Reformation und Konfessionalisierung
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In der Geschichte des Alten Reiches ist der Dreißigjährige Krieg ein Zeitabschnitt, der den Bodenseeraum verbindet wie nur wenige andere historische Ereignisse. Nördlich des Bodensees und in Oberschwaben bis hinauf zum Herzogtum Württemberg gehörten die vielen größeren und kleineren Herrschaften zu den Gegenden des Reiches, welche besonders stark von den Kriegsereignissen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Südlich des Sees wurde die Schweiz, die in der allgemeinen Wahrnehmung als strikt neutral gilt, auf vielfältige Weise mit dem Krieg jenseits der Grenze konfrontiert. Deshalb ist der Dreißigjährige Krieg auch zumindest für die Nordschweiz ein wichtiges historisches Thema. Hier wurden entscheidende politische Fragen auf den Prüfstand gestellt: Sollte man sich nicht doch direkt in den Krieg einmischen? Sollte sich eine eidgenössische Stadt dazu hinreißen lassen, sich auf die Seite der eigenen konfessionellen Partei zu stellen? Was sollte man tun, wenn fremde Heere in eidgenössisches Territorium eindringen würden?
Immer diese Schweden …
(2020)
Der Dreißigjährige Krieg gilt als die große Katastrophe in Deutschland bis zu den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts. Man spricht vom "großen Trauma", vom "deutschen Trauma", von der "europäischen Katastrophe". Die Soldaten und die Söldnertruppen nahmen sich beim Durchmarsch, was sie brauchten durch Raub, Plünderung und Erpressung. "Heere auf der verzweifelten Suche nach Nahrung verwüsteten das Land, durch das sie marschierten – und
drohten, zu einem auch von den Feldherren kaum noch beherrschbaren Mob zu werden". – "Der Krieg nährt den Krieg". Zu keiner Zeit bewahrheitete sich der Spruch so wie damals. Der Dreißigjährige Krieg gilt als der Krieg schlechthin: Erschlagene, geplagte, gefolterte, vergewaltigte Menschen, abgebrannte Orte, verwüstete und ausradierte Dörfer, kahle Äcker, einhergehend mit Hungersnöten und Seuchenepidemien. Hunger und die Auflösung jeglicher Ordnung führten dazu, dass zu den von den marodierenden Soldaten getöteten Menschen noch unzählige Opfer von Seuchen wie Pest, Typhus oder Ruhr kamen.
Politische, soziale und ökonomische Krisen lassen sich immer auch am Geld und am Umgang der Menschen mit ihm ablesen. So wurde in Notzeiten der Edelmetallgehalt der neu geschlagenen Münzen vermindert. Das Geld, das nun nicht mehr so viel Gold oder Silber wie vorgeschrieben enthielt, verlor damit an Wert. In Zeiten größter Bedrohung, wenn die Menschen ihren Besitz gefährdet sehen, verstecken sie ihr Geld, verbunden mit der Hoffnung, es nach Ende der Krise wieder bergen zu können. Das Entwerten und das Verbergen von Geld begegnet im deutschen Südwesten
sowohl während der Antike als auch während der Frühen Neuzeit. Im dritten nachchristlichen Jahrhundert wurde die Macht des Imperium Romanum im heutigen Baden-Württemberg, das heißt an seiner Nordgrenze, immer mehr bedroht. Germanische Stämme überrannten mehrmals den Limes. Ablesbar ist diese Krise des Römischen Reiches sowohl an den Münzen, deren Silberanteil immer mehr abnahm, als auch an den vielen im 3. Jahrhundert versteckten und nicht mehr geborgenen Schätzen in Südwestdeutschland. Während des Dreißigjährigen Kriegs, einer weiteren schweren Krisenzeit, sollten sich derartige Entwicklungen wiederholen. Zu Beginn der 1620er Jahre kam es zur "Kipper- und Wipperzeit", in der das Geld massiv an Wert verlor. Insbesondere nach der Schlacht von Nördlingen im Jahr 1634 wurden Münzen verborgen, um sie vor Plünderungen zu bewahren. Eine weitere Krisenerscheinung sind Münzen, die fremde Mächte in deutschen Münzstätten schlagen ließen.
