Rastatter Schlosses ornamentale Dekorationen und Vorlagen für Stickereien entworfen sowie Stillleben gemalt hat. Er stand nachweislich von 1702 bis wahrscheinlich 1706 in den Diensten des Markgrafenpaars Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655–1707) und Sibylla Augusta, geborene Prinzessin von Sachsen-Lauenburg (1675–1733). Dabei werden zwei Ziele verfolgt: Zum einen soll Sibylla Augustas konzeptionelles Mitwirken an der textilen Ausstattung der Appartements schon in der ersten Ausgestaltungsphase des Rastatter Schlosses illustriert werden, was in Ermangelung von Quellen erst aus der Zeit ihrer Regentschaft gut dokumentiert ist. Zum anderen werden die Verbindungen und Motivationen rekonstruiert, durch die Manzini in markgräfliche Dienste gelangte. Die Vermittlung Manzinis fußt auf den militärischen Beziehungen Ludwig Wilhelms, was in Anbetracht dessen prestigereicher Karriere als kaiserlicher Feldherr zwar zu erwarten, bislang jedoch noch nicht Gegenstand von Forschungen war.
Bereits im 18. Jahrhundert gab es Reisende, die beim Besuch in Karlsruhe von der Regelmäßigkeit der Stadt überaus beeindruckt waren: Die "Stadt Karlsruhe ist, wie man weis, in einem regelmäßigen Geschmack erbaut und Karlsruhe gehört überhaupt zu den seltenen Oertern... die auf einmal und zwar nach einem vorher entworfenen regelmäßigen Plane entstanden" oder "Karlsruhe ist regelmäßig gebaut". Wir kennen weiter die häufig zitierten Sätze, die Stadt sei "wie ein Stern gebaut... sie ist klar und lichtvoll wie eine Regel, und wenn man hineintritt, so ist es, als ob ein geordneter Verstand uns anspräche". Es besteht kein Zweifel, die lineare Form des Karlsruher Straßenfächers ist geometrischen Gesetzen entlehnt – doch welche sind es?
Die Sehnsucht nach einem natürlichen Dasein und schlichteren Formen in der Kunst stand am Anfang. Vor diesem Hintergrund war das Vorbild der
Antike für das Bürgertum seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ideologisches Rüstzeug in der Auseinandersetzung mit überlebten feudalen Strukturen und der als überladen empfundenen barocken Kunst. Der von den Philosophen der Aufklärung proklamierte Klassizismus schien die Gewähr zu bieten, die bildende Kunst in die bürgerliche Welt zu integrieren. Künstler und Dichter bereiteten auf diese Weise eine politische Revolution vor, die am Ende des 18. Jahrhunderts Europa und Nordamerika erschütterte und zu grundlegenden Veränderungen in der Gesellschaft führte.
Das zweigeschossige Fachwerkhaus Am Kirchplatz 6 im Ortskern von Ottersdorf, heute Stadtteil von Rastatt, wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts
erbaut, also vor rund 250 Jahren, als der Rhein noch nicht korrigiert und Rastatt noch Sitz der baden-badischen Markgrafen war. Die stattliche Zehntscheuer in der Nachbarschaft unseres Wohnhauses, in der die Volksbank 1986 eine Filiale einrichtete, stammt ebenfalls aus dieser Zeit (1).
Ein Turnsaal, der Kirche war
(2002)
Abbruchanträge zu Kulturdenkmalen sind für Denkmalpfleger beruflicher Alltag. Oft genug lassen sich Fachwerkhäuser wegen unterlassener Unterhaltung nicht mehr zumutbar sanieren. Noch trauriger ist es, wenn einem Kirchenbau die Abrissbirne droht, der über Jahrhunderte hinweg religiöses Zentrum einer Gemeinde war und dann vermeintlich verkehrstechnischen Zwängen geopfert werden soll. In den autobesessenen 1960er Jahren fielen ganze historische Stadtviertel dem explodierenden Straßenverkehr zum Opfer. Damals kam ein Fall auf der Schwäbischen Alb zu Berühmtheit, als eine mehr als 400 Jahre alte Kapelle einer schnurgeraden Ortsdurchfahrt weichen sollte. Die Kapelle blieb nach einem öffentlichen Aufschrei freilich erhalten, doch führten die vielen weniger glücklich verlaufenen Vorkommnisse 1971 zur Einführung des Denkmalschutzes.
Im neuen Glanz
(2003)
Beeindruckend, majestätisch, einfach schön, mag man als Murgtalreisender empfinden, wenn man die heutige Bundesstraße B 462 von Rastatt nach
Freudenstadt fährt und bei Gernsbach, oben auf dem Schlossberg, Schloss Neueberstein erblickt. Der Anblick von der anderen Seite, von Obertsrot aus, erscheint vielleicht noch schöner, vor allem mit dem wieder neu angelegten Weinberg, die Aussicht vom Schloss selbst ist dagegen unübertroffen. Damit streift man aber schon im Kern die Frage, warum ausgerechnet an diesem Standort eine Burganlage entstanden ist, die bereits im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Von Schloss Neueberstein können beide Seiten des Murgtals überwacht und damit der bedeutende Verkehrsweg durch das
Tal selbst kontrolliert und beherrscht werden.
Das "Seffe-Hus"
(2003)
Erwirbt man ein denkmalgeschütztes Gebäude, so fragt man sich früher oder später, welche Geschichte dieses Gebäude hat und wer vor einem selbst
darin gelebt hat. Erste Antworten auf viele Fragen erhält man durch Bauinschriften oder ältere Nachbarn, die von diesem Gebäude im Ottersweierer Ortsteil Unzhurst Folgendes zu berichten wussten: Das Haus wird im Volksmund "Seffe-Hus", Haus des Josef, genannt. In ihm wohnte vor der Restaurierung der "Schwindel-Max" mit seiner Schwester Maria Maurath. In der unteren Stube gab es einmal eine Gastwirtschaft, an deren Mittelsäule die Gäste ihre Jacken und Mäntel aufhängen konnten. Den Namen der Wirtschaft konnte niemand mehr sicher nennen.
Schlösser und Burgen finden sich im Gebiet des Landkreises Rastatt vor allem in der Kreisstadt Rastatt selbst sowie in den alten ebersteinischen Burgen im Murgtal. Einstmals freilich gab es eine Vielzahl von befestigten Wohnsitzen, häufig im Besitz ortsadeliger Familien oder von Ministerialen der badischen Markgrafen oder der Grafen von Eberstein. Die meisten dieser "Burgen" - allzu große Erwartungen über ihren Umfang oder ihr Aussehen dürfen wir uns freilich nicht machen - fanden schon im Mittelalter ihr Ende; in der nördlichsten Gemeinde des Landkreises, in Durmersheim, hielt sich eine solche Burg hingegen bis ins 18. Jahrhundert, die "Rohrburg". Auf alten Landkarten und auch auf dem ältesten Durmersheimer Ortsplan von 1763 ist sie eingezeichnet, heute aber ist das einstige Wasserschloss völlig verschwunden und nur noch der Flurname "Schlosswiese" erinnert daran. Es lag unterhalb des Ortes im Tiefgestade, ungefähr dort, wo heute die Mühle ist (am Ende der Bachstraße, wobei zu beachten ist, dass der später kanalisierte Federbach quer durch das einstige Schlossareal hindurch geht). Vor einigen Jahren erst, 1989, wurden dort mittelalterliche Scherben und ein Eisennagel aufgefunden. Nach Aussage des heutigen Eigentümers seien auf dem Grundstück auch Gewölbe- und Mauerreste festgestellt worden.