943 Geschichte Deutschlands
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Mit dem Sitz der Reichsritterschaft St. Jörgenschild, sichtbar im heute noch erhaltenen Ritterschaftshaus in Radolfzell und dem markanten Österreichischen Schlösschen mitten im Stadtbild, entstand schon früh die Vorstellung, dass die Stadt am Untersee in vergangenen Zeiten ein Zentrum des Hegauer Adels gewesen sein muss. Zudem suggerierte die über zehnwöchige Belagerung im Bauernkrieg 1525 das Bild einer vom Adel stark dominierten Stadt. Traf dies aber wirklich zu? Welche Rolle spielte der Adel in der Stadt? Vieles ist bislang unerforscht, dieser Beitrag kann deshalb nur eine erste Spurensuche präsentieren.
Über die Geschichte von Singen ist im Laufe der Jahre viel geschrieben worden. Der frühere Singener Stadtarchivar und Historiker Herbert Berner forschte nicht nur selbst, sondern gewann auch zahlreiche Wissenschaftler wie Eberhard Dobler, den St. Galler Archivar Werner Vogler oder den Archivar des Fuggerarchivs Franz Karg für Beiträge über das ausklingende Mittelalter und die Frühe Neuzeit. Alle befassten sich mit Themen, für die sie besonders spezialisiert waren. Beschäftigte sich der Schaffhauser Forscher Max Ruh mit dem Einfluss Schaffhausens auf Singen, so ging Werner Vogler auf die Verhältnisse im St. Gallischen Lehen Singen ein und Herbert Berner blieb es vorbehalten, die Geschichte vor Ort zu beleuchten. Das Rad muss
hier nicht neu erfunden werden, es soll im Folgenden vielmehr gelingen, die vielen Gesichtspunkte der Forschungen miteinander zu verbinden.
Während für das Hochmittelalter und die darauffolgenden Epochen schriftliche Quellen in breitem Umfang Auskunft zu Gesellschaftsstruktur und politischen Machtverhältnissen geben, ist für die Jahrhunderte nach Ende der römischen Herrschaft, die wir als Völkerwanderungszeit und frühes Mittelalter umschreiben, die Quellenlage eine gänzlich andere. Aus der Frühzeit der Alamannen, vor der Eingliederung ins fränkische Reich, erfahren wir in erster Linie aus den Berichten des Römers Ammianus Marcellinus (ca. 330–395), dass sich die Alamannen im 4. Jahrhundert in eine Vielzahl von Teilstämmen mit jeweils eigenem König (rex) bzw. Kleinkönig (regulus) gliederten. Auf die als »regales« bezeichneten königsnahen Familien folgten im
gesellschaftlichen Gefüge die »optimates« oder »primates« sowie die Masse der waffenfähigen Krieger (populus, plebs).
800 Jahre Randegg
(2014)
Randegg hat die Ersterwähnung seiner zentralen Lage zu verdanken – und das überrascht! Ja, Randegg lag im Mittelalter zentral. Das ist eine Tatsache, die die heutigen Menschen doch sehr verwundert. Denn Randegg lag im Mittelalter an einer wichtigen Straße. Es war eine sogenannte »Königstraße«, die von Ulm über Oberschwaben und Stockach nach Schaffhausen führte. Später rollten auf dieser Trasse schwere Frachtwagen mit vielen Gütern, vor allem Salz und Getreide, was die Schweizer immer brauchen konnten. Durch Randegg galoppierten Postreiter mit eiliger Post und später fuhren Postkutschen ins zu allen Zeiten bedeutende Schaffhausen.
Duchtlingen hat eine lange Geschichte. Mit seinen 1250 Jahren seit der Ersterwähnung gehört es – außer den reichenauischen am Untersee – zu an am frühesten genannten Orten im Hegau. Doch diese 1250 Jahre schriftliche Geschichte sind wenig im Vergleich zur sogenannten Vorgeschichte, aus der jungsteinzeitliche Funde vorhanden sind.