Als Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar im Juli 1639 überraschend verstarb, bedeutete dies nicht zuletzt das Ende für ein weimarisches Fürstentum am Oberrhein und im Elsass. Im Dezember des Vorjahres hatte er die vorderösterreichische Festung Breisach eingenommen und damit den größten Erfolg in seiner Militärkarriere erreicht. Hinzu kamen Eroberungen im elsässisch-oberrheinischen Umland. Sein Tod führte dazu, dass diese Gebiete an Frankreich fielen, mit dem er vier Jahre zuvor ein Bündnis eingegangen war. Die französische Presse hatte stets die enge Verbindung des Herzogs zur Krone betont und akzentuierte diese auch jetzt. Im Reich gedruckte Trauerpredigten und -schriften erwähnten aber nicht nur Bernhards Frankreichbündnis. Vielmehr hoben sie zugleich seine Beziehung zum Heilbronner Bund hervor und zu Schweden, dessen Armee er in früheren
Jahren angehört hatte.
"Dans ce printemps l’on mettra asseurement les fers au feu" – mit dieser Bemerkung eröffnet der mantuanische Gesandte in Paris, Guistiniano Priandi (ca. 1590–1674), seine Depesche vom 16. Februar 1635 an Karl von Nevers, Herzog von Mantua (reg. 1631–1637), in der er vom Stand der Planungen in Paris hinsichtlich des Aufbaus eines Systems von Allianzen, die gegen das Haus Habsburg und insbesondere gegen den spanischen König gerichtet sind, berichtet. König Ludwig XIII. (reg. 1610–1643), so Priandi, "semble à present tout à fait resolu à la rupture de tous cotez". Es werde nicht mehr lange dauern, bis man den zögernden Herzog von Savoyen zu einem Bündnis überredet haben werde, und dann: "Le Roy entera de deça au mesme temps dans la Flandre avec [une] grosse armée, et les Hollandais aussy pour remettre le pais en liberté qui est le meilleur pretexte".
Als König Gustav II. Adolf von Schweden mit seiner Armee am 6. Juli 1630 in Pommern landete, gab er dem großen Konflikt in der Mitte Europas, der später als der Dreißigjährige Krieg bezeichnet werden sollte, eine entscheidende Wendung. Allerdings war dies anfangs noch keineswegs absehbar. Dennoch entwickelte sich der schwedische Vormarsch nach dem Sieg bei Breitenfeld (7./17. September 1631) so dynamisch, dass praktisch alle deutschen Reichsstände in der einen oder anderen Weise darauf reagieren mussten. Nun hingen die Entscheidungen und Aktivitäten der betreffenden Reichsstände nicht nur von der allgemeinen militärischen und politischen Lage, sondern auch von ihren jeweiligen politischen Interessen ab. Diese mussten angesichts der großen Vielfalt unter den Ständen hinsichtlich Größe, Macht und politischer Struktur zwangsläufig unterschiedlich sein. Es bestand selbstverständlich ein riesiger Unterschied beispielsweise zwischen einem größeren Fürstentum und einer Reichsstadt. Ebenso wichtig war die konfessionelle Ordnung des jeweiligen Reichsstandes, die gleichfalls darüber entschied, ob man die Schweden als Freunde, ja sogar als Befreier oder als zumindest potenzielle Feinde ansah.
Schweden und die ausschreibenden Reichsstädte Frankfurt, Nürnberg, Straßburg und Ulm 1631-1636
(2020)
König Gustav II. Adolf (reg. 1611–1632) wollte für seinen Vormarsch im Reich ein möglichst breites Bündnis aller evangelischen Stände unter seinem Direktorium erreichen. Dazu schloss er eine große Zahl von Verträgen mit einzelnen Territorien und Städten, bemühte sich aber vor allem um Verträge mit größeren Gruppen von Reichsständen, wie sie in den Reichskreisen zusammengefasst waren, zumal diese auch über eine militärische Infrastruktur verfügten. Bezüglich der Reichsstädte standen aus schwedischer Perspektive zunächst die großen Hansestädte in Norddeutschland mit dem stolzen Lübeck im Vordergrund, die der jüngere Bruder des Königs 1618 besucht hatte. Hinzu kamen die vielen Reichsstädte vor allem im Süden des Reiches, von denen Gustav Adolf selbst bei seiner Brautwerbungsreise 1620 Frankfurt, Straßburg und Speyer persönlich kennen gelernt hatte. Die größten und wirtschaftlich wie politisch bedeutsamsten dieser Reichsstädte waren die sogenannten ausschreibenden Reichsstädte Frankfurt, Nürnberg,
Straßburg und Ulm, die die Zusammenkünfte der Reichsstädte einberiefen und organisierten. Diese Organisation hatte sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts gebildet, als sich das System der Kurien von Kurfürsten, Fürsten und Städten auf den Reichstagen etablierte. Sowohl auf den Reichstagen wie auch in informellerer Weise unabhängig davon beriefen diese Städte bei Bedarf Städtetage der Reichsstädte ein, um gemeinsam interessierende Fragen zu beraten und gemeinsame Positionen abzusprechen.
