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War Mathias Grünewald Mystiker? Heinrich Feurstein, ein katholischer Priester und Grünewaldforscher, hatte 1930 für das Kunstschaffen Mathias Grünewalds eine frühe Abhängigkeit vom Birgittinischen Gedankenkreis vorausgesetzt. Diese Zuordnung wirkte schulbildend und beförderte nachhaltig die Einschätzung, daß Grünewald als Mystiker zu gelten habe. Das überlieferte Werk des Mathias Gothardt Neidhardt umfaßt ausschließlich Bildtafeln mit christlicher Ikonographie. Vom Beginn seiner künstlerischen Entwicklung in Nürnberg bis zu seinem letzten Bild in Tauberbischofsheim hat ihn ein Motiv der Heilsgeschichte insbesondere beeindruckt: die Kreuzigung Jesu. Hat das Kreuz für den Gedanken der unio mystica eine exemplarische oder eine konstitutive Bedeutung? Sofern das Kreuz dem Glauben vorgeordnet ist, sind die Repräsentanten dieses Glaubens bei Grünewald nur als Indikatoren, als Hinweiser (knieende Maria unter dem Tympanon und Johannes der Täufer auf dem Isenheimer Altar!), denkbar.
Luise Caroline Reichsgräfin von Hochberg, die zweite Gemahlin des ersten badischen Großherzogs Karl Friedrich, war stets eine umstrittene Persönlichkeit. Positive Würdigungen blieben selten und entsprangen besonders Ende des letzten Jahrhunderts wohl nur der Ergebenheit gegenüber dem regierenden badischen Fürstenhaus. Im übrigen überwogen negative Einschätzungen. Von diesen beruhte eine Gruppe stark auf Vermutungen und Gerüchten aus dem 19. Jahrhundert. So wurde der Gräfin unterstellt, mindestens das jüngste ihrer vier Kinder entstamme nicht der Verbindung mit ihrem alternden Gemahl Karl Friedrich, sondern einer außerehelichen Beziehung mit dessen Sohn Ludwig. Vor allem aber hielt man die Gräfin für die intrigante Initiatorin der Kaspar-Hauser-Affäre, und warf ihr vor, auf verbrecherische Weise ihren Söhnen den Weg zum badischen Thron geebnet zu haben. Für die meisten Historiker blieb sie jenseits des Kaspar-Hauser-Mythos ohne Interesse. Am deutlichsten drückt dies Willi Andreas aus, für den die Gräfin 1913 "im Grunde ihres Wesens nur Weib und nichts als Weib", gewesen ist. Dieses Verdikt gründet auf zwei Säulen: Es resultiert einerseits aus der Beurteilung, daß sie zwar eine einflußreiche aber dennoch unpolitische Frau gewesen sei und bei ihrem Handeln nur persönliche Ziele im Auge gehabt habe. Daneben fußt es auf der Zuschreibung von Eigenschaften wie Handeln in blinder Leidenschaft, mangelnde Besonnenheit und unbedarfte Gutmütigkeit.
Seit langem ist das Schisma bekannt, von welchem das Wormser Bistum zur Zeit Kaiser Heinrichs IV, heimgesucht wurde. Ein zweites Schisma soll es zur Zeit Heinrichs V. gegeben haben. Über letzteres herrscht bis heute in der Literatur eine große Unsicherheit, zu deren Beendigung wir uns zunächst dessen Quellenbasis betrachten.
"Virtus sudore paratur" verheißt die 1726 im Diplom über die Erhebung in den Reichsgrafenstand erstmals bezeugte, vermutlich aber schon zur Zeit der Renaissance entstandene Devise des um den Heuchelberg, im Gartachgau und im Zabergäu beheimateten Hauses Neipperg. Sie charakterisiert bemerkenswert treffend den Werdegang dieser Familie vom hohen Mittelalter bis zum Ende der Monarchie, von der staufischen Reichsministerialität über den Niederadel und die Reichsritterschaft bis in den Hochadel, zur Reichsstandschaft und Standesherrlichkeit. Auf den ersten Blick und in vielen Details erscheint dieser Werdegang durchaus typisch für den reichsunmittelbaren Adel Südwestdeutschlands, und tatsächlich findet er zahlreiche Parallelen in der Geschichte anderer Familien nicht allein der Kraichgauer Ritterschaft. Daneben aber läßt er eine Reihe von Besonderheiten und Eigenarten erkennen, auf die man wohl letztlich den großen Erfolg des Hauses Neipperg in der Welt des Alten Reiches und darüber hinaus zurückführen muß. Persönliche Tüchtigkeit und Durchsetzungskraft zeigen sich hier über viele Generationen gepaart mit Umsicht und Konsequenz, mit politischem Geschick, mit einem ausgeprägten Familiensinn und nicht zuletzt mit viel Fortune.