In der Bregenzer Chronik von 1616 ist zu lesen, dass das Ende der Hilzinger Sturmglocke 1525 durch einen Befehl des Hauptmanns Mark Sittich von Ems (Hohenems in Vorarlberg) besiegelt wurde. Er ließ die Glocke von etwa 50 Bauern über den Bodensee nach Bregenz bringen. Die Bauern ließ er dort aufhängen – eine Strafe, die im Bauernkrieg ihresgleichen suchte. »Das vielschichtige Thema ›Glocke‹, so peripher es manchem vielleicht im ersten
Moment scheinen mag, gehört zu einem ganz fundamentalen, insgesamt noch ungenügend erforschten Bereich mittelalterlichen Lebens: zum Signalwesen, das seinerseits ein wichtiges Teilsystem des gesamten Kommunikationsnetzes bildete.« Dies bewegte uns daher, das Thema »Glocke« auch für den Hegau näher zu betrachten. Leider fehlen schriftliche Zeugnisse von bäuerlicher Seite nahezu vollständig.
Der vorliegende Beitrag bezieht sich in vielen Aspekten auf die Aussagen des »Forum Hausherrenfest 1987« und wird durch weiteres Quellenmaterial ergänzt. Dieses Forum war eine Gesprächsrunde mit dem Titel »Konfrontation der katholischen Jugend mit dem Dritten Reich in der Pfarrei ULF, Radolfzell«. Teilnehmer waren Professor Monsignore Karl Ruby, Tobias Engelsing als Gesprächsleiter sowie ehemalige Jugendliche der Pfarrjugend Radolfzell aus der Zeit zwischen 1937 und 1945. Die Dokumentation zum »Forum Hausherrenfest 1987« ist eine wörtliche Abschrift der beim Forum aufgenommenen Tonkassetten.
Am 1. Mai 1935 trat Dr. Helmut Bier seinen Dienst als Pfarrer an der Lutherkirche Singen an. Er war Nachfolger von Pfarrer und Dekan Alexander Rihm, der von 1896 bis 1935 in Singen gewirkt hatte und nun altershalber aus dem kirchlichen Amt ausschied. Unter ihm war 1912/13 die neue evangelische Lutherkirche gebaut worden, die 2013 auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken konnte. Am 5. Mai 1935 wurde der neue Pfarrer im Hauptgottesdienst durch den Vertreter des Dekanats, Stadtpfarrer Barner aus Konstanz, vorgestellt.
Als der katholische Dekan Weber aus Engen im Herbst 1907 wieder einmal zur Visitation der Pfarrei nach Beuren kam, schien die Welt im Dorf an der Aach noch (fast) in Ordnung: Bei einer »Gesamtseelenzahl« von 367 betrug die Zahl der Kirchenbesucher 220, nicht einer hatte die Osterkommunion versäumt, es gab auch keine unehelichen Geburten, keine »Zivilehe« und auch nur eine einzige »gemischte Ehe« im Dorf: »Der religiöse und sittliche Zustand der Pfarrei ist im allgemeinen gut«; so befand der hohe Herr aus Engen – »einige laue und indifferente Elemente« waren angesichts des ansonsten rundum positiven Bildes leicht zu verschmerzen. Die Person des Pfarres schien gleichsam ein Ausweis für diese Stabilität – Augustin
Haas wirkte bereits seit 27 Jahren am Ort – »sehr eifrig und gewissenhaft«, wie der Dekan bescheinigte, ja mehr als das, denn für die Restaurierung der Pfarrkirche und der Kapelle habe der Pfarrer sogar persönlich große Opfer gebracht.
Stockach im Spätmittelalter
(2015)
Als der Schaffhauser Chronist Johann Jakob Rüeger im Jahre 1600 sein großes Geschichtswerk über seine Heimatstadt schrieb, charakterisierte er Stockach als »fürnembst stättlin« im Hegau. Nach diesem ehrenvollen, einen jeden Stockacher Lokalpatrioten noch heute mit Stolz erfüllenden Kompliment muss der Ort um die Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, gut 300 Jahre nach seiner Stadtwerdung, ein städtebauliches Juwel gewesen sein, das den Vergleich mit anderen Hegau-Städten nicht zu scheuen brauchte.