"Den 27. sandten mich Ihro Fürstl. Gnaden och [= und] Hans Lodh voraus nach Heppenheim, eine kleine Stadt in der Pfalz, um Postpferde zu bestellen (…) Wir ritten von Darmstadt, wo wir zu Mittag gegessen hatten, und sandten Hans Lodh voraus nach Heidelberg (…) Mich alleine nahm Ihro Maj. zu sich, und wir ritten ohne unseren Trupp eine Meile lang auf die andere Seite der Stadt, welche nach Heilbronn weist. Dort verbarg sich Ihro Königl. Maj., um mit Ihro Fürstl. Gnaden einen Unionstag zu erwarten, welchen die Unionsfürsten dort zu halten gedachten. Wir blieben bis zum frühen Morgen des 28., als Lars Kagg mit der Botschaft anlangte, dass der Unionstag nicht dort, sondern in Worms gehalten werde, und dass der Hof durch Briefe wisse, dass Ihre Fürstl. Gnaden mit einigen vornehmen schwedischen Männern von Adel von Schweden nach Berlin gereist seien, unter welchen auch ein schwarz gekleideter mit weißgoldenem Haar sich befinde, der ausgezeichnet konversiere." (Johan Hands Dagbok, S. 31) So berichtet Johan Hand, Spross einer unehelichen Verbindung König Eriks XIV. mit Hands Großmutter, Mitglied des schwedischen Reichsadels und Reisegefährte Gustavs II. Adolf auf einer Reise durch das Heilige Römische Reich im Jahre 1620. Doch was suchte der schwedische König soweit im Süden des Reiches, in einer schon von den Wirren des Dreißigjährigen Krieges erschütterten Zeit, in einer Gegend, der Kurpfalz, die zu den Zentren der politischen und religiösen Auseinandersetzungen gezählt werden muss? Und es sollte noch weiter rheinaufwärts gehen – bis vor das Panorama der Berner Alpen, an den Kaiserstuhl, in den Schatten der Vogesen.
Im historischen Bewusstsein des deutschen Südwestens scheint Schweden wie überhaupt der ganze Ostseeraum vor dem Auftreten König Gustav II. Adolfs (reg. 1611–1632) 1631 kaum eine Rolle zu spielen. Indessen waren beide Räume schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts miteinander in Beziehung getreten. Dies geschah einmal durch die Aufnahme wissenschaftlicher Kontakte, dann aber auch durch Heiraten zwischen dem einheimischen Adel und Angehörigen vornehmlich des schwedischen Königshauses. Dieses dehnte damit seinen Heiratskreis weit über die Südküste der Ostsee hinaus aus. Da es im Südwesten des Reichs zuvor kaum Erfahrungswissen von Schweden und dessen Bewohnern gegeben hatte, ist hier zunächst (I.) zu fragen über welche bei der Aufnahme von Beziehungen dorthin vorhandene Kenntnis des Landes man hierzulande verfügte. Danach werden (II.) die Konnubien von Hochadligen dieses Raums mit dem schwedischen Königshaus Vasa im 16. Jahrhundert beschrieben; ein Ausblick bis zum Dreißigjährigen Krieg (III.) schließt sich an.
Die klösterliche Bibliothekslandschaft des deutschen Südwestens in der Frühen Neuzeit hat viele Facetten. Jedoch stehen sowohl in der Wahrnehmung der Zeitgenossen des 17./18. Jahrhunderts wie auch bei den Kulturinteressierten heute nahezu ausschließlich die großen Universalbibliotheken der Benediktiner, der Zisterzienser und der Prämonstratenser im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, können sie doch mit ihren prachtvollen Bibliothekssälen und ihren hervorragend sortierten Beständen einen immerhin überregionalen Rang beanspruchen. Auch im folgenden Überblick stehen diese Bibliotheken im Vordergrund, da ihre Bestände ebenso wie die Quellen zu ihrer Geschichte sehr viel besser überliefert und viel breiter erforscht sind als die der Männer- und Frauenkommunitäten anderer Orden, deren Zahl am Ende des 18. Jahrhunderts die der Klöster und Stifte der Prälatenorden allerdings bei weitem übertraf. Um also ein Gesamtbild der südwestdeutschen Bibliotheken geistlicher Institutionen im 17./18. Jahrhundert skizzieren zu können, sollen deshalb hier auch die größtenteils unbekannten, bisweilen sehr respektablen, oft aber auch unspektakulären und manchmal eher desolaten Gebrauchsbibliotheken kleinerer Konvente vorgestellt werden, wie sie sich zwischen den normativen Vorgaben der jeweiligen Orden und dem individuellen Profil der Klöster in den zwei Jahrhunderten vor ihrer Auflösung positionierten.