Soziale Bevölkerungsstruktur
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Dass zum repräsentativen Auftreten einer Fürstin ein stattliches weibliches Gefolge, bestehend aus Damen der angesehensten und ranghöchsten Familien des landsässigen oder des Reichsadels gehörte, wird im Schloss Schwetzingen sehr deutlich: Dem Besucher präsentiert sich in einem ehemaligen Kammerfrauenzimmer eine Serie von 26 Porträts adeliger Damen, die in den Diensten der Kurfürstin Elisabeth Augusta von der Pfalz (1721/1742-79) standen. Die Bilder stammen aus der Werkstatt des Malers Johann Georg Ziesenis sowie von einigen unbekannten Malern.
Die abwechslungsreiche Rheintalstrecke zwischen Freiburg und Karlsruhe, eingebettet von den östlichen Schwarzwaldhöhen und den im Westen liegenden Vogesen, haben nicht wenige Juristen ungezählte Male, mitunter im täglichen Rhythmus, befahren. Der folgende Beitrag versucht prominente Juristen auf diesem Weg aufzuspüren und damit Verbindungen und Begegnungen aus der Rechts- und juristischen Zeitgeschichte der beiden Städte aufzuzeigen. Aber auch anderweitige Kontakte zwischen Juristen aus Karlsruhe und Freiburg sollen nicht außer Acht bleiben. Bei näherem Zusehen werden sich aber auch größere Unterschiede zwischen beiden Städten auftun. Freiburg i. Br. als Zähringerstadt, die 1120 gegründet wurde, weist eine weit zurückreichende Rechtsgeschichte auf, die durch die 550 Jahre alte Juristenfakultät entscheidend geprägt wurde. Karlsruhe kann dagegen als neuzeitliche Stadtgründung des Jahres 1715 nur eine knapp 300jährige Geschichte vorweisen, die zunächst durch den Status als Landeshauptstadt gekennzeichnet wurde und nunmehr als Residenz des Rechts eine neue Bedeutung erlangt hat.
Im vorliegenden Artikel sollen die Wärterinnen und Wärter der Heil- und Pflegeanstalt Illenau als eine Gruppierung in der Pflegelandschaft des 19. und 20. Jahrhunderts vorgestellt werden. Dabei werden zunächst kurz das Umfeld der Wartpersonen, die Psychiatrie bzw. psychiatrischen Anstalten Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts skizziert, bevor genauer auf die Wärter und Wärterinnen der Heil- und Pflegeanstalt Illenau eingegangen werden soll. Mittels eines Sozialprofils sollen Fragen zur Altersverteilung, sozialen Herkunft und Schulbildung sowie zu den Entlassungs- bzw. Kündigungsgründen beantwortet werden. Schließlich wird an einem Beispiel erörtert werden, inwieweit diese Resultate auf den Pflegealltag schließen lassen können.
