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Das Benediktinerinnenkloster Friedenweiler und die Erschließung des südöstlichen Schwarzwaldes
(1939)
Das Frauenkloster Friedenweiler, bis zur Reformation eine Niederlassung von Benediktinerinnen, nach der Neugründung im 16. Jahrhundert von Zisterzienserinnen bezogen, war nie eine jener gewaltigen Schöpfungen mittelalterlicher Klosterpolitik von großem Formate. In einem abgelegenen, klimatisch wenig begünstigten Waldtale der südöstlichen Schwarzwaldabdachung gelegen, vermochte Friedenweiler über einen engeren Bereich des gebirgigen Waldlandes hinaus niemals stärkere geistige, politische und wirtschaftliche Regsamkeit zu entfalten. In diesem Frauenkloster tritt die geistliche Aufgabe stärker hervor als in den streitbaren und machtpolitisch bedeutsamen Niederlassungen der Benediktinermönche. Aber trotz dieses Vorranges der geistlichen Funktionen erschöpft sich der Zweck der Gründung doch auch hier nicht in religiösen Motiven. Auch Friedenweiler muß im Zusammenhang nicht nur mit den kirchlichen, sondern auch mit den weltlich-politischen Erscheinungen der Zeit betrachtet werden. Unsere Aufgabe soll sein, diesen Zusammenhängen mit größeren und bedeutsameren Erscheinungen der zeitgenössischen Geschichte nachzugehen. Die Geschichte des geistlichen Werdeganges soll von uns nur insoweit dargestellt werden, als er für unsere verfassungs- und wirtschaftsgeschichtliche Fragestellung von Bedeutung ist. Dies ist zumal bei den Gründungsvorgängen der Fall. Die Entstehungsgeschichte bedarf um so mehr einer gründlichen Erörterung, als sie bisher nie systematisch dargestellt wurde. Die späteren Jahrhunderte der klösterlichen Entwicklung dagegen sind vornehmlich in ihren verfassungsgeschichtlichen Äußerungen zu behandeln.
Um die historisch-politischen Kräfte, die historische Funktion und die Schicksale einer Landschaft zu erkennen, muß fürs erste eine räumliche Umschreibung des in Frage kommenden Raumes vorgenommen werden. Die räumliche Abgrenzung allein ist aber nicht entscheidend, es kommen noch die anthropogeographischen Gegebenheiten dazu. Da können wir für das Oberrheingebiet feststellen, daß es einen Teil des alemannisch-fränkischen Raumes bildet, der weit über diese Landschaft hinausragt, so wie auch seine Bevölkerung nur einen Teil des fränkischen und des alemannischen Stammes darstellt. Aber dieser fränkisch-alemannische Raum ist nicht eine in sich geschlossene Landschaft, sondern er zerfällt in eine Reihe von Einzellandschaften, am Main, am Neckar, an der Donau, am Bodensee, am Hoch- und am Oberrhein. Am aber nun die besondere Funktion einer dieser Landschaften herauszuarbeiten, muß sie in Beziehung zu den Nachbargebieten gebracht werden. Die Art dieser Beziehungen ist nun gerade am Oberrhein besonders interessant, weil hier der Rhein nach Norden und Süden und dann die Burgundische Pforte Verkehrsmöglichkeiten von größter Bedeutung bieten, während wieder Vogesen und Schwarzwald dem freien Verkehr große Hindernisse in den Weg legen und deshalb ein besonderes Problem bilden.
Nachruf auf Dr. Franz Götz
(2020)
Der Hegau ist ärmer geworden. Ich habe das Gefühl, dass sein Fehlen jetzt schon spürbar ist. Dr. Franz Götz, der Alt-Kreisarchivar, war wie kaum ein anderer mit der Hegau-Landschaft verbunden. Lieber Franz, Du warst in bewundernswerterweise zufrieden mit Deinem Leben und bereit für diesen Abschied von hier und vom Hegau. Du hast alles bestens geregelt – und mir dabei die ehrenvolle und zugleich schmerzvolle Aufgabe übertragen, hier über Dich zu sprechen. Ob ich dem gerecht werden kann? Ich will’s versuchen.
»Das Leben ist der größte Lehrmeister; ihm zahlt man die höchsten Honorare!« Mit diesem Zitat leitet Carl Alfred Kellermann seine Autobiographie ein, die er 1907 in Erzählform mit dem Titel »Tagebuch eines Hauslehrers. Reminiszenzen in allen Potenzen « unter dem Pseudonym Dr. v. Wedel herausgegeben hat. Da Kellermann heute fast vergessen ist und bisher Weniges, meist nur Lückenhaftes, über ihn geschrieben wurde, soll er hier, soweit es die verfügbaren Quellen hergeben, vorgestellt werden.
