Die 10 zuletzt veröffentlichten Dokumente
Zwei ungleiche Freunde
(2013)
In der frühen autobiographischen Novelle »Erwachen« (1906) schildert der Dichter Emanuel von Bodman, wie er zu Beginn der 1890er Jahre am Ufer des Schweizer Seerheins erstmals dem acht Jahre älteren Heinrich Ernst Kromer begegnete: »Er hatte einen schönen Kopf mit stolzen und verträumten Zügen [...]. Er war frisch aus München gekommen, um in der heimatlichen Sonne einige Märchen auszuhecken, wozu ihn die Seelandschaft besonders aufmunterte.«
Richard Wagner wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig geboren. Sein 200. Geburtstag wurde mit zahlreichen Aufführungen, Kongressen und Veröffentlichungen gefeiert. Robert Freiherr von Hornstein wurde am 6. Dezember 1833 in Donaueschingen geboren. Sein Geburtstag jährt sich in diesem Jahr zum 180. Mal. Das ist ein schöner Anlass, an diesen Komponisten zu erinnern, vor allem an seine biographischen Verbindungen mit dem Hegau und der Baar sowie an sein Verhältnis zu Richard Wagner.
Das neben der benachbarten Pfarrkirche markanteste und geschichtsträchtigste Gebäude in Herdwangen ist zweifellos das Rathaus. Der schlossartige, zweistöckige Bau verrät mit seiner leicht verschobenen Symmetrie, dem Walmdach, den Ecklisenen, der durch Fenster gegliederten Schaufassade sowie der durch das Hauptportal und einen Dacheinzug betonten Mittelachse bis heute eine barocke Entstehung im 18. Jahrhundert. Bekannt ist, dass die damalige Ortsgemeinde Herdwangen 1904 das Haus samt Nebengebäuden für seinerzeit stolze 25 000 Mark von der markgräflich-badischen Bodensee-Fideikommissherrschaft erworben hat.
Die Abtei Reichenau hatte sich zu Ende des Hochmittelalters von der »Vormundschaft « ihrer Edelvögte befreit und stützte sich in der fiskalischen »Außenverwaltung « nun mehr und mehr auf ihre unfreien Dienstmannen. Das führte aber, verbunden mit dem unablässigen Niedergang der Abtei, zur Stärkung und Autarkie dieser Edelknechte. Ende des 13. Jahrhunderts konnten Abt und Konvent ohne die Zustimmung ihrer Ministerialen wirtschaftlich und politisch nicht mehr handeln.
Das Wappen der »Unmittelbaren Freien Reichsritterschaft in Schwaben, Kanton Hegau, Allgäu und Bodensee« über dem Haupteingang in das ehemalige Ritterschaftshaus in Radolfzell erinnert an den Sitz des Kantonsdirektors und seiner Kanzlei von 1609–1806. Die genossenschaftliche
Organisation der Reichsritter hat sich aus Turniergesellschaften des späten Mittelalters und über Ritterbünde zur »Gemeinen Gesellschaft mit St. Jörgenschild« entwickelt. König Karl IV. hatte in Artikel 15 der Goldenen Bulle vom Jahre 1356, dem sogenannten »Reichsgrundgesetz «, jede politische
Vereinigung innerhalb des Reiches ohne die Genehmigung des Königs verboten. Erst König Sigismund erteilte 1422 den Reichsrittern das Privileg, sich vereinigen zu dürfen.
Der Hauptsitz des Kantons Hegau, Allgäu und Bodensee der Freien Reichsritterschaft war Radolfzell. Der vorliegende Beitrag versucht, die Geschichte der Radolfzeller Ritterkanzlei, des heutigen Gerichtsgebäudes (Seetorstraße 5), zu klären. Auf dem Altarbild des Hausherrenaltars von Franz Joseph Spiegler (1754) im Radolfzeller Münster ULF beherrscht die Kanzlei der Hegauritterschaft mit ihren zwei aufragenden Staffelgiebeln und dem achteckigen Turmaufsatz das Stadtbild vom See her. Das Gebäude steht dort südlich des 1421 erbauten gotischen Rat- und Kornhauses (heute Rathaus) und westlich gegenüber vom Münster (1436) mit dem Gottesacker und den Chorherrenhäusern in der Kirchgasse, am früheren Markt beim Röhrbrunnen (heute Seetorstraße).
Mit dem Sitz der Reichsritterschaft St. Jörgenschild, sichtbar im heute noch erhaltenen Ritterschaftshaus in Radolfzell und dem markanten Österreichischen Schlösschen mitten im Stadtbild, entstand schon früh die Vorstellung, dass die Stadt am Untersee in vergangenen Zeiten ein Zentrum des Hegauer Adels gewesen sein muss. Zudem suggerierte die über zehnwöchige Belagerung im Bauernkrieg 1525 das Bild einer vom Adel stark dominierten Stadt. Traf dies aber wirklich zu? Welche Rolle spielte der Adel in der Stadt? Vieles ist bislang unerforscht, dieser Beitrag kann deshalb nur eine erste Spurensuche präsentieren.
Sebastian Heizmann kann zufrieden sein, auch in diesem Jahr hat er einen guten Verdienst. Nachdem der Maurermeister und Hausmeister auf Georgi 1786 seine letzte Rechnung eingereicht hat, zieht er Bilanz: Er kann als Bediensteter der Freiherrlich von Hornstein’schen Herrschaft in Weiterdingen zum einen auf sein Grundgehalt von 30 fl jährlich plus Naturalleistungen rechnen, zum anderen bringen ihm die laufenden Hausmeister- und Maurerarbeiten ein zusätzliches, nicht unbeträchtliches Einkommen. Allerdings hat er, wie alle Weiterdinger Untertanen, seine Abgaben und Fronen, die Zinsen und den Zehnten zu entrichten.
"Cuius anima Deo vivat"
(2013)
Der parkähnliche Friedhof, wie wir ihn heute kennen, mit übersichtlichen Grabreihen und einem regelmäßigen Wegenetz, ist erst eine Idee des 19. Jahrhunderts. Vor allem seit den 1840er Jahren, in den großen Städten mit ihrer dichten Bebauung allerdings auch schon wesentlich früher, wurden die alten Begräbnisplätze bei den Kirchen aufgegeben und neue Friedhöfe außerhalb der Orte angelegt. Hauptgründe dafür waren die äußerst beengten Verhältnisse auf den alten Kirchhöfen, wo ja auf kleinem Raum über Jahrhunderte die Toten begraben wurden, und die damit einhergehenden untragbaren hygienischen Zustände.
Balthasar von Hornstein zu Grüningen (1540–1620) hatte eine »gute Partie gemacht«, als er 1567 Cleopha von Stoffeln († 1601) heiratete, da diese Heirat es ihm ermöglichte, einen Großteil der Herrschaft Hohenstoffeln in seinen Besitz zu bringen und damit die Linie Hornstein-Hohenstoffeln im Hegau zu begründen.