Die Verwaltungsgeschichte ist kein Schwerpunkt der deutschen historischen Forschung. Die bahnbrechenden Anfänge der "Acta borussica" (1892 ff.) haben sich in Ideengeschichte aufgelöst. Der organisationssoziologische Ansatz eines Max Webers wurde auf historischer Seite nicht kritisch weiterentwickelt. Organisationsgeschichtliche Studien stehen unverbunden neben sozialgeschichtlichen Untersuchungen. Staatsaufgaben und Staatstätigkeit werden aus normativen Texten deduziert. In dieser Forschungssituation spiegelt sich eine theoretische Abhängigkeit von Nachbardisziplinen und ihren Methoden: Für den Juristen ist die gesetzliche Norm maßgebend. Ihre Verwirklichung steht allenfalls unter dem Vorbehalt eines Vollzugsdefizits. Auch in der Sicht des Marxismus hat der Staat keinen Eigenwert: Er galt als Agent der herrschenden Klasse. Die politischen Entscheidungen fielen im Klassenkampf. Dem Staat kam eine rein exekutive Funktion zu. Die Sozialgeschichte betrachtete den Staatsdienst als gesellschaftliche Gruppe, die nach den Kriterien der gesamtgesellschaftlichen sozialen Schichtung analysiert wird. Ihre Funktion, nämlich der öffentliche Dienst, dem diese Gruppe ihre Entstehung verdankte, ging bei dieser Betrachtung verloren. Die historische Forschung hat das politisch-administrative System nicht als Einheit betrachtet, sondern allein den politischen Entscheidungsprozeß untersucht. Die Umsetzung und Durchsetzung dieser Entscheidungen wurden zur Quantité négligeable. Dabei hat die Verwaltungspraxis schon immer gewußt und die Verwaltungswissenschaft theoretisch entwickelt, daß die Implementation politischer Entscheidungen über den Umfang ihrer Verwirklichung
entscheidet und daß ferner der Gesetzesvollzug nur in wenigen Fällen exekutiv, sondern zumeist ein Kompromiß ist, der in einem klientelbezogenen Entscheidungsprozeß durchgesetzt werden muß. Eine entsprechend differenzierte Analyse der Rolle des Staates und seiner Verwaltung im historischen Prozeß steht noch aus.
Erfra(e)ulich
(2010)
»Ohne Frauen geht es nicht. Das hat sogar die Geschichtsschreibung erkannt!« So könnte man das Interesse der Geschichtsforschung am Thema Frauen in freier Anlehnung an das Zitat der italienischen Schauspielerin Eleonora Duse (1858–1924) erklären. Doch wer sich auf den Weg begibt, die örtliche Geschichte der Frauen zu erforschen, der merkt alsbald, dass dies ein mühsames Unterfangen ist. Es gibt keine Akten zu »den Frauen« und auch die jüngeren Geschichtsbücher schweigen sich bis auf wenige Zeilen zu diesem Thema aus. Gab es denn nichts Berichtenswertes? Nachfolgend soll versucht werden, Spuren von Frauen in der Stadtgeschichte Radolfzells aufzudecken, wohl wissend, dass dies nur der Anfang sein kann, es in vielem
unvollständig ist. Es sind Schlaglichter, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vielleicht kann der Beitrag ermutigen, neue Spuren zu suchen und bestehende zu verfolgen.
Engen, die kleine Hauptstadt der Herrschaft Hewen, hatte seit dem Mittelalter eine starke Handwerkerschaft in ihren Mauern, die nicht nur zur Versorgung der Stadt und ihrer Bürger, sondern auch für das Umland da war. Die Engener Handwerker waren vor allem in der Vorstadt und der Ledergasse anzutreffen. Ein Grund für die zahlreichen Handwerker ist in der Anwesenheit des »Hofes« zu suchen, wenn er auch recht klein war. Die Stadtherren, seien es die Herren von Hewen, die Grafen von Lupfen, die Erbmarschälle von Pappenheim oder die Grafen und späteren Fürsten von Fürstenberg, brauchten, auch wenn sie nicht dauerhaft hier wohnten, die Handwerker, um die kleine Residenz oder ihre herrschaftlichen Amtsverwaltungen am Leben zu halten.