Für mich als Gottmadinger lag der Hohentwiel vor meinem Kinderzimmerfenster. Doch wem gehört der Hohentwiel? Der Hohentwiel liegt auf Singener Gemarkung, war er aber, historisch gesehen, wirklich der Singener »Hausberg«? Die Stadt Singen heißt offiziell »Singen (Hohentwiel)«, das suggeriert ein enges Verhältnis. In der stürmischen Silvesternacht 1968/69 hisste der Singener Oberbürgermeister Theopont Diez stolz mit einigen Getreuen die Fahne seiner Stadt auf dem Kirchturm auf dem Hohentwiel – war dies eine Rückkehr, eine Heimkehr, eine Eroberung oder einfach eine Umgemeindung?
Im Fremden daheim
(2020)
Im Jahr 2021 finden in Radolfzell die baden-württembergischen Heimattage statt. Ein reichhaltiges, buntes Programm widmet sich dem Thema. Zugleich begeht die Trachtengruppe Alt-Radolfzell ihr 100-jähriges Bestehen und das stadtbildprägende Österreichische Schlösschen feiert den 400. Geburtstag. Mehr Heimat geht nicht – oder? Gerne in Vergessenheit geraten jene Menschen, die hierher geflohen sind, zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg, und für die inzwischen Radolfzell ebenso Heimat bedeutet wie für die Alteingesessenen. Der Beitrag ist eine erste Spurensuche und zugleich ein Appell, sich zu melden, um wenigstens einige Schicksale von Menschen, die nach 1945 hier flüchteten, aufzuzeichnen und deren Leistung für den Hegau
wertzuschätzen.
Ende der 1950er Jahre führte die wirtschaftliche Expansion, die sich bisher auf den Zustrom der Heimatvertriebenen und DDR-Flüchtlinge stützen konnte, zu einem immer ausgeprägteren Arbeitskräftemangel. Die Wirtschaft fand einen Ausweg in der Anwerbung von sogenannten Gastarbeitern, die vor allem aus Italien kamen. Erstmals berichtet der »Südkurier« am 9. November 1959 davon, dass 78 Italiener sich im Kreis Stockach befinden, von denen 50 in den letzten drei Jahren gekommen seien. In Stockach hat die Maschinenfabrik Fahr italienische Arbeitskräfte eingestellt, während »Hoch und Tiefbaufirmen und landwirtschaftliche Großbetriebe ihren Arbeitskräftebedarf seit Jahren teilweise aus dem Land südlich der Alpen decken«.
Das am 20. Dezember 1955 geschlossene »Abkommen über die Anwerbung und Vermittlung von italienischen Arbeitskräften in die Bundesrepublik Deutschland« steht für den Beginn einer systematischen staatlichen Anwerbung von ausländischen Arbeitnehmern durch die Bundesrepublik Deutschland. Als fundamentaler Bestandteil dieser bilateralen Vereinbarung galt das »Rotationsprinzip«. Dementsprechend war der Arbeitsaufenthalt der Italiener befristet, ihre dauerhafte Niederlassung nicht beabsichtigt und eine Integration somit unerwünscht. Die zunächst für neun Monate
gestattete Arbeitsaufnahme und die vorgesehene Rückkehr ins Heimatland trugen dazu bei, die ausländischen Arbeitnehmer als »Gastarbeiter« zu bezeichnen.
Gelato aus Italien
(2020)
Eisdielen, in denen offenes Eis zum Verzehr im Lokal oder zum Mitnehmen angeboten wird, gibt es 2020 in Konstanz beinahe ein Dutzend. Sie tragen alle italienische Namen und pflegen ein italienisches Image, doch ist es heutzutage nicht mehr ohne weiteres gesagt, dass es wirklich Italiener sind, die sie betreiben. Die Mehrzahl der Konstanzer Eisdielen dürfte aber noch immer in italienischer Hand sein, das heißt, das Personal vom Pächter und den Eisherstellern bis hin zur Bedienung stammt weitgehend ebenso aus Italien wie der Espresso, die Kaffeemaschine und oft auch die Einrichtung. Aber irgendwie geschützt ist die traditionelle Eisdiele nicht, und jeder, der möchte, kann ein solches Lokal eröffnen, es irgendwie »italienisch« einrichten und ihm einen italienischen Namen geben. Das Geschäft brummt: Die Altstadt von Konstanz ist von Urlaubern und Schweizer Einkaufstouristen oftmals völlig
überlaufen, vor allem in der »Saison« im Sommerhalbjahr.
Durchgangszimmer
(2020)
Am 13. März 2016 ermöglichte die Gemeinde Gottmadingen anlässlich eines »Tages der offenen Tür« den Einwohnern die Besichtigung der Villa Graf; eine 1906 von einer ortsansässigen Brauereifamilie erbauten Jugendstilvilla. Ab Anfang Mai 1945 befand sich in deren Räumen die französische Ortskommandantur, später eine Gendarmerie-Brigade. In einem der Kellerräume der Villa fanden sich bei der Besichtigung Inschriften, die eine Nutzung dieses Raumes als Haftzelle durch die französische Verwaltung belegen. Die meisten wurden vom Verfasser fotografiert und die lesbaren sollen hier dargestellt werden.