Das Heidelberger Collegium Sapientiae war in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis zum Dreißigjährigen Krieg und - in bescheidenerem Ausmaß - in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine der bekanntesten Bildungsanstalten der reformierten Kirche im sũdwestdeutsch-schweizerischen Raum mit Ausstrahlung in zahlreiche andere calvinistische Territorien, insbesondere in Osteuropa. Trotz seiner Bedeutung sind jedoch Entstehungsbedingungen, Organisation und Wirksamkeit des Sapienzkollegs niemals untersucht worden, wenn es auch häufig im Zusammenhang mit der Geschichte der kurpfälzischen Kirche oder der Universität erwähnt worden ist. Die Ursache dieser Vernachlässigung in der modernen Forschung liegt nicht zuletzt in der desolaten Quellenlage. Geschlossene Aktenbestände existieren offenbar nicht; selbst wichtige Materialien, die im 18. Jahrhundert noch zur Verfügung standen, sind heute nicht mehr greifbar. Daher können im Folgenden auch nur kurze und fragmentarische Beobachtungen vorgelegt werden.
Fremdheit und Integration sind wieder aktuelle Themen. In Oberfranken sollten sie, aus langer historischer Erfahrung heraus, mit Gelassenheit behandelt werden. Die fränkischen Markgraftümer haben sich nicht nur als Aufnahmeland für Hugenotten bewährt (Paradebeispiel: Erlangen). Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Region, mit Gesamtbayern, eine hohe Zahl von Neubürgern aus den Gebieten jenseits von Oder und Neiße erfolgreich und mit Gewinn in Wirtschaft und Gesellschaft einbinden können. Auch die Zeit dazwischen braucht keine weiße Fläche auf der thematischen Karte "Asylanten" eines virtuellen fränkischen Geschichtsatlasses zu bleiben. Fluchtbewegungen nach Bayreuth - hier aufzuzeigen am Beispiel von Angehörigen der Oberschicht - wurden durch die Französische Revolution, den Sturz der Julimonarchie und - lange vorher - eine gescheiterte Ehe ausgelöst.
Im Jahr 1671 verfaßte der Konstanzer Georg Settele sein Testament: Der wohlhabende Mann bedachte angemessen seine Angehörigen mit Bargeld. regelte den Verkauf seiner Liegenschaften und bestimmte die Erben für seinen persönlichen Nachlaß. Bei all seinen familiären Rücksichten behielt er aber noch so viel Vermögen zurück, daß er in ausreichender Form für das eigene Seelenheit und das seiner Familie Vorsorge treffen konnte: Elf Kirchen und Klöster bedachte er mit Stiftungen, präzise regelte er, in welcher Kirche, an welchem Altar, zu welchem Zeitpunkt Priester das Meßopfer feiern und Fürbittgebete für das Heil der Verstorbenen sprechen sollten.
Die Idee demokratischer Bestimmung des politischen Geschehens, Herrschaft des Volks also zu verwirklichen, reicht mit ihren ersten Realisierungsmodellen weit in die Antike zurück. In der jüngeren Geschichte Europas bedurfte es aber erst der Aufklärung, der von ihr ausgehenden geistigen Impulse und der Revolution in Frankreich, bis Angedachtes sich auch in Deutschland in konkreter werdenden politischen Forderungen kristallisierte, danach eines neuerlich langanhaltenden Prozesses, bis aus konkurrierenden Vorstellungen heraus Gesetzesnormen geschaffen waren und schließlich die politische Realität des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wählens folgte.
Die im Landkreis Reutlingen gelegene Stadt Bad Urach gehört heute zu den bedeutendsten Fremdenverkehrsgemeinden auf der Schwäbischen Alb mit Anerkennung als Luftkur- und Badeort. Die Anfänge des Fremdenverkehrs reichen zurück bis etwa zur Jahrhundertwende, doch sind sichere Aussagen aufgrund der unbefriedigenden Quellenlage kaum möglich (Röhm 1969 S. 3). Unterlagen über die entsprechenden Aktivitäten sind in den Archiven erst für die letzten Jahrzehnte vorhanden; aus früherer Zeit existieren nur einige wenige Prospekte und Zeitungsausschnitte. Lemmer (1993 S. 12) legt in sehr großzügiger historischer Sicht den Beginn des Fremdenverkehrs sogar noch sehr viel früher in das 14. Jh., als Angehörige des württembergischen Hofes zu Jagd und Spiel nach Urach kamen. 1643 gab dann Merian in seiner Topographia Germaniae erste Hinweise auf das gesunde Klima und die reizvolle Lage der Gemeinde.
Mit dem Versailler Hof assoziiert im deutschen Südwesten jeder historisch Interessierte sogleich auch Elisabeth Charlotte, geborene Pfalzgräfin bei Rhein, als Herzogin von Orléans Schwägerin König Ludwigs XIV. von Frankreich, die als >Liselotte von der Pfalz< dank ihrer umfangreichen Korrespondenz unsterblich geworden ist. Das Schicksal der zweiten prominenten Deutschen am Versailler Hof, Maria Anna Christine, geb. Herzogin von Bayern und Gattin des Dauphin, hat lediglich in Fachkreisen Aufmerksamkeit gefunden. Daß jedoch noch eine weitere deutsche Adlige, Sophie Marie Wilhelmine Gräfin von Löwenstein-Wertheim- Rochefort, in jener Zeit jahrzehntelang dem französischen Hof angehörte, ist hierzulande nahezu unbekannt geblieben. Der Reiz, den die Befassung mit solchen Persönlichkeiten mit sich bringt, rührt zu einem Gutteil daher, daß diese im Brennpunkt der Begegnung zweier Adelswelten stehen, einem Bereich also, in dem die unterschiedlichen kulturellen Auffassungen, aber auch Verfassungszustände des Königreichs Frankreich und des Alten Reichs aufeinandertrafen.