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts bildete sich eine Tradition weiblicher Wohltätigkeit heraus, die sich in einer nahezu unüberschaubaren Vielfalt von Vereinen manifestierte. Ausgelöst durch "nationale" Bedrohungen wie die Befreiungskriege oder durch lokale Notstände, formierten sich Frauenvereine als Instrumente kollektiver Krisenbewältigung. In dieser Tradition steht auch der Badische Frauenverein, den Großherzogin Luise von Baden 1859 aus Anlaß des "italienischen Krieges" ins Leben rief. Der Verein veranstaltete landesweit Sammlungen von Geld, Kleidung und Verbandmaterial zur Unterstützung der Truppen des österreichischen "Brudervolks". Nach dem raschen Kriegsende faßte die Vereinsleitung den für die weitere Entwicklung zentralen Beschluß, den Landesverein mit seinen Unterorganisationen fortbestehen zu lassen und seine Tätigkeit im Frieden auszudehnen auf die "Linderung von Notständen" und die Ausbildung von Krankenpflegerinnen. In den folgenden Jahrzehnten weitete der Badische Frauenverein seine Organisation systematisch innerhalb des Großherzogtums aus und verbreiterte fortlaufend das Spektrum seiner Arbeitsgebiete. Vor dem Ersten Weltkrieg zählte der Verein rund 90.000 Mitglieder in 447 Zweigvereinen. Er war als interkonfessionelle, überparteiliche und gemeinnützige Frauenorganisation konzipiert, die offen sein sollte für Frauen aus allen Schichten der Gesellschaft. Zu seinen Arbeitsfeldern gehörten nach der Jahrhundertwende die Fürsorge für Arme, Wöchnerinnen und Säuglinge, für Kinder, schulentlassene Mädchen und Arbeiterinnen sowie Krankenpflege und Tuberkulosebekämpfung. Durch die Zugehörigkeit zum Roten Kreuz war der Verein zur Unterstützung des militärischen
Sanitätsdienstes im Kriegsfall verpflichtet. In zahlreichen vereinseigenen Anstalten (sogenannten Frauenarbeits-und Haushaltungsschulen) und Kursen wurden Mädchen und Frauen für den eigenen Haushalt oder für die Erwerbsarbeit ausgebildet. Der Badische Frauenverein wurde zum "Lebenswerk" der Großherzogin, "das alle Gebiete sozialer Tätigkeit von Frauen für die Frau umspannt". Letztlich sollten die Aktivitäten des Vereins jedoch "jedem einzelnen Ihrer [sc. der Großherzogin] Kinder", d.h. auch den Männern, zugute kommen.
Sebastian Heizmann kann zufrieden sein, auch in diesem Jahr hat er einen guten Verdienst. Nachdem der Maurermeister und Hausmeister auf Georgi 1786 seine letzte Rechnung eingereicht hat, zieht er Bilanz: Er kann als Bediensteter der Freiherrlich von Hornstein’schen Herrschaft in Weiterdingen zum einen auf sein Grundgehalt von 30 fl jährlich plus Naturalleistungen rechnen, zum anderen bringen ihm die laufenden Hausmeister- und Maurerarbeiten ein zusätzliches, nicht unbeträchtliches Einkommen. Allerdings hat er, wie alle Weiterdinger Untertanen, seine Abgaben und Fronen, die Zinsen und den Zehnten zu entrichten.
Beziehungen zwischen Besatzungssoldaten und Frauen der besetzten Gebiete sind eine Begleiterscheinung des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Man denke an die deutschen Soldaten in Frankreich oder Norwegen, man denke an die Soldaten der Alliierten in Deutschland nach 1945. Diese Kontakte umfassen die ganze Bandbreite der menschlichen Beziehungen, sie reichen von echten Liebesbeziehungen über eher geschäftsmäßige Beziehungen, also Perlonstrümpfe, Zigaretten und Lebensmittel gegen sexuelle Dienstleistungen bis hin zu Prostitution
und Vergewaltigung.
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – diese Forderungen der Französischen Revolution 1789 und die »Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte« galten, dem Zeitgeist folgend, nur für Männer. Deshalb verfasste 1791 die französische Schriftstellerin und Anhängerin der Revolution, Olympe des Gouges (1748–93), die »Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin«, in der sie den Zugang der Frauen zu allen Stellen und öffentlichen Ämtern, ihre Mitwirkung an der Gesetzgebung sowie die völlige Gleichstellung von Mann und Frau postulierte. Olympe des Gouges wurde 1793 verhaftet, neben ihrem Eintreten für die Rechte der Frauen wurden ihr das Bekenntnis zur Monarchie sowie die Feindschaft gegen Maximilien de Robbespierre zum
Verhängnis. Nach einem kurzen Prozess verhängte man das Urteil, Olympe starb durch die Guillotine.